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Eine Tat, die nicht vergessen werden kann

Lübeck/Herrnburg Eine Tat, die nicht vergessen werden kann

Am Dienstag beginnt der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Anna-Lena U. Der furchtbare Fall quält die Anwohner noch immer.

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Der Mord „versetzt unser Herrnburg in Trauer und Angst“: Angehörige und Freunde haben eine Gedenkstätte an dem Ort errichtet, wo am 7. Juli der Leichnam der jungen Mutter gefunden wurde.

Quelle: Fotos: Olaf Malzahn

Lübeck. Die Blumen an der Gedenkstätte sind welk geworden, die Trauerkarten von der Sonne vergilbt und vom Regen durchweicht. „Unfassbar sinnlos“ ist auf ein Pappschild geschrieben, das inmitten einer kleinen, von Kiefern umrandeten Lichtung an einem Waldweg in der Palinger Heide steht.

Etwas mehr als drei Monate ist es jetzt her, dass hier eine junge Frau von einer Sekunde auf die andere aus dem Leben gerissen wurde. Anna-Lena U., 29 Jahre alt, Mutter eines kleinen Sohnes, war an dem sonnigen Sonntagvormittag des 7. Juli auf dem Grenzweg zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern entlang gejoggt. Wahrscheinlich hatte sie sich nichts Schlimmes gedacht, war entspannt und mit Alltagsgedanken beschäftigt, als ihr Mörder sie von hinten packte und zu Boden riss. Norman L., der wenige Tage danach festgenommen wurde, wird sich ab Dienstag vor dem Landgericht in Schwerin für diese Tat verantworten müssen. Dass der 45-Jährige der Mörder von Anna-Lena U. ist, daran hat die Staatsanwaltschaft keinen Zweifel.

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„Seit dem Mord trifft man in der Palinger Heide kaum noch Menschen.“ Jörg Siepert (47), Lübeck

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Doch die Tat quält die Menschen, die rund um das idyllische Naturgebiet am Lübecker Stadtrand wohnen, noch immer. Auch Jessica Stieper. Die 31-Jährige kommt seit Jahren mit ihren Hunden in die Palinger Heide. Seit dem Mord aber nicht mehr allein. „Es ist anders hier geworden, seit es passiert ist, unheimlicher“, erzählt die Lübeckerin. Das Verbrechen liege wie ein Schatten über dem Gebiet.

„Vergessen kann das wohl niemand, der hier lebt.“ Es sei auch viel stiller geworden, fügt Ehemann Jörg (47) hinzu. „Vor dem Mord waren hier immer viele Menschen. Aber heute trifft man kaum noch jemanden.“ Vielleicht, so hoffen beide, wird der Prozess daran etwas ändern, die Normalität zurückbringen. „Der Mörder muss endlich sagen, warum er es getan hat, damit wir alle damit abschließen können“, sagt Jessica Stieper.

Danach sieht es nicht aus. Selbst Jörn Gaebell, Strafverteidiger von Norman L., geht nicht davon aus, dass sich sein Mandant vor Gericht zur Sache einlassen wird. „Überraschungen sind natürlich nie ausgeschlossen“, sagt der Schweriner Jurist. Offenbar erwartet auch die II. Große Strafkammer unter Vorsitz von Richter Robert Piepel keine Reue und Kooperation des Angeklagten. Bereits eine halbe Stunde nach Prozessbeginn will das Gericht mit der Befragung von Zeugen beginnen. Insgesamt sollen 23 Personen in dem auf neun Tage angesetzten Prozess gehört werden. Polizisten, Sachverständige und der Spaziergänger, der die Leiche von Anna-Lena U. gefunden hat. Einen Zeugen, der den Mord unmittelbar beobachtet oder L. am Tatort gesehen hat, gibt es nicht.

Die Staatsanwaltschaft Schwerin ist sich dennoch sicher, Norman L. des Mordes überführen zu können. Die wichtigsten Beweisstücke sind ein Butterfly- und ein Cuttermesser, die ein sieben Jahre alter Junge kurz nach der Tat gefunden hatte. Die Messer trugen sowohl DNA-Spuren des Täters als auch des Opfers. DNA, die mit fast 100-prozentiger Sicherheit Norman L. zugeordnet werden konnte.

Für die Anklagevertretung ist es erwiesen, dass L. die junge Frau vergewaltigen wollte, was ihm aber nicht gelang. Aus „Frust und aus Angst vor Entdeckung“ habe er Anna-Lena U. dann ermordet. L.

droht eine lebenslange Freiheitsstrafe. Ob die Staatsanwaltschaft auch eine anschließende Sicherungsverwahrung für den vorbestraften Vergewaltiger beantragt, werde sich erst im Laufe der Verhandlung entscheiden, sagt Staatsanwältin Claudia Lange.

Die Familie des Opfers, die Eltern, ihr Ehemann und der kleine Sohn, treten als Nebenkläger in dem Prozess auf. „Sie werden aber nicht persönlich anwesend sein“, sagt der Lübecker Rechtsanwalt Henning Heintzenberg, der die Familie als Begleiter und Beobachter in dem Prozess vertritt. Wie es ihnen heute geht, und ob sie eventuell an einem anderem Prozesstag dem Angeklagten gegenüber treten werden, darüber machte Heintzenberg keine Angaben.

„Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie grauenhaft das für die Familie sein muss“, sagt Christine Hörchert. Die 27-jährige Herrnburgerin, die nur wenig jünger ist als Anna-Lena U. und auch einen kleinen Sohn hat, geht nur noch selten in die Palinger Heide. Den Abschnitt des Weges, in dem der Mord passierte, meidet sie. Obwohl der Täter in Haft ist, sei die Angst, dass etwas passieren könnte, noch immer da. In Herrnburg gehe es vielen so. Seit dem 7. Juli vergehe dort kaum ein Tag, an dem man sich nicht an den Mord erinnert. „Noch am Abend davor habe ich mit einer Freundin in der Palinger Heide gesessen“, sagt die junge Mutter. „Einen Gedanken werde ich bis heute nicht los: Das hätte ich sein können.“

Die Chronologie des Falls
7. Juli 2013: Die Leiche von Anna-Lena U. wird von einem Spaziergänger in der Palinger Heide gefunden. Von einem Täter fehlt jede Spur.


8. Juli 2013: Ein Junge findet zwei Messer in der Nähe des Tatorts. Die Polizei wertet DNA-Spuren daran aus.

11. Juli 2013: Ein Abgleich der DNA-Spuren mit der Datenbank der

Polizei führt zu Norman L. Der

45-jährige, in Scheidung lebende

Familienvater wird nachts in seiner Wohnung festgenommen.

7. August 2013: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen Mordes.

22. Oktober 2013: Vor dem

Landgericht in Schwerin beginnt

der Prozess gegen Norman L.

Oliver Vogt

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