Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Erinnerungen an ein entgangenes Glück

Zum Totensonntag Erinnerungen an ein entgangenes Glück

Die Initiative „Dein Sternenkind“ schenkt Eltern Fotos ihrer bei der Geburt verstorbenen Kinder. „Wir wollen auch den Eltern Erinnerungen schenken, die nicht glücklich mit ihrem Kind nach Hause gehen können“, sagt Tanja von Rohden aus Schwentinental (Kreis Plön).

Einen kurzen Moment der Begegnung halten die Fotografen von „Dein Sternenkind“ fest.

Quelle: DEIN STERNENKIND, A. DROEGMÖLLER, LICHTRAUM-STUDIO, F. SCHÄDEL

Lübeck/Kiel. Manchmal währt das Glück nur ganz kurz. In Schleswig- Holstein sind im vergangenen Jahr 82 Kinder tot auf die Welt gekommen, weitere 34 sind in den ersten sieben Lebenstagen gestorben. Deutschlandweit wurden fast 2800 Totgeburten registriert. Den Eltern bleibt meist nichts außer Verzweiflung, Wut und Trauer. Unter dem Namen „Dein Sternenkind“ wollen Fotografen ehrenamtlich helfen. Sie machen Fotos von den toten Babys. „Wir wollen auch den Eltern Erinnerungen schenken, die nicht glücklich mit ihrem Kind nach Hause gehen können“, sagt Tanja von Rohden aus Schwentinental (Kreis Plön). „Mir ist das eine große Herzensangelegenheit.“

LN-Bild

Die Initiative „Dein Sternenkind“ schenkt Eltern Fotos ihrer bei der Geburt verstorbenen Kinder.

Zur Bildergalerie

„Ich bin dabei, weil ich es wichtig finde, dass die Eltern die Möglichkeit haben, ihr verstorbenes Baby bildlich festzuhalten.“Andrea Adolph (35)

„Wir wollen auch den Eltern Erinnerungen schenken, die nicht glücklich mit ihrem Kind nach Hause gehen können.“ Tanja von Rohden (44)

Vorbild aus den USA

„Fotografieren ist das, was ich wirklich kann. So kann ich meinen Teil dazu beitragen, etwas Gutes zu tun.“ Michaela Plambeck (44)

Die 44-Jährige, selbst Mutter eines 17-jährigen Sohnes, ist seit zweieinhalb Jahren für „Dein Sternenkind“ im Einsatz. Über Facebook hatte die Fotografin, die im Hauptberuf Bankerin ist, von der Initiative erfahren. „Das hat mich berührt.“ Ihr erster Einsatz führte sie dann völlig unerwartet zu ihrer eigenen Familie: Der Sohn ihres Neffen war in der 20. Schwangerschaftswoche still zur Welt gekommen. „In den Stunden nach der Geburt durfte ich die kleine Familie fotografieren“, erinnert sich Tanja von Rohden. Durch Gespräche habe sie erfahren, wie wichtig das sei.

Inzwischen besteht die Initiative deutschlandweit aus mehr als 600 Fotografen, die den Eltern kostenlos Erinnerungsfotos machen. Diese bekommen die Bilddateien digital, aber auch als Ausdruck per Post zugeschickt. „Manche mögen sich die Fotos nicht gleich ansehen“, erklärt von Rohden. „Das macht nichts. Sie können den Umschlag zur Seite legen, bis sie eines Tages vielleicht doch das Bedürfnis haben, die Fotos zur Hand zu nehmen.“ Manche Menschen schätzten die Erinnerung, andere wiederum bräuchten sie als Beweis. Denn: „Der Tod wird in unserer Gesellschaft immer noch totgeschwiegen“, sagt von Rohden.

