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22:00 29.09.2018
Vorbereitungstreffen im holsteinischen Idyll: Jörn Theissig (47, l.), Wolfgang Kulow (69) und Irene Burow (34) in Rausdorf (Stormarn). Quelle: Wolfgang Maxwitat
Trittau

Der Weg in die Salzwüste von Bolivien beginnt in Rausdorf in Stormarn, gelegen zwischen einem Wäldchen und sattgrünen Wiesen. Das Dorf hat drei Straßen, eine Freiwillige Feuerwehr, in der Mitte einen Bauernhof mit großer, reetgedeckter Scheune – und einen Prominenten: Rüdiger Nehberg (83), der sich in den 70ern und 80ern als Abenteurer den Spitznamen „Sir Vival“ erwarb und in den letzten 25 Jahren vor allem als Menschrechtler von sich reden macht. In seinem Haus treffen sich Irene Burow (34), LN-Redakteurin aus Lübeck, Wolfgang Kulow (69) aus Lensahn und Jörn Theissig (47) aus Wiesbaden, um ihm und seiner Frau Annette Nehberg-Weber (59) von einem Projekt zu erzählen, mit dem sie Spenden für Target sammeln wollen, die Menschrechtsorganisation der Nehbergs.

Der größte ausgetrocknete Salzsee der Welt

Zu Fuß wollen sie innerhalb einer Woche im Oktober den Salar de Uyuni in Bolivien überqueren, den größten ausgetrockneten Salzsee der Welt. Für Wolfgang Kulow und Jörn Theissig ist es das nächste in einer langen Reihe von Abenteuern. Kulow, Organisator des jährlichen Extremsportwettkampfs Triple Ultra Triathlon in Lensahn, ist in der Lübecker Bucht unter Wasser zehn Kilometer Fahrrad gefahren, ist nach eigenen Angaben den ersten Unterwasser-Marathon gelaufen, ist durch den Fehmarnbelt getaucht. „Man lotet Grenzen aus: Wo ist noch was Spannendes?“, sagt Kulow über seine Triebkraft. „Der Mount Everest würde mich nicht interessieren. Es muss was Neues sein, was Geiles.“ Er hat den nordamerikanischen Kontinent auf dem Fahrrad überquert, er ist durch die Sahara gelaufen, durchs Eismeer geschwommen, ein Marathon ist für ihn eine Art Aufwärmübung, er lebt in einer anderen Welt als der normale Freizeitsportler. „Da fährt man mit dem Rad durch Amerika, und der Nachbar schwärmt, dass er 50 Kilometer mit seinem Tourenrad gefahren ist.“

Rüdiger Nehberg (l.) und seine Frau Annette Nehberg-Weber (r.) freuen sich über das Spendenprojekt zugunsten ihrer Organisation Target. Quelle: Wolfgang Maxwitat

„Wolfgang ist ein ziemlich Bekloppter“, wirft Jörn Theissig ein. Das ist ein Ausdruck höchster Anerkennung. Theissig, von Beruf Abteilungsleiter beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden, liebt die Kälte. Nicht die normale Kälte eines deutschen Winters, sondern zweistellige Minusgrade, ewiges Eis, Schneestürme. Seit seiner ersten Reise ins subpolare Skandinavien in den 90er Jahren ist er, wie er sagt, „vom arktischen Käfer gebissen“. Er spricht von der Schönheit der eisigen Landschaften, von Dankbarkeit und Demut. Dreimal hat er am Wettkampf Yukon Arctic Ultra teilgenommen, einem Extremlauf durch Eis und Schnee, 500 Kilometer bei Temperaturen, die nachts regelmäßig auf 35 Minusgrade fielen. Zusammen mit Kulow hat er im vergangenen Jahr den zugefrorenen Baikalsee in Sibirien überquert, über 600 Kilometer.

