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Eine Überfahrt ins Ungewisse

Rødby Eine Überfahrt ins Ungewisse

Mit Scandlines über den Fehmarnbelt: Die Dänische Polizei überprüft alle Flüchtlinge auf der Vogelfluglinie. Die Zeiten der freien Fahrt nach Skandinavien scheinen vorbei, ein Personalausweis ist wieder notwendig.

Rødby. Asadullah Balkhi steht auf dem Deck der „Prins Richard“ und lässt seinen Blick über die Ostsee schweifen. In der Ferne ist bereits das dänische Festland zu erkennen. Der 25-Jährige reist mit der Fähre von Puttgarden nach Rødby und wirkt angespannt.

Er stammt aus Afghanistan und ist seit zwei Wochen mit seiner Frau auf der Flucht. Das Paar will nach Schweden. Oder zur Not auch nach Norwegen, dort habe er Familie, berichtet Asadullah Balkhi.

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Bei ihrer Fahrt mit der Fähre wissen Asadullah Balkhi (25) und Hamza (17) noch nicht, dass sie in Rødby von der Polizei in Empfang genommen werden.

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Doch nun stehen die beiden vor einer großen Hürde. Wegen der vielen Flüchtlinge hat Dänemark seit Montag wieder Kontrollen an der deutsch-dänischen Grenze eingeführt. Stichprobenartig werden die Ausweise von Einreisenden überprüft, zunächst bis zum 14. Januar. „Wir wissen nicht, was sie gleich mit uns machen“, sagt Asadullah Balkhi. Er spricht Englisch. Seine Frau und er haben afghanische Pässe. „Wir müssen es einfach versuchen.“

Neben ihm steht Hamza, 17 Jahre alt. Auch er stammt aus Afghanistan, auch er will nach Schweden. Die beiden Männer haben sich auf der Flucht kennengelernt. Hamza hat Angst. Unruhig läuft er auf und ab, blickt sich immer wieder sorgenvoll um. Denn der Minderjährige hat keinen Ausweis dabei, und Dänemark erlaubt die Durchreise ohne Papiere nicht mehr. Dennoch will Hamza jetzt, so kurz vor dem Ziel, nicht aufgeben.

In Hamburg sind die drei in den ICE Richtung Kopenhagen gestiegen. Kurz bevor die Fähre Rødby erreicht, gehen sie wieder in den Zug, zusammen mit rund 30 anderen Flüchtlingen. Doch schon wenige Meter nach dem Verlassen des Schiffes, am Bahnhof Rødby Færge, wird der ICE von der dänischen Polizei gestoppt. Etwa zehn Beamte in grellgelben Warnwesten steigen in die Waggons. Nach und nach bringen sie die Flüchtlinge nach draußen auf den Bahnsteig. Hamza muss aussteigen, aber auch Asadullah Balkhi — trotz seines afghanischen Ausweises. Ein Kleinkind beginnt auf den Armen seiner Mutter zu weinen, ansonsten bleibt es relativ ruhig.

20 Minuten dauert die Kontrolle, dann fährt der ICE weiter. Die Flüchtlinge müssen zurückbleiben, die Polizisten bringen sie zu Containern in der Nähe. „Vier Züge kommen pro Tag mit der Fähre von Puttgarden zu uns“, sagt ein dänischer Polizist. „Wir kontrollieren sie alle.“ Die festgesetzten Flüchtlinge hätten die Möglichkeit, in Dänemark Asyl zu beantragen. „Dann bringen wir sie zur Registrierung und anschließend in eine Unterkunft“, sagt der Polizist. Wer das nicht wolle, werde mit der Fähre zurück nach Deutschland geschickt.

Kontrolliert werden in Rødby aber nicht nur Bahnreisende, sondern seit Montag auch Fußgänger. Bereits im Fährhafengebäude stellen sich den Passagieren vier dänische Polizisten in den Weg. Die Männer fragen jeden nach seiner Herkunft, Deutsche dürfen in der Regel weitergehen, ohne ihren Ausweis zeigen zu müssen.

Ähnlich sieht es bei der Grenzkontrolle für die Autofahrer aus. „Wen wir überprüfen, hängt vom Aussehen der Insassen ab“, sagt ein Polizist. Wer den Eindruck mache, Syrer oder Afghane zu sein, werde angehalten. Zwei Polizisten beobachten zum Beispiel gestern Mittag die Autofahrer, die die Fähre verlassen. Ihre Fahrzeuge werden von einer Bodenschwelle auf Schrittgeschwindigkeit gebremst. Anhalten muss aber kaum ein Wagen — egal ob dänisches, deutsches, schwedisches, niederländisches oder luxemburgisches Kennzeichen. Nur zwei Kleinbusse werden kurzzeitig aus dem Verkehr gezogen, dürfen nach der Kontrolle aber weiterfahren. Der Verkehrsfluss wird dadurch kaum gebremst.

Dennoch kommen die Kontrollen bei den meisten Reisenden nicht gut an. „Das ist ein Rückschritt“, sagt der Kopenhagener Søren Westergaard. „Ich glaube nicht, dass Mauern und Grenzen etwas bringen.“ Es sei ungewohnt, innerhalb von Europa kontrolliert zu werden, sagt der Lübecker Stefan Ahler. Er war in Kopenhagen und musste bei seiner Einreise nach Dänemark seinen Pass hochhalten. „Ich finde die Einstellung der Dänen nicht in Ordnung“, sagt er. „Die Herausforderung mit den Flüchtlingen sollte EU-weit gelöst werden und nicht dadurch, dass jedes Land allein Entscheidungen trifft.“

Wie es mit Asadullah Balkhi, seiner Frau und dem jungen Hamza nun weitergeht, ist unklar. Vor ihrer Festsetzung durch die Polizei hatten sie erklärt, auf keinen Fall in Dänemark bleiben zu wollen.

„Dann gehen wir lieber zurück nach Deutschland, oder probieren noch einmal, über einen anderen Weg nach Schweden zu kommen.“

• Ein Video von den Kontrollen gibt es unter www.LN-Online.de

Kieler Reaktionen
Mit Besorgnis, aber auch Verständnis hat der Kieler Landtag auf die Grenzkontrollen reagiert. Die Sprecherin für deutsch-dänische Zusammenarbeit in der SPD-Fraktion, Birte Pauls, nannte die Entscheidung „bedauerlich. Denn sie wird den Grenzverkehr beeinflussen.“ Die SPD wünsche sich „eine gemeinsame humanitäre und solidarische Flüchtlingspolitik in Europa, in der nationale Egoismen angesichts der historischen Herausforderungen zurückstehen sollten“. Rasmus Andresen (Grüne) nannte die verschärften Kontrollen „effektlose Symbolpolitik“. CDU-Europapolitikerin Astrid Damerow bedauerte die Kontrollen ebenfalls, griff aber auch die Landesregierung an: ,,Wer die in den Schengen-Verträgen vereinbarte Freizügigkeit einfordert, ohne sich gleichzeitig klar zur ebenso vereinbarten Sicherung der europäischen Außengrenzen zu bekennen, macht sich unglaubwürdig.“ Nach Ansicht von Ekkehard Klug (FDP) sind die Kontrollen ein „schweres Debakel“ für die schleswig-holsteinische SPD, „die sich immer als wesensverwandt mit einer skandinavischen ,Gutmenschen-Sozialdemokratie‘ verstanden hat.“

Janina Dietrich

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