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Ein Hanseat durch und durch: Henning Voscherau ist tot

Hamburg Ein Hanseat durch und durch: Henning Voscherau ist tot

Der SPD-Politiker lenkte die Geschicke der Hansestadt fast zehn Jahre lang.

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Weiße Haare, aber ein jung gebliebenes Gesicht: Henning Voscherau steht 2012 im Rathaus vor einem Gemälde, das ihn zeigt.

Quelle: Markus Scholz/dpa

Hamburg. Für viele Hamburger war Henning Voscherau die Verkörperung eines Hanseaten: überaus korrekt, ein wenig kühl und distanziert. Sein Auftreten wirkte auf Oppositionspolitiker durchaus auch arrogant. „Als Großstadtbürgermeister braucht man Fleiß, Härte und Präzision“, zitierte der Senat gestern den ehemaligen Bürgermeister. Er ist im Alter von 75 Jahren in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch an den Folgen eines Hirntumors gestorben. Der Hansestadt hinterlässt Voscherau ein bedeutendes Erbe: den neuen Stadtteil Hafencity an der Elbe.

„Mit Henning Voscherau verliert

Hamburg einen überragenden Bürgermeister.“ Olaf Scholz,

Erster Bürgermeister

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz trug sich im Rathaus als Erster in das Kondolenzbuch ein. „Mit Henning Voscherau verliert Hamburg einen überragenden Bürgermeister, den die Hamburgerinnen und Hamburger wie kaum einen anderen schätzten und dem sie vertrauten“, schrieb ein sichtlich bewegter Scholz in Gedenken an seinen SPD-Parteikollegen, der von 1988 bis 1997 sein Amtsvorgänger war.

Das Haar silbrig weiß, helle Augen und auch als „Rentner“ ein noch immer jugendliches Gesicht, so bleibt Voscherau in Erinnerung. Dass der promovierte Jurist 1997 einen Schlussstrich unter seine politische Karriere zog, hinderte ihn nicht, sich weiter einzumischen, mal mehr, mal weniger öffentlich – etwa in der Drogenpolitik, beim umstrittenen Kohlekraftwerk Moorburg oder für weitere Elbvertiefungen.

Die Bundesnotar- Ordnung nötigte Volljuristen im Alter von 70 Jahren dazu, seinen geliebten Beruf 2011 an den Nagel zu hängen. Natürlich kam das für den umtriebigen Sozialdemokraten zur Unzeit.

„Plötzlich“ musste er – seit 1974 Notar – sich eine neue Beschäftigung suchen, wechselte deshalb umgehend von seinem Notariat am Alstertor zur Bürogemeinschaft seines Sohnes, des Immobilienanwalts Carl Christian Voscherau, um dort als Berater im Grunde weiterzumachen wie bisher.

Voscherau, der von 1982 bis 1997 die SPD-Fraktion in der Bürgerschaft führte, war 1988 ins Amt des Ersten Bürgermeisters gewählt worden und folgte auf den nicht minder hanseatischen Sozialdemokraten Klaus von Dohnanyi. Er nannte sich „eine Leihgabe der Notare an die Demokratie, und zwar eine befristete“. Zehn Jahre später gab er diese zurück: 1997 erreichte die SPD weniger als 38 Prozent und unterschritt damit Voscheraus „Schmerzgrenze“.

In die SPD war der Spross einer Hamburger Schauspielerfamilie 1966 eingetreten. Voscherau, am 13. August 1941 in Hamburg geboren, galt als enger Freund von Altkanzler Helmut Schmidt (SPD, 1918-2015) und dessen Ehefrau Loki (1919-2010). Der Ex-Bürgermeister war es, der im Hamburger Michel die Trauerrede auf Loki hielt und dem Altkanzler beistand. Geschliffene Reden, auch aus dem Stegreif, zeichneten ihn aus. Voscherau ist es unter anderem zu verdanken, dass die Hafencity, eines der größten europäischen innerstädtischen Entwicklungsprojekte, angegangen wurde.

Der Tod des Altbürgermeisters löste nicht nur in Hamburg Bestürzung aus. „Ein großer Hanseat ist von uns gegangen“, sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig. „Er hat seine Heimatstadt Hamburg geliebt und in seinen Amtsjahren politisch und wirtschaftlich weit vorangebracht.“ Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Amt des Bürgermeisters sei er weiter über Hamburg hinaus engagiert, präsent und hoch anerkannt gewesen.

LN

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