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22:31 29.10.2013
Peter Todeskino (55, Grüne) ist bislang zweiter Mann im Kieler Rathaus. Jetzt setzt er zum Sprung an die Spitze an. Quelle: dpa

am Tag 1 nach dem Gaschke-Rücktritt: Am Montag hatte die SPD-Oberbürgermeisterin das Amt wegen ihres missglückten Millionen-Steuerdeals hingeworfen, gestern schon lief die Nachfolgersuche auf Hochtouren. Und da scheint alles möglich — sogar dass sich am Ende eine nach wochenlanger Affäre völlig verunsicherte Kieler SPD das Oberbürgermeisteramt in der Landeshauptstadt kampflos abnehmen lässt.

Das ginge so: Gestern hat die Rathaus-Kooperation aus SPD, Grünen und SSW beschlossen, eine Findungskommission für einen gemeinsamen Kandidaten einzuberufen. Schon nächste Woche könnte die einen Bewerber präsentieren — und das müsse kein Sozialdemokrat sein, heißt es bei SPD-Kreischef Jürgen Weber und Vizefraktionschef Benjamin Raschke. Dabei gilt die Stadt den Sozialdemokraten eigentlich neben Lübeck als letzte rote Hochburg. Wenn die SPD bei Landtags- und Bundestagswahlen eigentlich keinen Wahlkreis mehr direkt holen kann, dann gewinnt sie ihn doch noch hier. Nur einmal stellte die CDU die Oberbürgermeisterin, nur eine Legislatur regierten Schwarz und Grün gegen die SPD. Jetzt könnte es ausgerechnet ein Grüner sein, der den Lauf stoppt: Peter Todeskino (55), seit 2005 Stadtrat in Kiel, Bürgermeister (in Kiel nennt sich so der zweite Mann an der Stadtspitze) und bislang also Gaschkes Stellvertreter.

Todeskino hat seine Kandidatur bereits angekündigt. Dass die SPD mehr Sitze im Rat habe, schreckt bei den Grünen niemanden mehr. Beim gegenwärtigen Zustand der SPD verhandle man dennoch auf Augenhöhe, heißt es. Des Bürgermeisters Vorpreschen freut bei den Grünen dennoch nicht jeden, weil es den Spielraum der Partei in der Findungskommission einschränkt. Zudem gilt Todeskino (sein Name wird auf der zweiten Silbe betont und mit scharfem „s“ gesprochen) als Pragmatiker, was ihn bei vielen Linken im Kreisverband nicht beliebt macht. Allerdings bringt er mit, was viele Kieler bei ihrer bisherigen Oberbürgermeisterin, einer Ex-„Zeit“-Redakteurin, schmerzlich vermissten: jede Menge Verwaltungs- und Politikerfahrung.

Dafür heimst Todeskino sogar bei der CDU Anerkennung ein. Deren Fraktionschef Stefan Kruber hält ihn ebenfalls für einen akzeptablen Kandidaten. Überhaupt würde die Union an der Findungskommission gerne alle Fraktionen beteiligen. „Wir dürfen doch nicht einfach die nächsten Parteibuchkandidaten losschicken“, sagt Kruber. Gesucht werde jetzt ein reformfreudiger Verwaltungsexperte, der eine breite politische Unterstützung habe. Selbst wenn am Ende mehrere Kandidaten vorgeschlagen würden, sei eine gemeinsame Komission da ein kultureller Gewinn.

SPD, Grüne und SSW haben Krubers Vorschlag bislang allerdings nicht auf dem Schirm. Und so wird wohl auch die CDU einen eigenen Bewerber aufbieten müssen. Wieder Gert Meyer vielleicht, der vor elf Monaten nur knapp gegen Gaschke unterlag. Er brächte Verwaltungserfahrung mit, war vor einigen Jahren als Kämmerer aber selbst mit dem Steuerfall befasst, über den Gaschke jetzt stürzte. Womöglich muss es der junge Rechtsanwalt Kruber selbst versuchen.

Morgen jedenfalls tagt die Ratsversammlung wieder. Die Politiker hoffen auf versöhnliche Töne. Dann wollen sie den Freitag abwarten. Da hat sich Susanne Gaschke als Gast in der Fernsehtalkshow „3 nach 9“ angesagt, eingeladen von ihrem alten „Zeit“-Chefredakteur und Moderator Giovanni di Lorenzo. Um 22 Uhr wird‘s von Radio Bremen und dem NDR gesendet. Nach den Attacken in ihrer Rücktrittserklärung auf den angeblich „testosterongesteuerten“ Politik- und Medienbetrieb, auf Rathausopposition und SPD-Ministerpräsident, gehen nicht eben wenige davon aus, dass Gaschke noch nachkartet. Kruber will‘s gelassen ertragen. Der SPD-Spitze im Land aber, so glaubt er, wird wohl etwas mulmiger zumute sein.

Wolfram Hammer

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