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Norddeutschland Erfolg für Migräne-Forscher
Nachrichten Norddeutschland Erfolg für Migräne-Forscher
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21:24 20.06.2016
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Kiel

Die bisher weltweit umfangreichste Migränestudie kommt nach Einschätzung des Kieler Forschers Prof. Hartmut Göbel zu bahnbrechenden Ergebnissen: Die Wissenschaftler entdeckten 44 neue Genvarianten, die das Risiko, an Migräne zu erkranken, erhöhen. Göbel, Co-Autor der Studie und Direktor der Kieler Schmerzklinik, spricht von einem Meilenstein auf dem Weg, die Ursachen der Erkrankung zu enträtseln.

Die Ergebnisse wurden jetzt im Wissenschaftsjournal „Nature Genetics“ publiziert. Demnach löst eine zeitweise Störung der Blutversorgung des Gehirns die Kopfschmerz-Attacken aus. Mehrere Jahre lang sammelten Forscherteams aus zwölf Nationen unter Beteiligung der Schmerzklinik Erbgutproben von 375000 Europäern, Amerikanern und Australiern. Die Daten belegen nach Angaben von Klinikdirektor Göbel zum ersten Mal, dass die Reaktionsweise der Arterien und der glatten Muskulatur in den Gefäßwänden des Blutkreislaufsystems eine wichtige Rolle bei der Migräne-Entstehung spielen.

Laut Weltgesundheitsorganisation steht Migräne an sechster Stelle der am schwersten behindernden Erkrankungen des Menschen. Weltweit sind eine Milliarde Menschen betroffen. Pro Tag leiden rund eine Million Menschen allein in Deutschland an Migräneattacken. Zum Gewitter im Kopf mit zum Teil Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit kommen bei zehn Prozent der Patienten neurologische Ausfälle wie Lähmungen oder Bewusstseinsstörungen hinzu. Schon epidemiologische Studien der vergangenen Jahre hatten bestätigt, dass die Migräne mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt und andere Erkrankungen des Herzkreislaufsystems einhergeht. Die neuen Daten stimmen damit überein.

Da die einzelnen Genvarianten das Migränerisiko nur leicht erhöhen, konnten die neuen Ergebnisse nur erzielt werden, indem die Forscher weltweit ihre Proben und Analysen zusammenführten. Göbel ist überzeugt: „Wir haben die Nadel im Heuhaufen gefunden. Wir können jetzt das Wissen umsetzen, da uns die Ergebnisse die Richtung für die nächsten Jahre vorgeben.“ Was die Forscher elektrisiert, ist die Chance auf die Entwicklung neuer gezielter Medikamente für die etwa 30 unterschiedlichen Migräneunterformen. „Wir müssen spezifisch behandeln. Patienten sprechen ganz unterschiedlich auf verschiedene Therapien an“, beschreibt Göbel. Was bei dem einen gut wirkt, hilft dem anderen gar nicht. Die jetzt neu entdeckten Befunde könnten in den nächsten Jahren Grundlage dafür sein, auf unterschiedliche genetische Risikogruppen zugeschnittene Therapieansätze zu finden.

Martina Drexler

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