Verzicht auf die Annehmlichkeiten des Alltags

Verglichen damit erscheinen die 170 Kilometer durch die bolivianische Salzwüste bei Temperaturen von 13 bis 20 Grad tags und bis minus fünf Grad nachts fast moderat. „Geht es euch um einen Rekord?“, fragt Rüdiger Nehberg dazwischen. „Nee, überhaupt nicht“, antwortet Jörn Theissig. Sie haben diesmal mit Irene Burow eine Neue dabei. Reiseerfahrung hat sie, auch aus Ländern, die nicht zum Standard des globalen Tourismus gehören, wie Namibia, Gambia oder Kolumbien. Aber eine Extremsportlerin ist sie nicht. Ihr Antrieb ist nicht die Spitzenleistung, sondern eher der Verzicht auf die Annehmlichkeiten des Alltags: „Dass man immer mehr haben muss, um glücklich zu sein – das ist gar nicht so“, sagt sie. Dass sie mit den beiden Haudegen mithalten kann, darüber macht sie sich keine Sorgen: „Ich fühl’ mich gut aufgehoben.“

Mit ihrem Lauf, über den sie in einem Blog berichten werden, wollen die Drei Aufmerksamkeit herstellen für eine Geburtsklinik für genitalverstümmelte Frauen, die Rüdiger Nehbergs Organisation in Äthiopien betreibt – in einer ähnlich unwirtlichen Gegend am Rande einer Salzwüste in Äthiopien (s. u.) Auch wenn sie nicht das erste Mal unternommen wird: Ein Spaziergang wird die Tour nicht. Der Salar de Uyuni, dessen Fläche ungefähr zwei Dritteln des Landes Schleswig-Holstein entspricht, ist lebensfeindlich. Es gibt kein trinkbares Wasser, keinen Schatten, viel Staub – und das Ganze auf einer Höhe von mehr als 3600 Metern. Zum Training hat das Trio zusammen eine Reise nach Lappland unternommen. Zur Ausrüstung gehören ein Fahrrad mit dicken Reifen mit einem Anhänger, in dem das Gepäck transportiert wird – allein 85 Liter Trinkwasser – , ein Satellitentelefon und ein GPS-Tracking-Gerät.

Rüdiger Nehberg hört aufmerksam zu. Er sagt, er spüre eine „Seelenverwandtschaft“ mit den Dreien. „Ich habe selbst immer Herausforderungen gesucht, wo man selbst denken muss. Wo es auf die Vorbereitung ankommt und auf gesunde Selbsteinschätzung.“

Geld für eine Geburtsklinik

Der Spendenlauf über den Salar de Uyuni beginnt am 20. Oktober. Am 15. Oktober treffen die Teilnehmer in der bolivianischen Hauptstadt La Paz ein. Der Lauf soll Geld für die Geburtshilfeklinik in der Danakil-Wüste in Äthiopien einbringen. Es ist das größte Hilfsprojekt der Hilfsorganisation Target von Rüdiger Nehberg und seiner Frau Annette Nehberg-Weber. Die Klinik ist spezialisiert auf die Entbindung und gynäkologische Behandlung von Frauen, die an den Folgen von Genitalverstümmelung leiden. Die ist in dieser Gegend noch immer weit verbreitet. Für betroffene Frauen und ihre Babys ist die Geburt ein tödliches Risiko: Die Säuglingssterblichkeit liegt nach Angaben von Target in dem Gebiet bei 50 Prozent.

Einen Krankenwagen braucht die Klinik dringend, um in Notfällen Patienten aus dem dünn besiedelten Umland zu holen oder zur weiteren Versorgung in die nächste Stadt zu bringen.

Die Erlebnisse der drei Abenteurer lassen sich unter www.facebook.com/Salztour verfolgen.

Spenden: Überweisung an Target e. V., Stichwort: „Salz“, Sparkasse Holstein, Iban: DE16 2135 2240 0000 0505 00. Oder mit selbst gewählter Zahlungsweise über die Internetseite „Betterplace“.

Hanno Kabel

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