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Norddeutschland Eltern wünschen sich mehr Ganztagsschulen
Nachrichten Norddeutschland Eltern wünschen sich mehr Ganztagsschulen
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19:53 22.06.2017
Quelle: dpa
Kiel/Berlin

Gleichzeitig sehen Eltern bei den gegenwärtigen Ganztagsschulen teilweise erhebliche Qualitätsdefizite. Das erklärte Bildungsforscher Klaus Jürgen Tillmann von der Universität Bielefeld gestern in Berlin bei der Vorstellung der vierten „Jako-O-Bildungsstudie“. Dafür waren bundesweit 2000 Mütter und Väter von Schulkindern zum Bildungssystem befragt worden.

37 Prozent der Eltern wollen eine bessere individuelle Förderung ihrer Kinder in den Ganztagsschulen, jeweils ein Viertel der Befragten ist unzufrieden mit der Hausaufgaben-Betreuung, den Gesprächen zwischen Eltern und Lehrern oder der Verknüpfung des Unterrichts mit außerschulischen Angeboten.

„Viele Ganztagsangebote an unseren Schulen sind unterfinanziert und entsprechen nicht den qualitativen Anforderungen an ganztägige Bildung und Betreuung“, sagt die designierte Bildungsministerin Karin Prien (CDU). „Das wollen wir angehen.“ Die künftige Landesregierung will bis Ende 2022 ein verlässliches Ganztagsangebot an den Grundschulen schaffen. Mit den Schulträgern solle die Finanzierung neu geordnet werden.

Nach Angaben des Bildungsministeriums gibt es in Schleswig-Holstein 31 gebundene und 507 offene Ganztagsschulen sowie an 179 Schulen mit Primarstufe Betreuungsangebote am Nachmittag.
„Wir haben in Schleswig-Holstein eindeutig zu wenig Ganztagsschulen“, sagt Volker Nötzold, Elternbeiratsvorsitzender für die Grundschulen und Förderzentren im Land. Besonders Förderzentren hätten einen „riesigen Nachholbedarf“, die regionalen Unterschiede seien groß. Dabei wäre es laut Nötzold gerade bei dieser Schüler- Klientel wichtig, ein geeignetes Nachmittagsprogramm anzubieten.<NO>Auch an der Qualität hapere es. „Wir kämpfen für bessere Standards“, sagt Nötzold.

Der Philologenverband, Interessenvertretung der Gymnasiallehrer, hält eine flächendeckende Ausweitung auf gebundene Ganztagsangebote (auch nachmittags Pflichtunterricht) für überflüssig und zu teuer. Ohnehin seien zunächst die Schulträger gefragt, das sind in der Regel Kommunen, um eine ausreichende sächliche Ausstattung von Schulen zu gewährleisten, bevor es zum Ganztagsunterricht komme, fordert Verbandssprecher Jens Finger. Dazu zählten Mensen und Arbeitsplätze sowie Rückzugsräume für Lehrer.

Für die Studie durften Eltern das Bildungssystem mit Schulnoten bewerten. Dabei schneidet Bayern (2,9) im Vergleich der Bundesländer am besten ab. Mit einer 3,3 rangieren die norddeutschen Länder auf Platz fünf (Schleswig-Holstein nicht gesondert erfasst). Eine Mehrheit der Befragten sieht in der Schule zuallererst Nachholbedarf bei Themen zu wirtschaftlichem Denken, mehr noch als zu Ernährung und Gesundheit. G8-Eltern stellen bei ihren Kindern laut Studie eine nur geringfügig höhere Stressbelastung fest als G9-Eltern.

Von Curd Tönnemann

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