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Ermittlungen mit Hindernissen

Lübeck Ermittlungen mit Hindernissen

Im JVA-Prozess übte ein Polizist Kritik an der Zusammenarbeit mit dem Gefängnis.

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Verteidiger Jan Kürschner beantragte, dass die Ex-JVA-Chefin doch noch gehört wird.

Quelle: Maxwitat

Lübeck. Die Kritik am Nichterscheinen von Lübecks ehemaliger Gefängnischefin Agnete Mauruschat vor dem Landgericht hat gestern die gesamte Verhandlung dominiert. „Es gibt keinen Grund, warum sie in dem Fall keine Angaben machen könnte“, sagte Anwalt Frank-Eckhard Brand, der den Angeklagten Gintaras A. vertritt. Auch Kerstin Raber, Verteidigerin von Alexej S., sagte:

„Es wäre ein gutes Zeichen gewesen, jetzt zur Aufklärung des eigentlichen Tatgeschehens beizutragen.“ Während der eigentlichen Geiselnahme an Heiligabend 2014 habe Mauruschat das „durch fragwürdige Entscheidungen vollumfänglich versäumt“. So wurden Beweismittel „unwiederbringlich verschüttet“.

Ein wichtiger Zeuge war gestern der Polizist, der die Ermittlungen leitete. Thorsten H. (Name geändert) gab einen Einblick in die anfänglichen Wirren, ehe die Untersuchungen beginnen konnten. „Der Anfang war sehr schleppend“, sagte der 52-Jährige. Anstatt an Heiligabend sei der Kriminaldauerdienst erst am ersten Weihnachtsfeiertag gegen 16.25 Uhr informiert worden — fast 24 Stunden nach dem Vorfall. Auch H. selbst habe später seine Schwierigkeiten mit der Justizvollzugsanstalt (JVA) gehabt. Als er am Morgen des 29. Dezembers die Ermittlungen übernahm, konnte er über Stunden keinen Zuständigen erreichen.

Erst nachdem sich Lübecks stellvertretender Polizeichef und die Staatsanwaltschaft mit eingeschaltet hatten, hätten die Beamten nachmittags doch noch in die JVA fahren können. Bereits da sei der 52-Jährige von mehreren Justizvollzugsbeamten angesprochen worden, „ob auch gegen Frau Mauruschat ermittelt würde“. Bereits da schwebte eine mögliche Strafvereitelung im Raum, doch H. verwies auf die Staatsanwaltschaft.

Alexej S. (23), Eugenijus F. (38), Kahaberi A. (25) und Gintaras A. (51) wird vorgeworfen, sie haben an Heiligabend 2014 den Justizvollzugsbeamten Rene K. überwältigt und als Geisel genommen. S.

soll seinem Opfer dabei ein Brotmesser an den Hals gehalten haben. Wenig später wurden sie von JVA-Beamten und Mithäftlingen überwältigt. Gegen Mauruschat wurde anschließend ermittelt, weil sie die Polizei erst einen Tag danach verständigt hatte und dadurch mögliche Beweise nicht mehr auffindbar waren.

So kritisieren die Verteidiger, dass es unter anderem keine Alkoholtests gab. Ihre Mandanten hatten nach eigenen Angaben zuvor zweieinhalb Liter Selbstgebrannten getrunken. Ein Umstand, den auch Polizist H. gestern anmerkte. Schon damals habe er gesagt, dass es wegen dieses Versäumnisses „später noch Probleme geben“ werde. Dass ein JVA-Beamter nach der Geiselnahme zudem einen der vier Täter getreten haben soll, hätten erst Mithäftlinge verraten. Der 52-Jährige hatte das Gefühl, dass die Ermittlungen erschwert wurden: „Den Beamten waren die Bedenken anzumerken, dass mögliche Äußerungen sie eventuell den Job kosten könnten.“ Angesichts dessen attestierte Anwalt Brand der JVA-Leitung gestern eine „Führungsschwäche“.

Eugenijus F.s Verteidiger Jan Kürschner reichte am Nachmittag einen Antrag ein, Mauruschat doch noch zu hören. Sie habe direkt nach der Geiselnahme mit den beteiligten Beamten gesprochen und kann womöglich Angaben zum Alkohol machen. „Ihre Aussage ist wichtig“, sagte Kahaberi A.s Anwalt Oliver Dedow. Bei Antworten, mit denen sie sich selbst belasten würde, könne sie weiterhin auf ihr Aussageverweigerungsrecht verweisen. Richter Kai Schröder merkte abschließend an, noch einmal darüber nachzudenken.Der Prozess wird am kommenden Mittwoch um 9.30 Uhr fortgesetzt.

pah

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