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Norddeutschland Einmal Minister sein: Mädchen übernehmen das Kommando
Nachrichten Norddeutschland Einmal Minister sein: Mädchen übernehmen das Kommando
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07:21 08.10.2018
Das Foto zeigt Gabriela (14), die zum Welt-Mädchentag vor der Pilotin im Cockpit eines Jets sitzt. Quelle: Plan International/archiv
Hamburg/Berlin

Kanadas Premierminister Justin Trudeau teilte vor einem Jahr sein Büro mit der 23-jährigen Breanne. Alpha Condé, Präsident der Afrikanischen Union, stellte seine Amtsräume ebenso zur Verfügung wie Juha Sipilä, Premierminister von Finnland. Auch beim diesjährigen Weltmädchentag am 11. Oktober wollen wieder weltweit Mädchen und junge Frauen an die Stelle von Regierungschefs, Ministern oder Leitern globaler Konzerne treten. Ihre Forderung: Vorurteile und Diskriminierungen abschaffen, die ihnen noch immer im Weg stehen.

Die 21-jährige Studentin Celina Kühl aus Hannover wird am 10. Oktober das Bundesfinanzministerium übernehmen und von Finanzminister Olaf Scholz (SPD) mehr Engagement für die Rechte von Mädchen auch in Deutschland verlangen. „Wir fordern verbindliche Strukturen, wie die Beteiligung von Mädchen und Frauen in Deutschland und weltweit gestärkt werden kann“, sagte Kühl der Deutschen Presse-Agentur. Insgesamt sind mehr als 1000 sogenannte Takeover in mehr als 70 Ländern geplant.

Die Vereinten Nationen (UN) riefen den Weltmädchentag 2011 ins Leben - auf Initiative des Kinderhilfswerks Plan International Deutschland. „Der Tag soll zeigen, dass Jungen und Mädchen noch immer nicht die gleichen Chancen haben und Mädchen weltweit benachteiligt, diskriminiert und missbraucht werden - nur weil sie Mädchen sind“, sagt Plan-Geschäftsführerin Maike Röttger.

Um die Aktion zu unterstützen, erstrahlen am Abend des 11. Oktober rund 60 bekannte Gebäude, Wahrzeichen und Denkmäler in knapp 30 deutschen Städten in Pink - darunter der Funkturm in Berlin, die St.-Petri-Kirche in Hamburg und das Neue Rathaus am Marienplatz in München.

Seit 2013 setzt sich Celina Kühl im Jugendbeirat von Plan für die Rechte von Kindern ein. Kennengelernt hat sie das Kinderhilfswerk über eine Patenschaft ihrer Mutter zu einem Kind in Tansania. „Ich selber habe unglaubliches Glück, in Deutschland aufzuwachsen. Mir stehen alle Türen offen, ich kann frei entscheiden, was ich mit meinem Leben machen möchte“, sagt die 21-Jährige. Bei einer Reise mit Plan nach Ghana habe sie gelernt, dass viele Kinder in anderen Ländern diese Möglichkeiten nicht haben. „Deshalb möchte ich mich für sie einsetzen und ihnen eine Stimme geben.“

Bundesfinanzminister Scholz (SPD) sei der richtige Ansprechpartner. „Schließlich kontrolliert er die Finanzen“, meint die Studentin. Und er könne mitentscheiden, wie viel Geld vom Bruttonationaleinkommen (BNE) für die Entwicklungshilfe ausgegeben wird. Nachdem Deutschland das Ziel von 0,7 Prozent 2016 vor allem wegen der Flüchtlingshilfe erstmals erreicht hatte, soll in den kommenden Jahren wieder weniger Geld für die Entwicklungshilfe ausgegeben werden.

„Als ich in Ghana war, wollten alle Mädchen zuerst wissen, ob ich verheiratet bin“, erzählt Kühl. Die Mädchen hätten sich nur schwer vorstellen können, dass Frauen auch alleine leben können - jede Fünfte von ihnen wird bereits vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. Eine frühe Heirat bedeutet für Mädchen fast immer auch das Ende ihrer Schulbildung. Ein Mädchen mit einer abgeschlossenen Bildung wird dagegen später heiraten und wahrscheinlich weniger Kinder bekommen.

Auf diese Zusammenhänge wollen die Mädchen aufmerksam machen. So wie Sandy Alqas Botros, die aus dem Irak flüchtete und jetzt in Hamburg lebt. Die 19-Jährige hat am 26. September George Okoth Obbo vom UN-Flüchtlingshilfswerk in Genf getroffen.

Vielleicht schaffen sie es, auch in ihren Ländern etwas zu bewegen. So wie 2017: Da versprach der Präsident der Afrikanischen Union, Alpha Condé, nach seinem Treffen mehr Engagement gegen Kinderheirat und mehr Programme zur Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit.

dpa

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