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Norddeutschland Ein Stück Schwaben in Hamburg
Nachrichten Norddeutschland Ein Stück Schwaben in Hamburg
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21:15 15.09.2017
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Hamburg

. Vorsichtig hält Fritz Currle die grüne Traube in seiner linken Hand und schneidet mit einer Schere in seiner Rechten die verdorbenen Beeren ab.

„Deshalb nennt man das ganze Lesen“, erklärt der 73-Jährige, während er konzentriert auf die Beeren schaut. Currle ist Winzer durch und durch. In Stuttgart ist er Seniorchef eines Weinguts.

Aber jetzt ist er zur Weinlese in Hamburg. Vorne steht Currle mit seinen Beeren, hinter ihm schieben sich Schiffe an die Anleger der Landungsbrücken.

Wein in Hamburg, was für eine verrückte Idee. Das dachten viele, als Fritz Currle vor 22 Jahren Rebstöcke in Hamburg anbauen wollte. „Die haben mich ausgelacht“, sagt Currle. Der heute 73-Jährige schaffte es, die Hamburger Bürgerschaft zu überzeugen und startete mit 50 Rebstöcken am Stintfang. Vom heutigen Ergebnis ist er selbst überrascht: „Für den Norden ist das ein super klasse Wein“.

„Es ist eine nette Erinnerung an Hamburg“, sagt Carola Veit. Die Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft verschenkt den Wein an besondere Gäste der Stadt. Verkauft werden die jährlich 40 bis 50 Fläschchen (0,375 Liter) nicht. Nur für wohltätige Zwecke versteigert die Bürgerschaft einige der Flaschen.

Sechs Ehrenamtliche kümmern sich um die mittlerweile 100 Rebstöcke. Alle sind Exil-Schwaben, die sich über das „Stuttgarter Weindorf“ kennengelernt haben. Sie teilen die Liebe zum Wein. „Getrunken habe ich Wein schon immer gerne“, sagt Ekkehart Opitz. Der 50-Jährige ist zum vierten Mal bei der Weinlese dabei. Am Stintfang sei alles biologisch, berichtet Opitz. Pestizide würden keine eingesetzt, stattdessen spritzten die Helfer mit Rapsöl gegen Schädlinge. „Wir sind alle keine Experten“, sagt Opitz, der hauptberuflich ein Internet-Portal betreibt. Etwa 15 Mal im Jahr würde das Helfer-Team auf dem Weinberg nach dem Rechten sehen, Fotos machen und sie nach Stuttgart zu Fritz Currle schicken. Der Winzer berate das Team aus der Ferne.

Besonders ertragreich seien die 100 Rebstöcke der Sorten Regent (rote Trauben) und Phönix (weiße Trauben) nicht, sagt Veit. Dafür sei der Wein etwas ganz besonderes. Helfer Rainer Hambacher hat als Dank für seine Arbeit eine Flasche des Weins geschenkt bekommen. Trinken möchte er sie nicht. Viel zu schade sei das: „Den Wein, den werde ich weitervererben“, sagt Hambacher.

LN

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