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Norddeutschland Einzelhandel fordert mehr verkaufsoffene Sonntage
Nachrichten Norddeutschland Einzelhandel fordert mehr verkaufsoffene Sonntage
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21:31 16.11.2016
Verkaufsoffener Sonntag in Lübeck. Quelle: Olaf Malzahn
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Lübeck/Kiel

Derzeit regelt jedes Bundesland selbst, wie oft Geschäfte an Sonntagen öffnen dürfen. In Schleswig-Holstein sind es vier. Nur den Kommunen, die unter die Bäderregelung fallen, ist mehr Sonntagsgeschäft erlaubt.

„Wir müssen dem veränderten Verbraucherverhalten Rechnung tragen“, begründet Dierk Böckenholt, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Nord, die Initiative. Der stationäre Handel brauche eine Antwort auf Online-Einkauf über 24 Stunden an sieben Tagen die Woche. Hinzu komme, dass Schleswig-Holstein mit Dänemark einen Nachbarn habe, der an Sonntagen keinerlei Einkaufsbeschränkungen kenne.

Dem Handelsverband Deutschland (HDE) schwebt vor, dass Geschäfte zehn Sonntage im Jahr von 13 bis 18 Uhr öffnen dürfen, ohne dass es dafür einen Anlass wie ein Volksfest oder ähnliches gibt. Bisher regelt jedes Bundesland selbst, wann und wie oft im Jahr Läden ihre Türen aufschließen. In Berlin beispielsweise dürfen Geschäfte acht Mal im Jahr sonntags öffnen.

„Hier produziert der Gesetzgeber über Ländergrenzen hinweg Standortnachteile“, sagt HDE-Präsident Josef Sanktjohanser. Sonntagszuschläge machten die Jobs in seiner Branche zudem attraktiver und auch sicherer. Unterstützung kommt von der FDP- Landtagsfraktion in Kiel. „Sonntagsöffnungen beleben die Innenstädte und schaffen ,Waffengleichheit‘ zum Online-Handel, der keine Schließzeiten hat“, sagt Oliver Kumbartzky.

Das Lübeck-Management begrüßt den Vorstoß, ist aber skeptisch. „Solange auch die Grüne Wiese öffnet, steigt die Kundenfrequenz in der City nicht“, sagt Olivia Kempke. Auch bezweifelt sie, dass alle Lübecker Geschäftsleute zehn Mal im Jahr bei einer Sonntagsöffnung mitziehen würden.

Der DGB Nord lehnt das Ansinnen strikt ab. „Der Mensch ist doch keine Maschine“, erklärt Uwe Polkaehn. „Indiskutabel“, heißt es bei Verdi. Die Dienstleistungsgesellschaft hatte in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg selbst die Mindestzahl an Sonntagsöffnungen erfolgreich beklagt.

Der staatlich geschützte arbeitsfreie Sonntag sei ein grundgesetzlich verbrieftes Verfassungsgut, erklärt Nordkirchen-Sprecher Stefan Döbler. Gesellschaftlich könne seine Bedeutung „gerade in Zeiten zunehmender Arbeitsverdichtung gar nicht hoch genug geschätzt werden“. Ausnahmen müssten Ausnahmen bleiben. 

Von Curd Tönnemann

Die Gesetzeslage

4 verkaufsoffene Sonntage lässt das schleswig-holsteinische Ladenöffnungsgesetz zu. Geschäfte dürfen von 13 bis 18 Uhr geöffnet werden, die Teilnahme ist freiwillig. Die Termine werden im Vorfeld zwischen Kommune und Händlergemeinschaften abgestimmt. Jedes Datum muss an einen Anlass wie ein Volks- oder Stadtfest gekoppelt sein.

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