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Ermittlungen gegen JVA-Bediensteten

Lübeck Ermittlungen gegen JVA-Bediensteten

Die Lübecker Justizvollzugsanstalt wurde von der Staatsanwaltschaft durchsucht. Ein Beamter steht im Verdacht der Bestechlichkeit.

Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Lübeck aus der Vogelperspektive: In Lauerhof sitzen „die schweren Jungs“ in Schleswig-Holstein ein.

Quelle: Hellerling

Lübeck/Kiel. Die Kieler Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Bediensteten der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lübeck. Es besteht ein Anfangsverdacht der Bestechlichkeit. Der Beamte soll einen Häftling mit einem Handy versorgt haben. Möglichweise handelt es sich nicht um einen Einzelfall. Aufgeflogen war das verbotene Geschäft durch die Anzeige von zwei Mithäftlingen. Das bestätigte das Justizministerium. Angerückt waren die Ermittler, weil sie nach Drogen in der Haftanstalt suchten. Das teilte Manfred Schulze-Ziffer, Sprecher der Anklagebehörde, mit.

Am 12. Oktober waren zwei Hafträume und eine Stationsküche der JVA Lübeck durchsucht worden. Dabei wurde in der Küche ein Handy entdeckt. Der Besitz eines Handys verstößt gegen die Ordnungsvorschriften einer JVA. Es wird deshalb eingezogen. Handys sind eine begehrte Währung in Gefängnissen. Zum einen werden sie benutzt, um selbst unkontrolliert Kontakt nach „draußen“ zu halten.

Andererseits werden sie für Telefonate an Gefangene vermietet, um damit Geld zu machen. Für ein geschmuggeltes Handy sollen zurzeit 450 bis 500 Euro gezahlt werden.

Nach LN-Informationen könnte der Beschuldigte nicht nur ein Handy geschmuggelt haben, sondern mit zwei Gefangenen einen florierenden Handel mit mobilen Geräten betrieben haben. Die Mithäftlinge, die den JVA-Beamten anzeigten, sollen zu ihren Aussagen eidesstattliche Erklärungen abgegeben haben. Die Staatsanwaltschaft geht den Vorwürfen nach.

Ein kürzlich entlassener Häftling der JVA Lübeck sagte den LN: „Die Beamten führen ein Eigenleben und lassen sich nichts von der Anstaltsleitung sagen. Die Gefangenen wissen von der Schwäche der Führung und handeln entsprechend.“ Gefangene, die Missstände oder Fehlverhalten von Personal anprangerten, würden von den JVA-Bediensteten drangsaliert. Das Lübecker Gefängnis ist in diesem Zusammenhang kein unbeschriebenes Blatt. Allein in den vergangenen zwölf Monaten wurden Disziplinarverfahren gegen vier Bedienstete eingeleitet, zweimal wegen des Verdachts des Verstoßes gegen Dienstvorschriften, in einem Fall ging es um den Verdacht der Körperverletzung im Amt.

Zu den jüngsten Ermittlungen sagt die Landesregierung: „Ein Handel mit Handys und Drogen ist dem Justizministerium nicht bekannt.“ Dass Drogen in kleinen Mengen gefunden werden, komme bei Revisionen in den Anstalten vor. 2013 gab es in schleswig-holsteinischen Haftanstalten 16 Fälle, ein Jahr später 22 Fälle. 2015 stieg die Zahl auf 74 Ermittlungsverfahren wegen Drogenfunden.

Die JVA Lübeck war erst vor wenigen Wochen in die Schlagzeilen geraten. Gefangene hatten brennende Toilettenpapierrollen aus ihren Zellen in den Innenhof der Anstalt geworfen und so lautstark randaliert, dass Nachbarn der JVA die Polizei alarmierten. Die Häftlinge wollten mehr Aufschluss ihrer Zellen erzwingen. Dafür aber fehlte das Personal. Aktuell ist im Lübecker Gefängnis jeder siebte Bedienstete krankgemeldet. „In den großen Hafthäusern musste an mehrenen Tagen im Oktober ein vorzeitiger Einschluss durchgeführt werden“, räumte ein Ministeriumssprecher ein.

Größtes Gefängnis

Die Lübecker Justizvollzugsanstalt (JVA) ist die größte Haftanstalt Schleswig-Holsteins. Sie heißt bei den Einheimischen kurz „Lauerhof“. Das 1908/09 gebaute Gefängnis hat 558 Haftplätze.

Es ist die einzige Justizvollzugsanstalt im Land für Langstrafen-Häftlinge und erwachsene weibliche Gefangene. Aktueller Leiter der JVA ist Tobias Berger. Seine Vorgängerin Agnete Mauruschat wurde nach dem Missmanagement bei einer Geiselnahme an Heiligabend 2014 vorzeitig abgelöst. Bundesweit bekannt wurde die Anstalt im Jahr 2004 durch die Flucht des Ausbrecherkönigs Christian Bogner.

 Curd Tönnemann und Heike Stüben

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