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Norddeutschland Engpass bei Heuschnupfen-Mitteln
Nachrichten Norddeutschland Engpass bei Heuschnupfen-Mitteln
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09:01 15.06.2018
In der Hauptblütezeit von April bis August leiden viele Menschen an Heuschnupfen. Quelle: dpa
Kiel

„Verschiedene Wirkstoffe von verschiedenen Herstellern sind aktuell nur schwer lieferbar“, berichtet Frank Jaschkowski, Geschäftsführer der Apothekerkammer in Kiel. Dabei handelt es sich vor allem um Antihistaminika und um Cromoglycin-haltige Präparate wie antiallergische Augen- und Nasentropfen. Zudem seien auch einige verschreibungspflichtige Heuschnupfen-Mittel nur eingeschränkt zu bekommen.

„Die Bestände sind relativ schnell ausverkauft gewesen“, sagt der Kammer-Geschäftsführer. Das habe er so noch nicht erlebt.

Schuld daran ist nach seinen Angaben das Wetter. „Im Frühjahr hatten wir eine sehr lange Schönwetterperiode – in ganz Europa“, so Jaschkowski. Die Pollen seien stark geflogen, und so seien Heuschnupfen-Präparate auch stark nachgefragt gewesen. Darauf jedoch waren die Hersteller offenbar nicht vorbereitet. „So schnell kann nicht nachproduziert werden.“Der Geschäftsführer geht davon aus, dass die Produktionsrückstände erst in etwa drei Monaten aufgeholt sind. Bis dahin müssen Patienten auf Ausweichpräparate mit anderen Wirkstoffen umsteigen. Das könne im unglücklichsten Fall ein normales Nasenspray sein. „Man sollte sich in der Apotheke beraten lassen“, empfiehlt Jaschkowski.

Häufigste Allergie

In der Hauptblütezeit von April bis August leiden viele Menschen an Heuschnupfen (Allergische Rhinitis). Dabei machen ihnen vor allem Pflanzenpollen, also kleinste Blütenstaubteilchen von Bäumen, Gräsern und Kräutern in der Luft zu schaffen. Als typische Symptome treten Niesen, Fließschnupfen und Augenjucken auf. Heuschnupfen ist die häufigste Allergie in den Industrieländern.

Studien haben gezeigt, dass 15 bis 20 Prozent der Deutschen zumindest zeitweise mit Heuschnupfen zu kämpfen haben.

„In der Regel können wir den Kunden etwas anderes anbieten“, berichtet Eiko Franz, Inhaber der Apotheke am Lindenplatz in Lübeck. Doch viele reagierten mit Kopfschütteln. Auch die Engel Apotheke in Bad Segeberg hat nicht jedes gewünschte Medikament für die Kunden parat. Vor allem bei Nasensprays und Augentropfen gebe es Probleme, erzählt Dagmar Mortzfeld. Mal sei ein Präparat erst am Folgetag wieder zu bekommen, auch sei teils nur eine bestimmte Größe lieferbar, „Aber meist kriegen wir dann doch noch etwas ran.“ Die Kunden seien da geduldig.

Doch es gibt auch andere Auskünfte. In der Löwen Apotheke in Lübeck etwa sind die Regale noch gut gefüllt, obwohl es in diesem Jahr mehr Nachfragen nach Anti-Allergika gibt. „Es wird 30 bis 40 Prozent mehr nach diesen Präparaten gefragt als in anderen Jahren“, schätzt Inhaber Marcus Niendorf. „Aber ich habe ein riesiges Lager“, erklärt er.

Bäume und Gräser würden nicht immer die gleiche Menge an Pollen auswerfen, sagte Regina Fölster-Holst, Vorsitzende des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen in Norddeutschland, dem Radiosender NDR 1 Welle Nord. Die Professorin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel sieht, dass Allergien über die Jahre immer mehr zunehmen. „Wir übertreiben es mit der Hygiene. Das Immunsystem hat zu wenig zu tun.“

Medikamenten-Lieferprobleme sind bisher nur von Grippemitteln und Impfstoffen bekannt. So war im Norden das Grippe- Serum „Tamiflu“ im Herbst 2005 stark nachgefragt, der Grippeimpfstoff nahezu ausverkauft. Damals halfen sich Apotheken untereinander aus. Im Herbst 2015 fehlte es am Vierfach-Impfstoff gegen Diphtherie, Wundstarrkrampf, Keuchhusten und Kinderlähmung. Pharma-Hersteller konnten nicht liefern. Als Grund wurden Verzögerungen bei der Qualitätskontrolle sowie ein erhöhter Marktbedarf für Polio-Auffrischungsimpfungen genannt.

Julia Paulat

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