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Norddeutschland Endspurt am A-20-Loch: Bald rollt der Verkehr wieder
Nachrichten Norddeutschland Endspurt am A-20-Loch: Bald rollt der Verkehr wieder
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10:46 03.11.2018
Rund 550 Meter der Behelfsbrücke über das Trebeltal bei Tribsees (Vorpommern-Rügen) sind fertig. Auf 220 Metern Länge müssen noch Stahlsegmente verlegt werden. Quelle: Dietmar Lilienthal
Tribsees

In einer langgezogenen, eleganten Kurve zieht sich die neue Brücke durchs Moor. Ein schlankes Gebilde, gerade mal 7,50 Meter breit. Aber immerhin schon gut einen halben Kilometer lang. Wo vor gut einem Jahr bei Tribsees (Vorpommern-Rügen) die Fahrbahn der A 20 wegbrach, werden seit knapp drei Wochen Stahlsegmente auf Brückenpfeiler gesetzt.

Umleitung durch kleine Orte wird aufgehoben

Die Bauleute sind zur traditionellen Pfahlgründung zurückgekehrt, denn der vor 15 Jahren mit einer neuen Technologie im nassen Untergrund gebaute Damm hielt dem Verkehr nicht stand. Vor der alten Trebeltalbrücke müssen in Richtung Grimmen auf 692 Meter Stahlsegmente verlegt werden, hinter der alten Brücke kommen noch 81 Meter dazu. Mit Tempo 60 und jeweils einspurig in beide Richtungen soll die Piste in etwa vier Wochen befahrbar sein.

Für die Einwohner von Langsdorf und Böhlendorf bedeutet das: Die Umleitung des A-20-Verkehrs durch ihre kleinen Orte wird aufgehoben. Bürgermeister Hartmut Kolschewski meint: „Wir sehnen den Tag herbei, an dem Krach, Gestank und endlose Staus vor unseren Haustüren endlich ein Ende haben.“ Der 30. November könnte dieser Tag X sein, vielleicht auch schon der 29. oder doch erst einer der ersten Dezembertage. Auf einen genauen Tag will sich Ronald Normann vom Güstrower Landesamt für Straßenbau und Verkehr nicht festnageln lassen. Noch fehlen ja 220 Meter, bis das Loch über der A 20 geflickt ist.

Arbeiten trotz Sturm

Immerhin, die holländische Firma Janson Bridging hat einen konkreteten Zeitplan für den Endspurt „Am 13. November montieren wir das letzte Segment westlich der alten Brücke“, sagt Projektleiter Roger Deperade. „Bei uns läuft alles bestens“. Beim Transport der Teile aus den Niederlanden nach Vorpommern habe es bisher keine Probleme gegeben, auch nicht bei der Montage vor Ort.

Nicht einmal die Böen von Herbststurm „Siglinde“ bremsten das Verladen. „Die Teile haben genug Gewicht, das kriegen wir auch bei Wind hin“, meint Kranfahrer Alexander Hein von der Lubminer H.N.Krane-Niederlassung. Zwischen 27 und 42 Tonnen wiegen die Stahlteile, die auf der Baustelle zur Fahrbahn zusammengefügt werden.

Lego für Erwachsene: Behelfsbrücke wird später wieder abgebaut

Ein „Lego für Erwachsene“, nennt Projektleiter Deperade das Baukastensystem, mit dem Janson Bridging in ganz Europa Brücken errichtet, die nach einiger Zeit wieder abgebaut werden. Die Module können dann anderswo nachgenutzt werden. Die vom A 20-Loch soll etwa zwei Jahre zur Miete im Einsatz sein.

