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18:25 27.08.2016
Familienausflug ins Grüne: Detlef (49), Friederike (12), Juliane (10) und Carmen Schulz (42, v. l.) paddeln über die Wakenitz. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler

Jan Metzger steht am Falkendamm in Lübeck und blickt gespannt hinunter aufs Wasser. Seit einiger Zeit schon treibt dort sein Angelhaken. „Hecht, Zander, Flussbarsch – anscheinend ist hier einiges drin“, sagt er. „Aber zurzeit beißen die Fische nicht so. Ich habe noch gar nichts gefangen.“

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Zum zweiten Mal erst probiert der Hobbyangler sein Glück in der Wakenitz. „Bisher war ich immer an der Trave unterwegs“, berichtet der 41-Jährige. Doch nun habe er eine neue Herausforderung gesucht.

„Außerdem finde ich die Wakenitz schöner, hier ist nicht so viel Betrieb.“ Zumindest, was andere Angler betrifft. Denn ansonsten ist an diesem Tag einiges los auf dem Gewässer. Nur wenige Meter entfernt lassen drei Männer ihre Modellschiffe herumfahren, daneben versuchen sich zwei Mädchen im Stand-up-Paddling, in der Ferne sind Segelboote zu erkennen.

Am Falkendamm endet die Wakenitz, nachdem sie sich zuvor 14,9 Kilometer lang durch Lübeck und das nördliche Herzogtum Lauenburg geschlängelt hat. Los geht die Reise in Rothenhusen, denn die Wakenitz ist ein natürlicher Abfluss des Ratzeburger Sees. Direkt an der Abzweigung steht das Fährhaus Rothenhusen. Früher konnten Besucher von der Gaststätte aus auf den Beginn des Flusses schauen.

Doch das Haus wird zurzeit umgebaut. Ein hoher Zaun versperrt nun den Durchgang zum Ratzeburger See. Die Quandt-Ausflugsschiffe fahren den Haltepunkt trotzdem an. Mehrmals pro Tag schippern sie von Lübeck aus die Wakenitz hinauf, meistens mit vielen Touristen an Bord.

Jochen Schwarz und Carola Winkler haben die Strecke mit ihren Söhnen Lasse (15) und Anton (8) auf dem Fahrrad zurückgelegt. Am Kanu-Center in Groß Sarau haben sie Bier und für die Kinder Limonade gekauft. Mit den Getränken in der Hand lassen die Vier ihre Füße ins kühle Wasser baumeln. „Wir sind die Tour zum ersten Mal gefahren und waren überrascht, wie schön und idyllisch der Weg ist“, sagt Jochen Schwarz. Dabei kennt die Familie die Wakenitz eigentlich sehr gut, allerdings den Teil in Altstadtnähe. Dort haben die Lübecker einen Schrebergarten direkt am Wasser, im Sommer sind sie häufig mit ihrem Ruderboot unterwegs. „Dann baden wir vom Boot aus“, sagt Jochen Schwarz.

Renate Siewertsen zieht das Naturbad Falkenwiese zum Schwimmen vor. Fast täglich ist die 69-Jährige dort im Sommer anzutreffen. „Ich peile immer 100 Besuche pro Saison an“, sagt sie. Und es sieht gut aus, dass sie ihr Ziel auch dieses Jahr wieder erreicht. Mehr als 90 Schwimmausflüge hat sie bereits hinter sich. „Ich darf halt zwischen dem 15. Mai und dem 15. September möglichst nicht in den Urlaub fahren“, sagt die Lübeckerin, die sich mit anderen Vielschwimmern angefreundet hat. Zehn bis zwölf Personen umfasst die Gruppe inzwischen. „Wir bringen uns Schnittchen oder Kuchen mit und dann wird nach dem Schwimmen zusammen gegessen und Kaffee getrunken“, sagt sie.

Mit dabei ist auch Gotlind Rieb. „Hier kann man entspannt vorwärts und rückwärts schwimmen, ohne gegen jemand anderen zu prallen“, sagt die 72-Jährige. Außerdem sei die Natur unvergleichlich schön.

„Enten baden neben einem, Möwen sitzen auf den Pfosten und schauen zu. Das ist einfach herrlich.“

Ein Stück weiter flussaufwärts, an der Moltkebrücke, haben sich Detlef und Carmen Schulz mit ihren Töchtern Friederike (12) und Juliane (10) ein Kanu ausgeliehen. Von dort sind sie die Wakenitz hinaufgepaddelt. „Es ist so ruhig und so schön“, sagt Friederike, während sie ihren Blick durch die Natur schweifen lässt. „Guck’ mal, da ist ein Graureiher“, sagt Juliane und stubst ihre ältere Schwester an. „Wir haben auch schon Libellen gesehen“, berichtet ihr Vater. „Und eine Ringelnatter ist direkt vor uns ins Wasser geglitten.“ Die Familie aus Lübeck genießt den gemeinsamen Ausflug.

Dabei kommen sie auch an Spieringshorst vorbei. Zehn Bewohner leben auf der Insel, die auf beiden Seiten von der Wakenitz umgeben wird. Es gibt drei Häuser, der Rest ist Naturschutzgebiet. Jede Familie hat ihr eigenes Boot, um ans Festland zu gelangen oder Nahrungsmittel und andere Dinge zu transportieren. „Im Winter bekommen wir den Badesteg aus Eichholz ausgeliehen, weil der Fluss zugefroren ist. Dann laufen wir hinüber“, berichtet Elisandra Lopes. Seit vier Jahren lebt sie mit ihrer Familie auf Spieringshorst. „Es ist wie ein Paradies, total schön“, sagt sie. Auch bei Besuchern sei dieser Bereich der Wakenitz sehr beliebt. „Der Anleger ist ein Treffpunkt. Viele machen dort Picknick oder angeln.“

Amazonas des Nordens

14,9 Kilometer fließt die Wakenitz vom Ratzeburger See bis zum Falkendamm in Lübeck. Bereits kurz hinter der Moltkebrücke wird ein Teil des Wassers über den Krähen- und den Mühlenteich in die Trave geleitet. Die Wakenitz wird wegen ihrer urwaldartigen Umgebung als „Amazonas des Nordens“ bezeichnet. Über weite Strecken bildet sie die Grenze zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.

Janina Dietrich

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