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Norddeutschland Ein Elefant auf der Theaterbühne - Dickhäuter bei „Aida“-Oper
Nachrichten Norddeutschland Ein Elefant auf der Theaterbühne - Dickhäuter bei „Aida“-Oper
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09:20 27.06.2016
Mala übt für den Auftritt in der AIDA-Oper bei den Schlossfestspielen in Schwerin.  Quelle: dpa
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Schwerin

 „Rangu!“ Sonni Frankello schwenkt die Arme und fordert die Elefantenkuh Mala auf, ihren Rüssel zu heben. Dickhäuter-Sprache. Das gelehrige Tier reagiert sofort. Auf „lift“ hebt es einen Fuß, „down“ bedeutet hinlegen. Trainiert wird auf dem Elefantenhof im mecklenburgischen Platschow. Eigentlich müsse die 32-jährige afrikanische Elefantendame ihre Statisten-Rolle bei den Schweriner Schlossfestspielen nicht proben. Die in der Zirkusfamilie aufgewachsene Elefantendame sei ein geübter Film- und Fernsehstar, sagt der Besitzer.

Bei der Open-Air-Aufführung von Guiseppe Verdis Oper „Aida“ soll der Elefant aus Platschow den berühmten Triumphmarsch anführen. Vom 8. Juli bis 14. August läuft er dazu in 23 Vorstellungen mit Kopfschmuck zwei Minuten zwischen Kulisse und Publikum hindurch und wendet sich einmal den Zuschauern zu, wie Frankello erklärt. An- und Abfahrt im Transporter dauerten jeweils eine Stunde, der Backstagebereich sei eine Wiese am Theater. „Das ist Routine“, sagt Frankello. In den letzten 30 Jahren habe Mala in mindestens 100 Shows europaweit mitgewirkt, darunter auch in „Aida“-Aufführungen.

2006 spielten drei der neun Platschower Dickhäuter in der BBC-Dokumentation über den antiken Feldherrn „Hannibal“ (247-183 v.Chr.) mit. Bei der ARD-Sendung „Das unglaubliche Quiz der Tiere“ hatten die Mecklenburger Elefanten öfter ihren großen Auftritt. „Wir waren in Studios, sind Fahrstuhl gefahren, in Hallen, Stadien, Kaufhäusern, Städten und auch einmal im Porzellanladen herumgelaufen“, sagt Frankello. Einladungen kamen zu Kinderfesten, Hochzeiten und sogar zu einer Beerdigung.

Gegner der Dickhäuter-Theaterrolle sind nicht nur Tierschutzaktivisten der Organisation „People for the Ethical Treatment of Animals“ (PETA), sondern auch Schweriner Stadtvertreter. Nachdem Malas Vertrag für „Aida“ bereits unterschrieben war, brachte die Fraktion der Unabhängigen Bürger (UB) im Januar einen Antrag durchs Stadtparlament, der Zirkusauftritte von Wildtieren verbietet. Andere deutsche Städte hätten ähnliche Regelungen, erklärt UB-Vertreter Manfred Strauss, Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Gefahrenabwehr und Ordnung.

Großtiere bei den Schlossfestspielen seien überflüssig, meint Strauss. Schließlich wäre die 1871 in Kairo uraufgeführte Verdi-Komposition einst ohne solche pompösen Statisten gedacht gewesen. „Einen derartigen Werbegag braucht die Oper nicht“, ist der erklärte Theaterfreund überzeugt. „Kein Elefant macht freiwillig Kunststücke, das ist aufgezwungen, Stress fürs Tier und nicht artgerecht“, sagt Strauss. „Ein Elefant gehört nicht auf eine Theaterbühne, sondern dorthin wo er aufgewachsen ist oder in den Zoo.“

Frankello kontert: „Der Stress kommt von den Menschen, er ist eigentlich die Gefahr.“ Für den Schutz der Elefantenkuh und auch von zwei zur Musik mitlaufenden Kamelen bei den Vorführungen sei nun extra Sicherheitspersonal angeheuert worden. „Das sind ein paar kräftige Jungs, die einen Elefanten wegheben können.“

Die ursprünglich aus Mecklenburg stammende Zirkusfamilie Frankello hatte vor elf Jahren das Tourneegeschäft an den Nagel gehängt und sich samt Elefanten und Kamelen im Dorf Platschow an der Landesgrenze zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg niedergelassen. Im Ort gibt es die letzten Dickhäuter Nordostdeutschlands, nachdem der Rostocker Zoo 2013 die Haltung wegen EU-Vorschriften aufgab.

Elefantenkuh Mala gehe mit dem Theater um ihren Opern-Auftritt selbst ziemlich gelassen um. „Wir kommen doch nicht aus dem Busch“, sagt der Zirkusmann. „Elefanten sind intelligent und neugierig, sie brauchen geistreiche Aufgaben, Abwechslung und Aufmerksamkeit, warum nicht mal auf einer Bühne?“ Sorgen um das sensible Gehör des Steppentieres habe er nicht. Bei zu viel Wind, Staub, Lärm, lauter Orchestermusik oder grellen Tönen mache der Dickhäuter einfach die Schließmuskeln an den Ohren zu.

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