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Ein Hotelzimmer auf hoher See

Westerland Ein Hotelzimmer auf hoher See

In der Nordsee haben Arbeiter Deutschlands erste Unterkunft bei einem Windpark bezogen.

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Betriebsleiter Christof Huß steht im Offshore-Windpark „DanTysk“ auf der Umspannplattform vor dem Windpark-Hotel (hinten).

Quelle: Fotos: Charisius/dpa

Westerland. Schäumend bricht sich die Nordsee am stählernen Unterbau. Auf der Plattform 20 Meter höher leben seit zwei Monaten rund 50 Techniker, Ingenieure, Köche und Hausmeister. Sie alle bewohnen Deutschlands erstes Offshore-Hotel rund 70 Kilometer westlich von Sylt. Ihre Aufgabe ist die Wartung der benachbarten Windparks „Dan Tysk“ (am Netz) und „Sandbank“ (in Bau). Insgesamt sollen von hier aus 152 von Vattenfall und den Stadtwerken München betriebene Windräder Strom in deutsche Haushalte schicken.

LN-Bild

In der Nordsee haben Arbeiter Deutschlands erste Unterkunft bei einem Windpark bezogen.

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Der Alltag auf dem mehr als 2000 Tonnen schweren Koloss ist durch Arbeit geprägt. Im Schichtbetrieb, zwei Wochen am Stück, bis zu zwölf Stunden pro Tag, dreht sich auf der in Emden gefertigten Plattform alles um Windenergie. „Das ist ’ne andere Welt“, sagt Christof Huß, Betriebsleiter von „DanTysk“ nahe der dänischen Grenze, zum Unterschied zur Windkraft an Land. Auch Plattformtechniker Robert Neumann sagt: „Das ist etwas ganz besonderes.“

„Man kann nicht einfach mit dem VW-Bus an die Anlage heranfahren – und wir müssen nicht nur den Bus durch ein Schiff ersetzen, sondern müssen auch ein Hotel bereithalten“, erzählt Huß. Ein riesiger Aufwand, der viel Geld kostet. Dennoch glaubt Betreiber Vattenfall, dass sich der 100 Millionen Euro teure Bau rechnet. „Dort haben wir ja auch deutlich mehr Wind“, erklärt Ingenieur Huß, der bis 2010 Windkraft „onshore“ gemanagt hatte.

Das tief im Meeresboden verankerte Hotel hat noch weitere Vorteile: Bislang mussten die Serviceteams 100 Kilometer per Schiff oder Helikopter anreisen. Nun bringen Transportschiffe die Teams innerhalb kurzer Zeit von der Wohnplattform statt von schaukelnden Hotel-Schiffen zu den Einsatzorten. Eine Entwicklung, die selbst Naturschützer freut: „Letztendlich ist alles gut, was Transporte und Flüge reduziert“, sagte Kim Detloff, Leiter Meeresschutz beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Insgesamt jedoch belasteten die Windparks durch ihren Lärm etwa Schweinswale. Auch nach Inbetriebnahme, sagte Detloff, „gibt es eine dauerhafte Störung“.

Einer, der noch entsteht, ist der Windpark „Sandbank“. Die Arbeiten daran gehen jedoch schneller als geplant. Einem Vattenfall-Sprecher zufolge montieren die Techniker derzeit alle zwei bis drei Tage eine neue Turbine. 30 Anlagen stehen bereits.

Auch Christof Huß schläft ab und zu auf der 3500 Quadratmeter großen Hotel-Plattform, wenn er nicht gerade den Betrieb von Hamburg oder dem dänischen Esbjerg aus koordiniert. In den elf Quadratmeter kleinen Kabinen hängen Fernseher, es gibt eigene Bäder. Kraftraum, Kino und Billardtisch schaffen Abwechslung. Besuch sei jedoch schwierig: „Nur von Vattenfall-Mitarbeitern“, sagt Techniker Neumann, der die Sonnenuntergänge an Deck genießt.

Alles ist dort etwas enger, selbst der Müll wird platzsparend gepresst. Am wichtigsten sei jedoch etwas anderes: „Es gibt zwei Sachen, die funktionieren müssen: Essen und Kommunikation“, sagt Huß.

Fast alle telefonieren abends mit Zuhause – und ist das Essen schlecht, drückt das die Stimmung. Theoretisch könnten die Crews hier bis zu zwei Wochen völlig autark leben. Die ersten Herbststürme stehen der Plattform bevor. Anders als auf den Schiffen, versichert Huß jedoch: „Da schaukelt nichts.“

LN

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