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Eine Seilbahn für Hamburg?

Hamburg Eine Seilbahn für Hamburg?

Die Bürger von Hamburg-Mitte entscheiden, ob Musical-Besucher in Zukunft in gläsernen Gondeln über die Elbe fahren sollen.

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Mit dieser Simulation wirbt der Musical-Veranstalter Stage Entertainment für sein Projekt.

Quelle: Stage Entertainment

Hamburg. Joachim Stratenschulte (64) blickt nach oben in die Takelage der „Rickmer Rickmers“. Er ist auf dem Museumsschiff an den Hamburger Landungsbrücken Geschäftsführer, und wenn es nach ihm geht, dann wird in wenigen Jahren eine Seilbahn von St. Pauli über sein Schiff die Elbe in Richtung Steinwerder überqueren, zu dem Musical-Zelt vom „König der Löwen“ und dem neuen Theater daneben, wo demnächst „Das Wunder von Bern“ Premiere feiern wird. „Ich glaube an das Prinzip Seilbahn“, sagt Stratenschulte. „Ich glaube, dass das ein total tolles Verkehrsmittel ist.“

Stratenschulte ist Sozialdemokrat. Mit seiner Seilbahn-Euphorie ist er in der SPD von St. Pauli auf verlorenem Posten.

Die Bezirksversammlung hat das Projekt abgelehnt. Daraufhin brachte Stratenschulte mit der CDU-Bundestagsabgeordneten Herlind Gundelach und dem ehemaligen Tourismusverbandschef Thomas Magold ein Bürgerbegehren auf den Weg. Es war erfolgreich, und deshalb stimmen die Bürger des Bezirks Mitte jetzt über das Projekt ab. Eine Seilbahn, schwärmt Stratenschulte, sei umweltfreundlich, schnell gebaut, preiswert, quasi geräuschlos, und verbrauche kaum Fläche.

Von einer Anhöhe im Alten Elbpark blickt Otto von Bismarck elbabwärts, riesengroß, grob und klobig. Weiter unten zeigt Sabrina Hirche (32) die Stätten ihrer Kindheit: „Hier war das Hauptquartier meiner Bande.“ Sie ist am und in diesem Park groß geworden, ist hier gerodelt und hat hier Fahrrad fahren gelernt. Ganz am Rand, dort, wo einige Birken dekorativ die Zweige hängen lassen, soll der mehr als 100 Meter hohe Pylon der Seilbahn hinkommen. Er wird Bismarck weit überragen. „Sie können sich vorstellen, was passiert, wenn ständig Gondeln mit einem sirrenden Geräusch kommen“, sagt sie. Sabrina Hirche ist eine Wortführerin der Gegner. Auch sie ist Sozialdemokratin. „Joachim und ich verstehen uns gut“, sagt sie über Stratenschulte. Aber in dieser Sache stehen sie einander unversöhnlich gegenüber. Sabrina Hirche fürchtet um ihren Park, um ihren Stadtteil, um das Hafenpanorama ihrer Stadt, und sie sagt einen Verkehrsinfarkt in St. Pauli voraus. Sie nennt das Bürgerbegehren ein „Konzernbegehren“. „Es wurden Freikarten verteilt für etwas, was es noch gar nicht gibt“, sagt sie. „Das ist unlauter. Wenn die Stage Entertainment damit durchkommt, wird das Schule machen.“

Auch um die Reeperbahn ist die Seilbahn Diskussionsthema. „Wir sind nicht in den Bergen, wir sind in Hamburg“, sagt Rosi Burkhard (42), die im „Goldenen Handschuh“ hinterm Tresen steht, und einer ihrer Gäste ergänzt: „Wir sind Norddeutsche, wir lieben das Wasser. Was soll da 'ne Seilbahn?“ Rolf Zengerling (53), der einen Steinwurf entfernt an einem Außentisch des „May“ sitzt, sieht es anders:

„Mit der Seilbahn über die Elbe fahren, das ist modern, das ist Abenteuer, das ist der Kick! Jede Stadt braucht so etwas.“ Er war nicht immer dieser Meinung: „Ganz zu Anfang war ich dagegen, weil ich mich nur mit Leuten unterhalten habe, die dagegen waren.“

Joachim Stratenschulte verwahrt sich gegen den Vorwurf, er handle für die Investoren. „Wir drei haben mit den beteiligten Unternehmen nichts zu tun“, sagt er. „Mir hat noch nicht mal jemand eine Tasse Kaffee ausgegeben.“ Dass es ein kommerzielles Projekt ist, stört ihn nicht. „Klar ist das kein öffentliches Nahverkehrsmittel. Kein Mensch behauptet, dass das nicht ein kommerzielles Unternehmen wäre. Aber wo ist denn da die Kritik? Es wird ja so getan, als wäre eine kommerzielle Seilbahn Teufelszeug.“

Er vermutet, dass die Bürger mehrheitlich für das Projekt stimmen werden. Er weiß aber, dass die Gegner sich nicht geschlagen geben werden. Eine Sammelklage sei nicht auszuschließen, sagt Sabrina Hirche. „Der letzte Akt wäre, sich an die Bäume zu ketten.“

80 Meter über der Elbe
35 Millionen Euro soll die 80 Meter hohe Seilbahn kosten, mit denen die Investoren Stage Entertainment und der Seilbahnbauer Doppelmayr den Millerntorplatz und die Musical-Theater auf der anderen Elbseite verbinden wollen. Ob sie das Projekt anpacken dürfen, darüber entscheiden bis morgen die Bürger des Bezirks Hamburg-Mitte.
52 600 der rund 200 000 abstimmungsberechtigten Bürger hatten sich nach Angaben des Bezirksamts bis gestern am Bürgerentscheid beteiligt. Eine Mindestbeteiligung gibt es nicht.

Hanno Kabel

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