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Norddeutschland Endlager für Atom-Müll: Suche im Norden beginnt
Nachrichten Norddeutschland Endlager für Atom-Müll: Suche im Norden beginnt
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20:39 08.04.2017
Im Forschungszentrum Jülich lagern Castorenbehälter (Foto vom 11.01.2011). Quelle: Andreas Endermann/dpa
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Kiel

„Interessant könnten drei Salzstöcke im Nordwesten des Landes bei Rendsburg sein“, erläutert der Kernphysiker Heinz Smittal von der Umweltorganisation Greenpeace. Ein weiterer Salzstock befinde sich in Siek (Kreis Stormarn). Zudem gebe es salzhaltige Schichten, die von Niedersachsen bis in das Gebiet nördlich von Hamburg reichen. Und es gebe den schon früher als potenziellen Standort angedachten Salzstock von Gülze-Sumte auf der Ostseite der Elbe (Amt Neuhaus) nahe Lauenburg. Dieser, weiß Smital, sei 1995 „vielversprechender als Gorleben“ eingeschätzt worden.

Zum Thema: Ein Endlager vor der Haustür? Das sagen Lokalpolitiker im Norden

„Jedes Gebiet kommt in Frage“, bestätigt Volkmar Bräuer von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), die derzeit eine neue Liste untersuchungswürdiger Standorte erstellt. „Auch in Schleswig-Holstein.“ Die Liste der BGR von 1995, in der auch Siek sowie die übrigen genannten Salzstöcke stehen, basiere auf den damals geltenden Kriterien. Bräuer: „Es wurde ein neuer Kriteriensatz entwickelt, der leicht differiert.“ Noch sei es zu früh, um konkrete Standorte zu benennen.

Schon in den 90ern, erinnert sich Joachim Müller, parteiloser Lokalpolitiker aus Preten (Amt Neuhaus), habe es Befürchtungen gegeben, Gülze-Sumte könne als Endlager gewählt werden. „Weil hier wenig Leute wohnen und wenig Widerstand zu erwarten ist.“ Bei einer neuen Suche, hofft er, seien sachgerechtere Gründe bestimmend. Anderenfalls sei „die Widerstandsszene von Gorleben nur wenige Kilometer entfernt“.

Auch ein Salzstock in Krempe (Kreis Steinburg) war 1995 im Gespräch. Bürgermeister Volker Haack ist besorgt: Logistisch liege der Ort wohl günstig, zumal die Autobahn A 20 künftig vorbeiführen solle. „Dann könnten die das ganze Zeug aus Brunsbüttel bei uns entsorgen.“ In Siek (Kreis Stormarn) dagegen erklärt SPD-Gemeindevertreterin Gerlinde Görmer: „Man kann nicht immer nur mit dem Finger auf die anderen zeigen. Wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sein sollten und wir bleiben übrig, dann ist es eben so.“

Bis dahin indes ist noch Zeit – erst 2031 soll die Endlagersuche abgeschlossen sein. „Weiße Landkarte bedeutet weiße Landkarte“, sagt Umweltminister Robert Habeck. „Das ist der Kern der Endlagersuche, und auch Schleswig-Holstein ist nicht ausgenommen.“

Von Marcus Stöcklin

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