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Norddeutschland Trittauer Firma soll Luft in Kiel reinigen
Nachrichten Norddeutschland Trittauer Firma soll Luft in Kiel reinigen
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19:12 10.01.2019
Lastwagen und Pkw fahren an der Luftmessstation am Theoder-Heuss-Ring in Kiel vorbei. Hier soll bald die Luft gefiltert werden. Quelle: dpa
Kiel/Trittau

Mit einem Luftreinigungs-Container will die Stadt Kiel versuchen, ein drohendes Diesel-Fahrverbot zu verhindern. Bereits im Februar könnte der Prototyp einer mobilen Absauganlage für einige Wochen testweise am vielbefahrenen Theodor-Heuss-Ring aufgestellt werden, sagte Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) am Donnerstag. „Wir können aber nicht allein auf die Anlage setzen.“ Sie sei nur eine Ergänzung zu den Plänen der Stadt.

Der Container wurde von der Trittauer Firma Purevento entwickelt. Laut Geschäftsführer Robert Krüger, der in Trittau bereits eine Insektenschutzfirma betreibt, handelt es sich um einen Prototyp. Der sogenannte Stadtluftreiniger sauge die Straßenluft ein und könne über 85 Prozent des Feinstaubs und 80 bis 90 Prozent der Stickstoffdioxide einbehalten. Dies funktioniere über Aktivkohlefilter, wie sie auch in Fahrzeugen eingesetzt würden. Noch werde an letzten Details gearbeitet. Das Gerät reinige je nach Bedarf bis zu 40 000 Kubikmeter Luft in der Stunde und passe in eine Parkbucht. An letzten Details werde noch gearbeitet.

Experten skeptisch

Ob die Trittauer Firma mit ihrem Verfahren in Kiel oder anderen von der Diesel-Krise betroffenen Städten Erfolg hat, ist ungewiss. Die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart hat ebenfalls Container zur Luftverbesserung aufgestellt. Diese seien jedoch ausschließlich gegen Feinstaub wirksam, erklärt Stadtsprecherin Jasmin Bühler. „Der Stadt Stuttgart liegen derzeit keine Erkenntnisse über ein wirksames Filtersystem vor, das zur Reduktion von Stickstoffdioxid führen würde – und damit zur Vermeidung von Verkehrsverboten.“

Stuttgart setzt auf Geräte der Firma Mann und Hummel, die nach eigener Auskunft noch daran arbeitet, eine Technologie zur Filtration von Stickoxiden zu finden. Auch Wolfgang Weber, Professor für Luftreinhaltung an der Fachhochschule Augsburg, sind Filtersysteme auf dem Markt, die gegen Stickoxide wirken, nicht bekannt. „Es gibt die Möglichkeit, mit Titandioxid Stickoxide abzubauen.“ Damit könne die Belastung erheblich reduziert werden, falls UV-Strahlung und Wind-Strömungsverhältnisse es zuließen. „Das ist theoretisch möglich.“

Die Trittauer Firma will mit ihrem Container nun sowohl Stickoxide als auch Feinstaub aus der Kieler Luft herausfiltern. Laut Geschäftsführer Krüger habe Purevento das Verfahren erfolgreich im Labor getestet.

Die Stadt Kiel jedenfalls erhofft sich vor allem die Verringerung der Stickoxid-Belastung. „Wir machen das wegen des Stickstoffs“, bekräftigt Arne Gloy, Sprecher der Stadt Kiel. Bei dem Einsatz der Container gehe es zunächst um eine Testphase von einigen Tagen. Die Stadt wolle sehen, „ob es etwas bringt“. Wenn der Container sich bewähre, könne er im Dauerbetrieb aufgestellt werden. Noch aber sei weder die Wirksamkeit erwiesen, noch die Produktion gesichert.

Grenzwerte überschritten

Kiels Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) ist daran gelegen, Fahrverbote künftig verhindern zu können und arbeitet an einem Luftreinhalteplan. „Der Schutz der Gesundheit der Anwohner am Theodor-Heuss-Ring hat oberste Priorität“, sagte er. „Wir begrüßen daher jede Maßnahme, die zu einer Reduzierung der Stickoxidwerte beiträgt und werden den Modellversuch der Stadt Kiel fachlich begleiten.“

Wegen jahrelanger zu hoher Belastung der Luft durch gesundheitsschädliches Stickstoffdioxid (NO2) haben Gerichte bereits mehrere deutsche Städte zu Fahrverboten verdonnert. Der europäische Grenzwert beträgt 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Am Kieler Theodor-Heuss-Ring betrug der Durchschnittswert im vergangenen Jahr rund 60 Mikrogramm. 2017 waren es 56 und ein weiteres Jahr zuvor 65 Mikrogramm gewesen.

In Hamburg gelten seit Ende Mai 2018 auf Abschnitten zweier stark befahrener Straßen Durchfahrtsbeschränkungen für Diesel bis zur Euro-Norm 5. Den Weg für Fahrverbote in Deutschland hatte im Februar 2018 das Bundesverwaltungsgericht bereitet.

Marcus Stöcklin

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