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Norddeutschland Einsatz in der Ägäis: „Sichten und petzen“
Nachrichten Norddeutschland Einsatz in der Ägäis: „Sichten und petzen“
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17:55 02.06.2016
Kommandant Jobst Berg fährt die „Bonn“, das größte Schiff der Deutschen Marine. Quelle: F. Behling

Der Auftrag ist eng umrissen: Wasseroberfläche beobachten, Funkverkehr überwachen, Boote verfolgen. Dafür kreuzt die „Bonn“ in den türkisch-griechischen Grenzgewässern. Die Soldaten suchen mit Ferngläsern und Hochleistungstechnik die Wasseroberfläche ab. Gesehen haben sie in den vergangenen drei Monaten einiges. Viele Rettungsaktionen spielten sich in der Nähe ab.

 Direkt eingreifen darf die „Bonn“ nicht. „Die Informationen, die meine Schiffe sammeln, stellen wir den griechischen und türkischen Behörden und der Grenzschutzagentur Frontex zur Verfügung, damit diese gegen Schleuser, Schlepper und Migranten vorgehen können. Unser Einsatz zeigte auch sichtbare Wirkung“, sagt Flottillenadmiral Jörg Klein, der den Nato-Verband führt. „Wir haben etwas Gutes geleistet. Wir haben dazu beigetragen, das Geschäftsmodell und die Einnahmen der Schleuser zu dezimieren“, sagt Korvettenkapitän Michael (aus Sicherheitsgründen keine Nachnamen). „Wenn durch unsere Präsenz weniger Menschen auf den lebensgefährlichen Weg übers Meer gehen, haben wir viel erreicht.“

Für die Aufklärung ist der Einsatzgruppenversorger technisch gut gerüstet. In 35 Metern Höhe stehen auf dem Mast zwei etwa 1,20 Meter hohe graue Anlagen mit drehbaren Köpfen und kleinen runden Sensor-Öffnungen, die wie Augen aussehen. „Bei uns an Bord nennen wir sie auch R2-D2, wegen ihrer Ähnlichkeit mit dem Droiden aus Star Wars“, sagt Kapitänleutnant Stefanie. Die Fähigkeiten dieser Sensorplattformen sind mit dem Spielfilm-Droiden vergleichbar. Die Linsen liefern gestochen scharfe Bilder und Signale.

„Diese Systeme geben uns die Möglichkeit, das zu erkennen, was sich da draußen abspielt, bei Tag und bei Nacht“, sagt Marco. Der Stabsbootsmann aus Neumünster ist Radarmeister in der Operationszentrale. Sein Team bedient die Augen des Schiffes und sortiert aus all den Kontakten die Fakten aus, die auf Schleuser hindeuten. „Kurz gefasst: Wir sichten und petzen“, sagt Kaleu Stefanie. „Gepetzt“ werden verdächtige Bootsbewegungen.

Bis zu zehn Tage dauert eine Patrouille. Dann geht es für drei Tage in den Hafen. Oft nach Izmir. Kommandant Jobst Berg richtet sich darauf ein, am 19. Juni die Heimreise antreten zu können. Dann endet der erste Auslandseinsatz seines Schiffes, das 2013 in Dienst gestellt wurde. Als Ablösung wird die Fregatte „Karlsruhe“ am 18. Juni in der Ägäis erwartet. Ein Ende dieser Mission ist noch nicht in Sicht.

Zahl der Flüchtlinge sinkt

853 000 Menschen flüchteten im vergangenen Jahr über die Ägäis, in den ersten fünf Monaten 2016 registrierten die griechischen Behörden weitere 126 000. Doch seit Anfang April sinkt die Zahl der Menschen, die mit Schlauchbooten, Rettungsinseln oder Sportbooten vom türkischen Festland zu einer der fünf größeren griechischen Inseln übersetzen. In der vergangenen Woche wurden laut UN- Flüchtlingshilfswerk UNHCR nur noch 104 Menschen auf Lesbos gezählt.

 Frank Behling

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