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Norddeutschland Erfolgsgeschichte im Osten, Pannen im Westen
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22:15 06.11.2013
Lübeck

Die Serie der Skandale, Klagen und Prozesse rund um den Bau der A 20 füllt inzwischen viele Aktenordner. Dabei hat es die Fernstraße unter dem Namen „Ostsee-Autobahn“ in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg in 13 Jahren vom ersten Spatenstich bis zur Verkehrsfreigabe geschafft — eine Erfolgsstory auf immerhin 306 Kilometern. Dabei galt es, durchaus nicht weniger Natur zu schützen als bei ihrem Weiterbau in Schleswig-Holstein. Doch vom Bundesverwaltungsgericht (BVG) wurden alle Klagen aus dem Nordosten abgebügelt.

Im nördlichsten Bundesland quält sich der Bau seit 1998 dahin. In 15 Jahren wurden 39 Autobahn-Kilometer geschafft. Vor den Toren von Bad Segeberg ist vorerst Ende. Ein Verein „Neue Wege für Schleswig-Holstein“, der den Weiterbau der A 20 innerhalb der nächsten fünf Jahre fordert, meldete nach dem gestrigen Leipziger Richterspruch seine Kapitulation an. „Das Land steht mit leeren Händen da“, kommentierte Initiativensprecher Rainer Bruns die Lage. Private Planer müssten nun eingeschaltet werden, der Koalitionsvertrag müsse geändert werden — es dürfte beim frommen Wunsch bleiben.

Zunächst muss die Planfeststellung überarbeitet werden. Für die Landesverwaltung ist das Urteil der größte anzunehmende Unfall: Im schlimmsten Fall bedeutet es eine neue Trasse bei Bad Segeberg. Ganz sicher aber weitere Verzögerungen.

Es ist im Sommer 1997, als die großen Naturschutzverbände in Schleswig-Holstein den Kampf um den schleswig-holsteinischen Teil der Ostsee-Autobahn vor Gericht eröffnen. Es geht um ein sensibles Stück Natur im Süden Lübecks. Das Land habe die Nordumgehung der Hansestadt ohne nachvollziehbaren Grund zu den Akten gelegt, argumentieren BUND und Nabu. „Theaterdonner“, befindet ein gewisser Peer Steinbrück (SPD), seinerzeit Verkehrsminister in Kiel. Wenig später stoppt das BVG die Pläne für die Wakenitzniederung vorläufig. Denn dort lebt der unter Schutz stehende Wachtelkönig. Vier Monate später gibt es von den Richtern das „Go“. Am Ende beträgt die Bauverzögerung zehn Monate.

Danach kämpfen Naturschützer an der Seite des Lübecker SPD-Bürgermeisters Michael Bouteiller für einen Tunnel unter der Wakenitz. Die Landesregierung will eine Brücke — weil sie billiger ist. Bis Oktober 1999 hätte Lübeck Einwände geltend machen können. Die Stadt verpasst die Einspruchsfrist.

Es ist 2001, als sich die Fertigstellung der A 20 im Süden Lübecks weiter verzögert. Wegen Öko-Klagen lehnen die Bundesrichter Vorarbeiten in der Wakenitzniederung ab. Erst im März 2002 wird weitergebaut. Es ist 2004 kurz vor Weihnachten, als die Autos rollen.

2006 ruhen die Arbeiten bei Geschendorf (Kreis Segeberg), weil eine unterlegene Bietergemeinschaft von Bauunternehmen klagt. Die Firma, die den Zuschlag erhalten hat, zieht wegen Millionen-Nachforderungen an das Land 2008 ihren Fuhrpark ab: Bau-Stopp. Später wird dieser Autobahnabschnitt doppelt so teuer wie vorgesehen. Als er fertig ist, wirft die Fahrbahn Blasen.

Curd Tönnemann

LN

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