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Norddeutschland Ein Endlager vor der Haustür?
Nachrichten Norddeutschland Ein Endlager vor der Haustür?
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19:12 08.04.2017
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Siek

Noch fühlen sich die Anwohner oberhalb der Salzstöcke im Norden sicher: Ein atomares Endlager? „Das wäre mir neu“, sagt SPD-Gemeindevertreterin Gerlinde Görmer aus Siek (Kreis Stormarn).

In der Tat steht der Salzstock von Siek offiziell bisher nur auf einer alten Liste der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) aus dem Jahr 1995. Die Umweltorganisation Greenpeace aber hat die darin genannten Gebiete mit anderen in eine Karte denkbarer Standorte für ein atomares Endlager aufgenommen. Fest steht: Die Suche hat neu begonnen.

Auch Sterup (Schleswig-Flensburg), Oldenswort (Nordfriesland), und Heide (Dithmarschen) finden sich auf der Greenpeace-Karte. Außerdem sind Salzstöcke bei Geesthacht und Lütau (Lauenburg) eingezeichnet. Letztere wurden 1974 bis ’76 von der Kernbrennstoff-Wiederaufbereitungs-Gesellschaft ins Gespräch gebracht. Dass Geesthacht und Lütau geeignet seien, bezweifelt Kerstin Pfeiffer, Geologin aus Kehrsen (Lauenburg) vom „Geopark Nordisches Steinreich“. „Die Feuchtigkeit dürfte ein Problem sein“, überlegt sie. „Wie bei fast allen Salzstöcken.“

„Die Aufzählung von Greenpeace ist auf keinen Fall abschließend“, kommentiert Karsten Hinrichsen, Atom-Aktivist aus Brokdorf (Kreis Steinburg). Er nennt den nicht eingezeichneten Salzstock Belmhusen, der von Dithmarschen bis Brunsbüttel reiche.

„Auf jeden Fall gibt es im Norden sehr viel Salz“, stellt Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital fest. „Und wenn man ergebnisoffen sucht, sind alle diese Vorkommen wieder im Rennen.“ Dies gelte vor allem für den dünn besiedelten Nordwesten. In der Nähe von großen Städten werde sich ein Endlager kaum realisieren lassen. Ebenso werde ein geschützter Naturraum sicher berücksichtigt, glaubt der Kernphysiker.

Insofern wiegt sich auch Grit Richter, Bürgermeisterin des Amtes Neuhaus, bislang in Sicherheit. Zu ihrem Gebiet gehört der öfter diskutierte Salzstock Gülze-Sumte, der zu DDR-Zeiten gründlich untersucht wurde. „Wir liegen hier doch im Biosphärenreservat“, sagt Richter. Bei den rund 5000 Einwohnern sei die Endlagersuche daher kein Thema. Laut Volkmar Bräuer von der mit der Suche betrauten BGR muss das nichts heißen: Ob ein Standort im Biosphärenreservat in Frage komme, sei „eine Frage der Gewichtung.“ Umwelt-Flächen seien flexibel fassbar. „Geologische Formationen sind es nicht.“

In Hamdorf und Gnutz (Kreis Rendsburg-Eckernförde) – ebenfalls auf der Greenpeace-Karte – bekennen die Bürgermeister einmütig, sich kein atomares Lager vorstellen zu können. Jörg Thomsen, Bürgermeister von Hamdorf, erinnert sich, dass der Salzstock dort schon einmal zur Debatte stand. „Das ist aber in Vergessenheit geraten.“ Markus Mehrens, Gemeindeoberhaupt von Gnutz, gibt sich widerspenstig. „Ich denke nicht, dass wir so etwas hier haben wollen.“

M. Stã¶cklin

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