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Eine neue Station für kranke Vögel

Lübeck Eine neue Station für kranke Vögel

Mit ihren großen Nachtvogelaugen schaut die Waldohreule unsicher vom Ast herunter. Nur mit einem Auge kann sie sehen, das andere ist aus Glas. „Ein Unfall“, erklärt Falkner Willy Flechsig (58). Er leitet die neue Greifvogelauffangstation des Lehrreviers Moorgarten der Kreisjägerschaft Lübeck.

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Stefan Dohse (49, l.) und Jürgen Block (78) legen letzte Hand an die Voliere. Die Moorgarten-Jäger haben sie in ehrenamtlicher Arbeit aufgebaut.

Lübeck. Flechsig trägt einen schweren Lederhandschuh, den die Eule nach und nach als Sitz akzeptieren soll. Bis dahin aber ist es noch ein weiter Weg. Denn die junge Eule ist erst ein paar Tage in ihrem Gehege. „Sie ist aus Hamburg zu uns gekommen“, berichtet der Falkner. In der dortigen Greifvogelauffangstation des Deutschen Falknerordens war das Tier zunächst gesund gepflegt worden. Auf Dauer aber konnte es dort nicht bleiben. „Jetzt haben wir in Moorgarten sie übernommen. Bei uns kann sie bleiben.“

LN-Bild

Mit ihren großen Nachtvogelaugen schaut die Waldohreule unsicher vom Ast herunter. Nur mit einem Auge kann sie sehen, das andere ist aus Glas. „Ein Unfall“, erklärt Falkner Willy Flechsig (58). Er leitet die neue Greifvogelauffangstation des Lehrreviers Moorgarten der Kreisjägerschaft Lübeck.

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„Wir können hier ab sofort Greife aufnehmen, die verletzt sind und sie wieder gesund pflegen“, beschreibt Revierleiter Ernst WeisePnischak (68) die neue Aufgabe, der sich die Jäger angenommen haben.

Auch Jungvögel, die aus dem Nest gefallen sind, würden aufgepäppelt. Anschließend sollen die Greife möglichst ausgewildert werden.

Ein zweiter Vogel werde bereits in den nächsten Tagen erwartet, kündigt Willy Flechsig an: Es ist ein junger männlicher Habicht, ein sogenannter Terzel, der von einem Auto erfasst und mit gebrochenem Flügel zunächst ebenfalls in Hamburg abgegeben wurde. „Dort haben sie aber keine Zeit, ihn auf die Freiheit vorzubereiten“, verdeutlicht Flechsig. „Das übernehmen nun auch wir.“ Im Falknerorden sei es üblich, sich gegenseitig zu helfen, wenn ein Tier – aus Platzmangel oder anderen Gründen – abgegeben werden müsse.

Dank der neuen 30 Quadratmeter großen Station, die in einjähriger Arbeit von den Mitgliedern des Lübecker Lehrreviers mit Hilfe von Spenden ehrenamtlich errichtet wurde, ist das nun möglich. In der Region gebe es keine weitere Auffangstation, führt Weise-Pnischak aus. „Solche Stationen sind leider nicht so häufig“, bestätigt Maren Paustian (26) von der Kreisjägerschaft. Die nächsten seien in Hamburg und bei Bad Segeberg.

Drei geräumige Volieren sind nun in Lübeck verfügbar, eine belegt derzeit die Eule, die sich aber mit weiteren Artgenossen vertragen würde. Für neue Vögel werde immer wieder Platz sein, glaubt der Falkner, da ja die meisten Vögel wieder ausgewildert würden.

Flechsig beschreibt, wie das geht: Zunächst müsse er den Vogel an sich gewöhnen. Jeden zweiten Tag komme er, um dem Tier Futter zu bringen und sein Vertrauen zu gewinnen. „Dann mache ich ein Federspiel, an dem ich Beute befestige.“ Damit wird der Greifvogel trainiert. Flechsig: „Wenn ich sehe, dass er die Beute in wenigen Sekunden greifen kann, weiß ich, dass er so weit ist.“ Dann werde der gefiederte Schützling in die freie Wildbahn entlassen. „Sonst muss er hierbleiben. Dann hat er draußen keine Chance.“

Wie die junge Eule, ebenfalls ein männliches Tier, für das die Lübecker Station nun das neue Zuhause ist. Ernst Weise-Pnischak freut sich darüber. „Die Eule wird zusammen mit den anderen Greifvögeln eine Attraktion sein, mit der wir Kindern und Jugendlichen die Natur näherbringen können.“ Regelmäßig besuchen Schulklassen und Kindergartengruppen das Lehrrevier, um sich über die heimische Flora und Fauna zu informieren.

Zum Beispiel darüber, dass eine Eule dank ihrer Kopffedern in der Lage ist, ausgezeichnet zu hören. Selbst einen Maulwurf unter der Erde nehme der gefiederte Nachtjäger wahr. „Die beste Schallübertragung haben Schleiereulen“, weiß Flechsig. „Die haben ein Gesicht wie eine Satellitenschüssel.“ Ihr Federkleid sei es auch, das es der Eule ermögliche, lautlos zu fliegen – im Gegensatz zu Taggreifern.

Einen Namen hat die junge Eule noch nicht. „Wir suchen noch einen Paten“, bemerkt Weise-Pnischak. Willy Flechsig sammelt jedenfalls schon fleißig die Federn, die die Eule regelmäßig verliert. Sie sollen dann an die Kinder verteilt werden. „Zur Erinnerung“, sagt Flechsig.

Von Marcus Stöcklin

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