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Ein schwieriges Terrain für die A 20

Tribsees/Schwerin Ein schwieriges Terrain für die A 20

Schon die Dänen versanken vor 900 Jahren im Moor zwischen Mecklenburg und Vorpommern.

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An dieser Stelle überquert die Autobahn 20 das Trebeltal mit einer Brücke. Etwas weiter verläuft die Trasse oberhalb einer Böschung, die zusammen mit den rechten Fahrspuren weggebrochen ist (kl. Foto).

Quelle: Foto: Nordlicht/dpa

Tribsees/Schwerin. . Ungeheure Gefahren, faulige Sümpfe, schlammige Abgründe: Diese Beschreibungen muten wie die dunklen Phantasien eines Thriller-Autors an, doch sie stammen von einem der glaubhaftesten Chronisten des 12. Jahrhunderts: Saxo Grammaticus (1140-1220). Ungefähr dort, wo heute die A 20 das Moor zwischen Mecklenburg und Vorpommern quert und ein im Moor abgesacktes Autobahnstück für Ärger sorgt, ereilte den Dänenkönig Waldemar I. (1131-1182) ein ähnliches Schicksal.

LN-Bild

Schon die Dänen versanken vor 900 Jahren im Moor zwischen Mecklenburg und Vorpommern.

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Saxo Grammaticus berichtet in seiner „Gesta Danorum“ (1171), wie sich Waldemar beim Kriegszug gegen die verhassten Slawen nach Rügen vorzuarbeiten versuchte und gnadenlos im Land der Zirzipanen (Dargun-Demmin-Güstrow) im Moor zu scheitern drohte. In blumigen Ausschmückungen beschreibt er die Hilflosigkeit der Truppen, deren Pferde tief in den Schlamm gesogen wurden. Erst durch geflochtene Weidenmatten, die sie auf den sumpfigen Grund legten, gelang ihnen die Durchquerung des Moores.

Das Grenztalmoor zwischen Mecklenburg und Vorpommern war also nicht grundlos schon immer dünn besiedelt. Wie aus Unterlagen des Umweltministeriums hervorgeht, begann Mitte des 18. Jahrhunderts die Entwässerung. Die Bewohner machten sich das Land zu eigen, sie stachen Torf, legten Kanäle an. An der Entwässerung des Areals wurde bis in die 1990er Jahre festgehalten. Im Jahr 2000 begann das Land im Zuge des Moorschutzprojektes mit umfangreichen Maßnahmen zur Wiedervernässung.

Ob diese am Absacken der Brücke Schuld sein könnten, müsse geklärt werden, forderte die CDU-Landtagsabgeordnete Beate Schlupp. „Wir müssen uns mit dieser Frage beschäftigen, um Fehler in der Zukunft vermeiden zu können.“ Eine Sprecherin des Verkehrsministeriums sagte, dass davon auszugehen sei, dass sich die Gutachten auch mit dieser Frage beschäftigen werden. Aus dem Umweltministerium hieß es, dass keine Moorschutzprojekte in unmittelbarer Nachbarschaft zur Autobahn umgesetzt wurden. Diese Angabe steht jedoch im Widerspruch zu einer Karte des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie, die für 2000 bis 2007 nördlich der A 20 bei Langsdorf eine Moorrenaturierung auf 616 Hektar ausweist.

Sind die Gründungspfähle ordnungsgemäß in dem unter dem Moor liegenden Sand verankert, dürfte nach Ansicht von Hydrogeologen eine Moorrenaturierung keine Probleme verursachen. „Sand unterliegt kaum Setzungserscheinungen bei Änderung des Wassergehalts“, sagte die Hydrogeologin Maria-Theresia Schafmeister von der Universität Greifswald.

Eine Entwässerung von Mooren ist nach Einschätzung der Forscher keine Alternative. Denn der Wasserentzug macht Moore nicht stabiler. Die Niederlande zeigten, dass eine über Jahrhunderte konsequent betriebene Entwässerung zu einem Absenken des Bodens über mehrere Meter führe, sagt Moorkundler und Paläoökologe Professor Hans Joosten vom Greifswald Moor Centrum. „Die Torfe kollabieren, das organische Material kommt in Berührung mit Sauerstoff und zersetzt sich.“ Dadurch würden nicht nur gigantische Mengen CO2 freigegeben, sondern der Boden senke sich durch die Entwässerung pro Jahr um ein bis zwei Zentimeter ab. Aus dem Umweltministerium hieß es, dass die Wiedervernässung eher stabilisierend auf die Moore wirke.

Martina Rathke

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