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18:00 24.11.2018
Kühlschrank, Waschmaschine, Gefriertruhe: Peter Kreft (53) nimmt beim Wertstoffhof Herrenwyk große Haushaltsgeräte von Verbrauchern an. Quelle: Agentur 54°/ John Garve
Lübeck

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die kaputte Waschmaschine loszuwerden: Wertstoffhof, abholen lassen oder beim Händler zurückgeben. Große Haushaltsgeräte werden in Deutschland aber nur in 41 Prozent der Fälle ordnungsgemäß über solche Stellen abgegeben, sagt das Umweltbundesamt. Wo genau der Rest landet, weiß keiner so genau.

„Knapp 465 000 Tonnen Kühlschränke, Waschmaschinen und Geschirrspüler verschwinden in den Untiefen illegaler Sammlung oder in nicht zertifizierten Behandlungsanlagen“, sagt Maria Krautzberger, Chefin des Umweltbundesamts. Das sei Ressourcenverschwendung, denn die Geräte seien „wahre Schatzkisten an wiederverwendbaren Rohstoffen“. Es schade massiv der Umwelt, wenn gefährliche Stoffe falsch entsorgt würden. Wegen der hohen Dunkelziffer wolle das Umweltbundesamt nun Nachforschungen betreiben.

Illegale Sammler nehmen Verbrauchern vor Recyclinghöfen den Elektroschrott ab

Auch der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) geht davon aus, die begehrte „weiße Ware“ werde oftmals von illegalen Sammlern aufgegriffen. „Geräte, die einen hohen Eisen- und Metallanteil haben, bringen mehr Erlöse“, erklärt ein VKU-Sprecher. Die nicht zertifizierten Sammler stünden zum Teil sogar vor den Recyclinghöfen oder fahren gezielt die Route der Sperrmüllabfuhr ab.

„Verbaucher können große Elektrogeräte kostenlos am Wertstoffhof abgeben“, sagt Cornelia Tews von den Lübecker Entsorgungsbetrieben. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Sperrige Elektrogeräte verschwinden aber nicht nur durch illegale Sammler. „Es gibt auch immer wieder Verbraucher, die einen Kühlschrank am Wegesrand stehen lassen“, sagt Cornelia Tews, Sprecherin der Lübecker Entsorgungsbetriebe. Sie vermutet: Das geschieht eher aus Faulheit statt aus Unwissenheit. Beliebte Standplätze für ausrangierte Kühlschränke und Waschmaschinen seien beispielsweise neben den Altpapier- und Glascontainern.

Hersteller in der Verantwortung: Die Wegwerfkultur belastet die Umwelt

In Lübeck gibt es vier Wertstoffhöfe, an denen Verbraucher bis zu fünf große Haushaltsgeräte kostenlos abgeben können. Für 45 Euro können Geräte von den Entsorgungsbetrieben auch vor der Haustür abgeholt werden, erklärt Cornelia Tews. 1299 Tonnen Elektroschrott, also Klein- und Großgeräte, seien im Jahr 2017 bei den Lübecker Wertstoffhöfen angekommen, im Vorjahr waren es 1248 Tonnen. Fast zwei Millionen Tonnen neue Elektrogeräte kaufen die Deutschen im Jahr.

„Wir müssen über den steigenden Konsum von Elektroartikeln und der damit einhergehenden Wegwerfmentalität sprechen“, sagt VKU-Vizepräsident Patrick Hasenkamp. Oft enthielten Geräte Schadstoffe wie etwa Quecksilber. „Hersteller müssen Geräte umweltschonend, langlebig und reparierbar produzieren“, fordert Hasenkamp.

Zu komplizierte Regeln zur Rücknahme der alten Geräte beim Händler?

Zudem seien die Regeln, nach denen Kunden ihre Elektronik entsorgen können, zu kompliziert, kritisiert der Verband kommunaler Unternehmen. Zur kostenlosen Rücknahme und Entsorgung von Altgeräten sind seit 2016 alle großen Händler, aber auch größeren Einzel- und Online-Händler gesetzlich verpflichtet. Das gilt für Geschäfte, die auf mehr als 400 Quadratmetern Fläche elektronische Produkte verkaufen. Bei Amazon zählt beispielsweise die Lagerfläche. Geräte mit einer Kantenlänge unter 25 Zentimetern darf man ohne Kassenzettel zurückgeben und ohne etwas Neues zu kaufen. Für größere Geräte gilt, dass man ein neues kaufen muss, um ein altes zurückgeben zu dürfen.

Wo Verbraucher Elektroschrott abgeben

Die Waschmaschine ist das in Deutschland am häufigsten entsorgte große Elektrogerät. Das geht aus einer Verbraucherumfrage des Umweltbundesamtes hervor. Dahinter folgen der Kühlschrank und die Gefriertruhe.

Vier von zehn Personen geben ihre Altgeräte auf einem Wertstoffhof ab. 16 Prozent der Befragten lassen ihr Altgerät bei Anlieferung eines Neugerätes vom Händler austauschen, neun Prozent geben ihr ausgedientes Gerät direkt im Handel ab. Drei Prozent haben angegeben, Elektroschrott über den Hausmüll zu entsorgen.

„Kann man erwarten, dass sich ein Kunde vor dem Weg in den Elektromarkt Gedanken darüber macht, wie groß die Ladenfläche ist?“, fragt sich ein VKU-Sprecher. Der Handel tue nicht viel dafür, die Rückgabeoptionen zu kommunizieren. Da seien die kommunalen Wertstoffhöfe deutlich kundenfreundlicher. Auch das Umweltbundesamt sieht Handlungsbedarf. Verbraucher sollten im Handel besser informiert werden, „künftig auch mehrsprachig“. Wertstoffhöfe sollten gut erreichbar sein und „bedarfsgerechte Öffnungszeiten“ haben.

Saskia Bücker

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