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Norddeutschland Emily-Extra und Meikel: Welt der Kindernamen wird immer bunter
Nachrichten Norddeutschland Emily-Extra und Meikel: Welt der Kindernamen wird immer bunter
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22:07 09.03.2016
„Es ist eine Frage der Mode: Ältere Namen sind auch wieder in.“Dennis Schmidt (25)

Sie ist 53 Zentimeter groß und wiegt 3420 Gramm: Am Dienstag kam Julia, die Tochter von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig, in Schwerin auf die Welt. Ihr acht Jahre älterer Bruder trägt schon den ganz ähnlich klingenden Namen Julian — ist das zusammen eine originelle Kombination?

„Ein bisschen fantasielos, die Kinder so ähnlich zu nennen, aber die Namen sind völlig okay“, sagt Elena Schmidt. Die angehende Erzieherin weiß, dass Vornamen von Kindern ganz schön mit Vorurteilen behaftet sein können. Die beliebtesten Beispiele: Jacqueline und Kevin. „Man muss sich sehr genau überlegen, welchen Namen die Kinder ihr ganzes Leben mit sich tragen“, sagt die 28-Jährige.

Das sieht auch Lisa Rexhepi so. Im Internet forschte sie kürzlich nach ungewöhnlichen Namen und fand unter anderem „Peppermint“ und „Chanel“. „Kinder nach Marken, Gebäuden oder Essen zu benennen, finde ich furchtbar“, sagt die 23-Jährige. „Nur weil man etwas gut findet, sollte man nicht auch das Kind so nennen.“ Melanie Marquardt fügt hinzu: „Namen wie Pumuckl, mit denen Kinder offensichtlich nachher gehänselt werden, gehen gar nicht.“

Tatsächlich sind Namen wie Pumuckl, Fanta, Windsbraut, Dior oder Emily-Extra nach Gerichtsentscheidung aber uneingeschränkt erlaubt. „Wir müssen nur überprüfen, ob es den Namen gibt“, sagt Hans Joachim Glaser, Abteilungsleiter des Geburtenbuchs beim Standesamt Lübeck. Wenn ein Name unbekannt ist, fragen die Beamten bei der Gesellschaft für deutsche Sprache oder der Namenberatungstelle nach — was durch die zunehmende Internationalisierung öfter vorkommt. „Plötzlich öffnet sich die Welt und damit auch die Vielfalt an Vornamen“, sagt Glaser. „Die Entscheidung liegt allein bei den Eltern — wir beraten nur bei Dingen, ob zum Beispiel ein Bindestrich zwischen zwei Namen stehen sollte.“ Das entscheidet nämlich zum Beispiel, ob nur ein Name Rufname wird oder beide.

 Ungewöhnliche Kombinationen wie Curtis Meikel Tyler, Alma Edvarda Edeltraut Hendrikje oder Yuki Karlotta Nayeli fanen sich zuletzt auch in den LN unter den Neugeborenen. „Die meisten Kinder haben aber nach wie vor nur einen Namen“, sagt der Ahrensburger Namensforscher Knud Bielefeld. „Im Norden sind es etwa 60 Prozent.“ In katholischen Gebieten im Süden sei der Anteil jedoch kleiner: Dort ist die Tradition, Kindern zusätzlich den Namen eines Familienmitglieds oder Paten zu geben, stärker ausgeprägt. „Aber gerade jetzt, da die Welt vernetzter ist und die Wahrscheinlichkeit größer, einen Namensvetter zu treffen, ist mit einem zweiten Vornamen die Chance größer, sich zu unterscheiden“, sagt Knud Bielefeld. „Das bedenken offenbar viele Eltern.“

Von Lena Modrow

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