Es sei wichtig, dass es Fotografen gebe, die mit viel Rücksicht, Sensibilität und Feingefühl diese Erinnerungen schaffen, meint Andrea Adolph, Fotografin aus Sandesneben. Auch sie hat sich der Vereinigung „Dein Sternenkind“ angeschlossen. „Leider ist es in Deutschland noch immer ein großes Tabuthema, tote Kinder zu fotografieren“, sagt sie. „Aber ich halte es für die Trauerarbeit für immens wichtig.“ Es sind behutsame Fotos. Eine Kinderhand in der Hand der Mutter, ein winziges Füßchen, das zärtlich berührt wird, das kleine Kind, ganz geborgen in den Armen der Eltern. Oft ist darauf kaum zu erkennen, dass es sich um ein totes Baby handelt. „Ich freue mich immer, wenn die Eltern dabei sind und beziehe sie in das Foto mit ein“, erzählt Tanja von Rohden. Manche Paare aber könnten die Kinder nur kurz ansehen. „Da fotografiere ich die Kinder dann allein.“

Michaela Plambeck (44) ist schon zwei Mal über die Alarm-App der Organisation zu Einsätzen ins Krankenhaus gerufen worden. Die Fotografin aus Bad Oldesloe lichtet schon länger schwerkranke Kinder mit ihren Familien in Hospizen oder für Vereine wie „Tapfere Knirpse“ ab. Da lag der Schritt zu „Dein Sternenkind“ nah. „Es herrscht ob der Verzweiflung im Raum auch eine friedliche Stimmung, die von dem kleinen Sternchen ausgeht“, berichtet sie. „Ich konzentriere mich dann auf das Fotografieren. In solchen Momenten sind alle Worte zu viel.“

Für den Kontakt zu den Eltern ist die Initiative auf die Zusammenarbeit mit dem Klinikpersonal angewiesen. „Meist melden sich die Schwestern oder Hebammen bei der Vereinigung, und die Fotografen werden dann über eine Alarm- App via Handy benachrichtigt“, berichtet von Rohden. Die Unterstützung durch das Uniklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) sei gut. „Die Mitarbeiter legen den Eltern ans Herz: Lassen Sie Fotos machen, das kann später für Sie wichtig sein“, berichtet die Fotografin. Andere Kliniken täten sich da manchmal noch schwer.

„Das ist ein sehr gutes Angebot“, lobt Prof. Dr. Achim Rody, Direktor der Frauen-Klinik der Universitätsklinik in Lübeck (UKSH). Diese Fotos seien bei der Bewältigung des Verlustes ganz entscheidend.

Wichtig sei aber auch der persönliche Abschied. „Das raten wir allen.“ Etwa 15 Totgeburten verzeichnet das UKSH Lübeck pro Jahr. Dabei handelt es sich nach Auskunft der Klinik um extreme Frühgeborene, schwerstkranke Kinder mit angeborenen Fehlbildungen sowie Schwangerschaftsabbrüche bei medizinischer Indikation.

Dein Sternenkind wurde Anfang des Jahres 2013 durch Kai Gebel aus dem hessischen Seeheim-Jugenheim ins Leben gerufen – nach dem amerikanischen Vorbild NILMDTS (Now I lay me down to sleep). Die Vereinigung von Fotografen bietet Erinnerungsfotos für Eltern, die ein totes Baby auf die Welt bringen müssen oder denen der Tod des Neugeborenen bevorsteht. Inzwischen besteht die Initiative deutschlandweit aus über 600 Fotografen, die ohne Aufwandsentschädigung arbeiten. Weitere Informationen unter www.dein-sternenkind.eu

 Julia Paulat

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. An dieser Stelle finden Sie die Galerie für den Juli 2017.

Wie sollte die Bundesregierung in der Türkeipolitik vorgehen?

  • Hochzeitszauber
    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informationen und kompetente Ansprechpartner in und um Lübeck für Ihre Traumhochzeit.

    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informat... mehr

  • Reisetipps
    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber.

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

  • Events & Veranstaltungen
    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe.

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Lifestyle

    Unser Lifestyle-Portal mit nützlichen News und Tipps: Informieren Sie sich über Mode, Beauty und aktuelle Trends. Mehr Schwung, mehr Spaß... mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Ausstellungen, Theater, Konzerte und mehr in Lübeck und Umgebung.

Tatort-Blitzkritik

Immer sonntags, direkt nach dem Tatort gibt es die Kritik auf LN Online. Reden Sie mit!

TV-Vorschau

Unsere Kolumne zeigt, wo sich das Einschalten lohnt.

Beltquerung

Politik und Bahn planen die Hinterlandanbindung zur Beltquerung. Alle Infos hier.

Schulen

Wir stellen Ihnen Schulen vor - damit Sie die richtige Wahl für Ihr Kind treffen.