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Norddeutschland Eine neue Serie von Brandstiftungen
Nachrichten Norddeutschland Eine neue Serie von Brandstiftungen
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22:25 31.10.2013
22.35 Uhr in Ahrensburg: Ein Lager mit etwa 800 Strohballen brennt in der Straße Ahrensburger Redder. Das Feuer vernichtet etwa ein Drittel der Strohballen. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Quelle: Fotos: Kröger, Bosslet

Nicht nur in Ostholstein, offenbar geht jetzt auch im Kreis Stormarn ein Feuerteufel um. In der Nacht zu gestern brannten in Bad Oldesloe binnen einer Stunde fünf Lauben einer Kleingartenkolonie und der Schuppen einer Minigolfanlage nieder. Der Schaden geht in die Zehntausende. Knapp zwei Stunden zuvor hatte in Ahrensburg ein Lager von 800 Strohballen gebrannt. Die Polizei geht jeweils von Brandstiftung aus.

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Nur noch Ruinen: Fünf Gartenlauben sind in Oldesloe abgebrannt.

Der Kreis war erst in der vergangenen Woche von einer mysteriösen Brandserie aufgeschreckt worden: In Bargfeld-Stegen — 14 Kilometer von Bad Oldesloe entfernt — hatten Unbekannte innerhalb von fünf Nächten vier Feuer auf dem Gelände einer Behinderteneinrichtung gelegt. Einen Zusammenhang mit den Bränden von gestern sei bislang aber nicht erkennbar, sagte Polizeisprecher Holger Meier. „Im Moment können wir nur davon ausgehen, dass die sechs Brände in Bad Oldesloe von denselben Tätern begangen wurden“, erklärt Meier. Konkrete Hinweise auf einen Täter gebe es bisher noch von keinem Brandort, die Ermittlungen der Kriminalpolizei dauerten an.

Serien von Brandstiftungen vor allem im ländlichen Raum versetzen die örtliche Bevölkerung immer wieder in Angst und Schrecken. So auch im Kreis Ostholstein. Die Gemeinden Dahme, Grube und Riepsdorf werden seit Jahresbeginn von einer verheerenden Serie erschüttert. Innerhalb von neun Monaten zerstörten Brände dort sechs reetgedeckte Häuser — zuletzt am 2. Oktober. Verletzt wurde bislang niemand, die Bewohner waren in allen Fällen nicht zu Hause.

Ebenfalls noch nicht gefasst ist ein Brandstifter, der von Sommer 2012 bis Anfang 2013 im ostholsteinischen Süsel sein Unwesen trieb. 13 verschiedene Brände werden dem Unbekannten zugerechnet. Zuerst waren es Strohballen, später brannten auch Carports und Garagen — im Januar riss die Serie allerdings abrupt ab.

Eutin, Mölln, Lübeck, Bad Segeberg — immer wieder wurden in der jüngsten Vergangenheit einzelne Gemeinden und Regionen von Brandserien erschüttert, die oft ebenso schnell wieder aufhören wie sie gekommen sind. Gefasst werden die Täter nur selten. Ausnahme war der spektakuläre Fall des Segeberger Feuerteufels. Der 43-jährige Mitarbeiter des städtischen Bauamtes hatte von 2001 bis 2005 13 Brände mit insgesamt sechs Millionen Euro Schaden in der Kreisstadt verursacht. Er wurde 2006 zu sechs Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt.

Aber was macht Menschen zu Brandstiftern? „Ein einheitlicher Typus existiert nicht“, betont Peter Bürkle, Chefarzt des Ameos-Klinikums für Forensische Psychiatrie in Neustadt. Pyromanie, also das zwanghafte Bedürfnis Feuer zu legen, sei entgegen der landläufigen Meinung nur sehr selten die Ursache, sagt Bürkle. Sehr viel öfter handelten Täter aus Rache, der Suche nach Anerkennung, Neid, Nervenkitzel — oder schlichtem Vandalismus. „Ein starkes Motiv kann auch die Lust an der Macht über die zerstörerische Gewalt des Feuers sein“, sagt Bürkle.

Etliche Fälle im Norden
841 Fälle von Brandstiftung weist die Kriminalstatistik Schleswig-Holstein für das Jahr 2012 aus. Das waren etwas weniger Fälle als im Jahr davor (922). 592 Brände davon sind laut Polizei vorsätzlich gelegt worden (2011: 611). 172 Taten (2011: 129) galten als schwere Brandstiftung, das heißt Brandstiftung an Gebäuden, in denen sich Menschen aufhalten. Die Aufklärungsquote betrug 2012 lediglich 28,4 Prozent. Schwere Brandstiftung wird mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft, werden Menschen in Todesgefahr gebracht, steigt das Strafmaß auf mindestens fünf Jahre.

Oliver Vogt

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