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Norddeutschland Kreft ist Spitzenkandidat für Europawahl
Nachrichten Norddeutschland Kreft ist Spitzenkandidat für Europawahl
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18:12 03.11.2018
Landesvorsitzender Ralf Stegner (r) gratuliert Enrico Kreft (SPD) zu dessen Wahl. Quelle: Markus Scholz/dpa
Kiel

Überraschung bei der Nord-SPD: Die Sozialdemokraten haben den Lübecker Enrico Kreft als Spitzenkandidat der Landesliste für die Europawahl im Mai nominiert. Kreft setzte sich am Sonnabend auf einem Parteitag in Kiel im zweiten Wahlgang gegen die vom Landesvorstand vorgeschlagene stellvertretende Juso-Bundesvorsitzende Delara Burkhardt durch. Der 40 Jahre alte Kreft – Beisitzer im Landesvorstand – erhielt dabei 100 Stimmen, die 26 Jahre alte Burkhardt kam auf 89.

Kreft will sich im Europäischen Parlament für eine gerechte Finanz- und Wirtschaftspolitik sowie eine faire Handelspolitik einsetzen. „Ich gehe mit sehr viel Optimismus und Engagement in den Wahlkampf“, sagte Kreft. Die Wahl sei keinesfalls ein Zeichen von Zerrissenheit in der Nord-SPD. „Es gab zwei gute Kandidaten im zweiten Wahlgang.“ Er freue sich drüber, dass die Parteimitglieder anderen Dingen gefolgt seien und nicht dem Votum des Landesvorstands. Diesem gehört der Verlagsangestellte als Beisitzer selbst an. Zu Krefts Vertreter im sogenannten Huckepack-Verfahren, falls der Spitzenkandidat aus dem Parlament ausscheidet, wählte die Partei den Husumer Marc Timmer.

Anfang kommender Woche wollen die Bezirks- und Landeschefs mit der SPD-Vorsitzenden Andrea Nahles einen Vorschlag für den Bundesparteitag Anfang Dezember erarbeiten. Ein aussichtsreicher Listenplatz gilt dabei als Maximum. Stegner selbst hatte im Vorfeld betont, dass eine Frau die besten Chancen auf einen guten Listenplatz für die Wahl am 26. Mai hätte.

Auf dem Parteitag warnte Stegner vor wachsendem Rechtspopulismus in Europa und sprach von einer Schicksalswahl. „Nationalismus, Intoleranz und Rassismus führen in Chaos und Elend“, sagte er. Seine Partei rief er auf, offensiv für ihre Werte einzutreten. „Wenn wir nicht aufhören, nur rumzumeckern, wird uns die große Idee von Europa abhanden kommen.“

Der Fraktionschef der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament, Udo Bullmann, ermunterte dazu, offen für die Werte der SPD einzutreten. „Die Menschen wollen uns kämpfen sehen.“ Nicht überall in Europa sei die Sonne versunken. Die Sozialdemokraten seien gefordert, für Europa zu kämpfen. Denn: „Die Schwarzen sind nicht zuverlässig, wenn die Braunen wieder marschieren.“

Im Casino der Stadtwerke debattierte die Nord-SPD aber auch über die Situation der gesamten Partei nach den jüngsten Niederlagen in Bayern und Hessen. „Wir verspüren einen dramatischen Vertrauensverlust der Partei“, sagte die stellvertretende Landesvorsitzende Bettina Hagedorn. „Und ja, die SPD steckt in einer tiefen Krise.“

Mit Blick auf die Große Koalition in Berlin forderte die Nord-SPD die Einberufung eines Sonderparteitags im Bund. Das hatten die Jusos beantragt. Serpil Midyatli, die im kommenden Jahr SPD-Landeschefin werden will, unterstützte den Vorstoß – und stellte sich damit gegen den aktuellen Amtsinhaber Ralf Stegner.

dpa/wh