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Norddeutschland Ein gedeckter Tisch für die Vögel
Nachrichten Norddeutschland Ein gedeckter Tisch für die Vögel
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22:54 01.12.2016
Ernst Weise-Pnischak (67) füllt Futter in sein Vogelhaus, das er nur im Winter aufstellt. Vögel zu beobachten, macht ihm schon seit seiner Kindheit Freude. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Lübeck

Immer wenn es Winter wird, holt Ernst Weise-Pnischak (67) aus Klein Wesenberg (Kreis Stormarn) sein Vogelhäuschen aus dem Schuppen. „Ich liebe es, das bunte Treiben zu beobachten. Das mache ich seit meiner Kindheit.“ Das Häuschen hat der Gartenbesitzer und Jäger, der das Lehrrevier Moorgarten der Kreisjägerschaft Lübeck leitet, selbst gebaut. „Nur das Strohdach hat ein Freund gemacht, das war aufwendig.“

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Immer etwas zu picken: Wo ein Futterhaus steht, wartet ein Festmahl auf gefiederte Freunde.

Der Naturfreund weiß, was den Vögeln hilft, wenn es im Winter für sie schwieriger wird, Nahrung zu finden. „Ich füttere eine Mischung mit Sonnenblumenkernen für die Körnerfresser und Getreide für die Weichfresser.“ Auch Mais, Nüsse und Rosinen sind enthalten. Den Futterbehälter, rät Weise-Pnischak, sollte man gut sauberhalten, Vogelkot möglichst entfernen. „Wichtig ist auch, dass das Futter nicht nass wird und aufweicht.“

Ein naturnaher Garten könne den gefiederten Freunden zusätzlich helfen. „Am besten mit Pflanzen, die zu verschiedener Jahreszeit tragen.“ Wer im Herbst einige Blätter und Früchte liegen lasse, mache Vögeln eine Freude.

Auch im Garten von Lars Howe (44) aus Lübeck steht ein Vogelhaus. Eines mit zwei Seitengauben und Stangen zum draufsetzen. „Ich wollte was Größeres“, bekennt der Kaufmann, der in seiner Freizeit leidenschaftlich bastelt. Ein Entenhaus für den Gartenteich hat er genauso selbst gebaut. Die Dachschindeln des Vogelhauses sind aus einer Rolle Dachpappe ausgeschnitten, so dass sie fast wie echte Holzschindeln aussehen. „War ’ne Mordsarbeit.“

Elke und Uve Bull (73 und 77), die in der Nachbarschaft wohnen, haben schon Zaunkönige, Drosseln, Buntspechte und Buchfinken beim Futter picken bemerkt, selbst der Eichelhäher komme. Auch die Bulls füttern nur im Winter. „Im Sommer finden sie doch genug.“

Der Ansicht ist auch Hans Jessen (71), der einen Futterbehälter an sein Terrassendach gehängt hat. Er füttert immer Sonnenblumenkerne. „Die mögen die Meisen am liebsten.“

Sigrid Schlicht ist der Ansicht, dass die Vögel in ihrem naturnahen Garten das ganze Jahr genug zu fressen finden. Nur gegen große Kälte möchte die Seniorin die Piepmätze schützen. Dazu hat sie „Vogelhotels“ aufgehängt, kleine Häuschen mit einem Loch. „Bei Minusgraden gehen die Vögel zum Übernachten da rein.“

Aus diesem Grund haben Juliane Klinker-Franzen (36) und ihre Tochter Frida (4) ihr Meisenhäuschen am Gartenzaun, das im Sommer von einer Meisenfamilie bewohnt war, ebenfalls hängen lassen. „Manchmal streuen wir auch Körner“, sagt die Lehrerin.

Vogelhaus hin, Vogelhaus her – muss das überhaupt sein? „Warum nicht?“, meint Wolfgang Dose von der Umweltschutzorganisation BUND in Lübeck. „Es spricht nichts dagegen, zumal im Winter.“ Selbst das ganze Jahr über zu füttern, sei nicht verkehrt, Experten seien zunehmend dieser Auffassung. „Ich persönlich tue es auch.“

Wer sein Futterhäuschen nicht selber bauen will, findet im Handel ein reiches Angebot. Die Lübecker Marli GmbH beispielsweise, die Menschen mit Behinderung beschäftigt, baut Vogelhäuser aus Lärchenholz (Preis für das Häuschen 18,50 Euro, Ständer: 7,50 Euro). „Die halten ewig“, wirbt Produktionsleiter Andreas Gatermann.

Auf die Hygiene achten

Aufgrund der Vogelgrippe sollten tote Vögel, die am Häuschen gefunden werden, auf keinen Fall angefasst werden. Die Entdeckung toter Vögel sollte der örtlichen Polizei oder der Gemeinde gemeldet werden, die die Veterinäramter einschalten.

In jedem Fall ist es ratsam, das Häuschen zu desinfizieren, etwa mit verdünnter Essigessenz, und das alte Futter zu entfernen, auch Körner am Boden. Bei der Reinigung sollten Handschuhe getragen werden.

 Marcus Stöcklin

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