Zwischen dem Janson-Bridging-Großlager im holländischen Hank und dem A  20-Loch pendeln seit Mitte Oktober sechs Sattelschlepper. „Wir fahren nachts. Da kommt man gut durch, fast ohne Staus“, sagt Lkw-Fahrer Kees Van Maren. Der 50-Jährige hat Brückenteile schon durch halb Europa gekutscht, nach Norwegen, Italien, Großbritannien, Belgien und Frankreich zum Beispiel. Die Strecke nach Vorpommern hat er jetzt an die zehn Mal absolviert. 700 Kilometer, rund neun Stunden Fahrt. Dann Abladen auf der Baustelle und Warten, dass die Zeit vergeht. „Wir müssen ja unsere Pausen einhalten.“ Nachmittags geht’s dann zurück nach Holland, die nächste Fuhre holen. Der Trucker wirkt entspannt, winkt freundlich aus dem Fahrerhaus. „Das klappt schon.“

Brücken-Montage östlich der Trebel erst ab 24. November

Nach dem 13. November muss die holländische Spezialfirma allerdings noch einmal anderthalb Wochen Pause einlegen. An den Holländern und ihren norddeutschen Verlade-Partnern liegt das nicht. „Im Gegenteil, wir hätten die Brückenteile gern schon im Sommer montiert“, sagt Projektleiter Deperade. Doch beim Setzen der Brückenpfeiler hatte es Verzögerungen gegeben. „Der moorige Boden macht die Gründungsarbeiten schwierig, das ist hier leider so“, räumt Autobahn-Abteilungsleiter Normann ein. Hemmnis für den aktuellen Baufortschritt ist momentan die Ostseite der Trebeltalbrücke, dort müssten noch Pfahlköpfe montiert werden. Auch am Zwischenstück zur alten Brücke, einem mit Kies befüllten Betonblock, wird noch gearbeitet.

Roger Deperade geht davon aus, dass seine Leute dann ab 24. November auch dort die Brückensegmente aufsetzen können. Zwei bis drei Tage seien dafür eingeplant, meint der 52-Jährige, der seit 25 Jahren für die holländische Firma arbeitet. Anfang der 1990er Jahre hat der gebürtige Ost-Berliner als Zeitsoldat bei der Marine einige Zeit in Rostock gelebt. Wenn dann die letzten Fahrbahn-Segmente auf den Pfeilern sitzen, stehen noch Restarbeiten an: Fahrbahnmarkierung, Montage der Leitplanken, Asphaltanbindung an den Anschlussstellen zur „alten“ Fahrbahn. Autobahn-Abteilungsleiter Normann hofft, dass nichts Unvorhergesehenes mehr passiert. Ein vorzeitiger Wintereinbruch könnte den Endspurt nicht wirklich durchkreuzen, meint er. Aber die Öffnung des Abschnittes auf Anfang Dezember verschieben. Normann. „Erst wenn die Brücke sicher ist, geben wir sie frei.“

Für Roger Deperade ist das Gastspiel in Mecklenburg-Vorpommern dann vorerst beendet. „Ich war gern mal wieder hier“, sagt der Mann vom Bau. Doch im Dezember warten schon bei München, Heilbronn und Hamburg auf ihn die nächsten Baustellen. „Der Bedarf nach unseren Modul-Brücken ist groß.“

Neue Betonbrücke frühestens 2021 fertig

50 Millionen Euro Kosten fallen für die Behelfsbrücke an, über die spätestens im Dezember bei Tribsees der A 20-Verkehr rollen soll. Für die Gründungsarbeiten, die die Berliner Tiefbau-Arge Bauer-Züblin mit mehreren Subunternehmen ausführte, wurden laut Schweriner Verkehrsministerium 20 Millionen Euro veranschlagt. Die mehr als 300 Gründungspfähle werden auch für die spätere neue Trebeltalbrücke aus Beton genutzt. Für deren Pfeiler müssen dann noch weitere 400 Pfähle gesetzt werden.Die Stahlteileder Behelfs-Querung sind bei der Spezialfirma Janson Bridging (Niederlande) gemietet, für 153 000  Euro pro Monat.

Die endgültigeBetonkonstruktionder dann 1,3 Kilometer langen, neuen Trebeltal-Brücke wird nicht vor 2021 fertig sein. Das Güstrower Landesamt für Straßenbau will die Planungsentwürfe im Dezember im Bundesverkehrsministerium in Bonn (Nordrhein-Westfalen) vorlegen. Danach folgt die öffentliche Auslegung in der Region. Erst dann könne der 100-Millionen-Euro-Auftrag europaweit ausgeschrieben werden. Die Kosten für den Neubau trägt der Bund. Mecklenburg-Vorpommern muss jedoch die Planungskosten übernehmen, insgesamt bis zu 18 Millionen Euro.

Elke Ehlers

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