Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 2 ° Regenschauer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Ein Elefant auf der Theaterbühne - Dickhäuter bei „Aida“-Oper

Schwerin Ein Elefant auf der Theaterbühne - Dickhäuter bei „Aida“-Oper

Riesentheater vor Schwerins Schlossfestspielen: Ein Elefant soll zum Triumphmarsch der Verdi-Oper „Aida“ auf die Open-Air-Bühne. Tierschützer schlagen Alarm. Auch manch Musikfan findet den Auftritt überflüssig. Nur der Dickhäuter bleibt ganz cool.

Mala übt für den Auftritt in der AIDA-Oper bei den Schlossfestspielen in Schwerin. 

Quelle: dpa

Schwerin.  „Rangu!“ Sonni Frankello schwenkt die Arme und fordert die Elefantenkuh Mala auf, ihren Rüssel zu heben. Dickhäuter-Sprache. Das gelehrige Tier reagiert sofort. Auf „lift“ hebt es einen Fuß, „down“ bedeutet hinlegen. Trainiert wird auf dem Elefantenhof im mecklenburgischen Platschow. Eigentlich müsse die 32-jährige afrikanische Elefantendame ihre Statisten-Rolle bei den Schweriner Schlossfestspielen nicht proben. Die in der Zirkusfamilie aufgewachsene Elefantendame sei ein geübter Film- und Fernsehstar, sagt der Besitzer.

Bei der Open-Air-Aufführung von Guiseppe Verdis Oper „Aida“ soll der Elefant aus Platschow den berühmten Triumphmarsch anführen. Vom 8. Juli bis 14. August läuft er dazu in 23 Vorstellungen mit Kopfschmuck zwei Minuten zwischen Kulisse und Publikum hindurch und wendet sich einmal den Zuschauern zu, wie Frankello erklärt. An- und Abfahrt im Transporter dauerten jeweils eine Stunde, der Backstagebereich sei eine Wiese am Theater. „Das ist Routine“, sagt Frankello. In den letzten 30 Jahren habe Mala in mindestens 100 Shows europaweit mitgewirkt, darunter auch in „Aida“-Aufführungen.

2006 spielten drei der neun Platschower Dickhäuter in der BBC-Dokumentation über den antiken Feldherrn „Hannibal“ (247-183 v.Chr.) mit. Bei der ARD-Sendung „Das unglaubliche Quiz der Tiere“ hatten die Mecklenburger Elefanten öfter ihren großen Auftritt. „Wir waren in Studios, sind Fahrstuhl gefahren, in Hallen, Stadien, Kaufhäusern, Städten und auch einmal im Porzellanladen herumgelaufen“, sagt Frankello. Einladungen kamen zu Kinderfesten, Hochzeiten und sogar zu einer Beerdigung.

Gegner der Dickhäuter-Theaterrolle sind nicht nur Tierschutzaktivisten der Organisation „People for the Ethical Treatment of Animals“ (PETA), sondern auch Schweriner Stadtvertreter. Nachdem Malas Vertrag für „Aida“ bereits unterschrieben war, brachte die Fraktion der Unabhängigen Bürger (UB) im Januar einen Antrag durchs Stadtparlament, der Zirkusauftritte von Wildtieren verbietet. Andere deutsche Städte hätten ähnliche Regelungen, erklärt UB-Vertreter Manfred Strauss, Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Gefahrenabwehr und Ordnung.

Großtiere bei den Schlossfestspielen seien überflüssig, meint Strauss. Schließlich wäre die 1871 in Kairo uraufgeführte Verdi-Komposition einst ohne solche pompösen Statisten gedacht gewesen. „Einen derartigen Werbegag braucht die Oper nicht“, ist der erklärte Theaterfreund überzeugt. „Kein Elefant macht freiwillig Kunststücke, das ist aufgezwungen, Stress fürs Tier und nicht artgerecht“, sagt Strauss. „Ein Elefant gehört nicht auf eine Theaterbühne, sondern dorthin wo er aufgewachsen ist oder in den Zoo.“

Frankello kontert: „Der Stress kommt von den Menschen, er ist eigentlich die Gefahr.“ Für den Schutz der Elefantenkuh und auch von zwei zur Musik mitlaufenden Kamelen bei den Vorführungen sei nun extra Sicherheitspersonal angeheuert worden. „Das sind ein paar kräftige Jungs, die einen Elefanten wegheben können.“

Die ursprünglich aus Mecklenburg stammende Zirkusfamilie Frankello hatte vor elf Jahren das Tourneegeschäft an den Nagel gehängt und sich samt Elefanten und Kamelen im Dorf Platschow an der Landesgrenze zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg niedergelassen. Im Ort gibt es die letzten Dickhäuter Nordostdeutschlands, nachdem der Rostocker Zoo 2013 die Haltung wegen EU-Vorschriften aufgab.

Elefantenkuh Mala gehe mit dem Theater um ihren Opern-Auftritt selbst ziemlich gelassen um. „Wir kommen doch nicht aus dem Busch“, sagt der Zirkusmann. „Elefanten sind intelligent und neugierig, sie brauchen geistreiche Aufgaben, Abwechslung und Aufmerksamkeit, warum nicht mal auf einer Bühne?“ Sorgen um das sensible Gehör des Steppentieres habe er nicht. Bei zu viel Wind, Staub, Lärm, lauter Orchestermusik oder grellen Tönen mache der Dickhäuter einfach die Schließmuskeln an den Ohren zu.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. An dieser Stelle finden Sie die Galerie für den April 2017.

  • Hochzeitszauber
    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informationen und kompetente Ansprechpartner in und um Lübeck für Ihre Traumhochzeit.

    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informat... mehr

  • Reisetipps
    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber.

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

  • Events & Veranstaltungen
    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe.

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Lifestyle

    Unser Lifestyle-Portal mit nützlichen News und Tipps: Informieren Sie sich über Mode, Beauty und aktuelle Trends. Mehr Schwung, mehr Spaß... mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Ausstellungen, Theater, Konzerte und mehr in Lübeck und Umgebung.

Tatort-Blitzkritik

Immer sonntags, direkt nach dem Tatort gibt es die Kritik auf LN Online. Reden Sie mit!

TV-Vorschau

Unsere Kolumne zeigt, wo sich das Einschalten lohnt.

Beltquerung

Politik und Bahn planen die Hinterlandanbindung zur Beltquerung. Alle Infos hier.

Schulen

Wir stellen Ihnen Schulen vor - damit Sie die richtige Wahl für Ihr Kind treffen.