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Norddeutschland Wieder ein Bankautomat gesprengt
Nachrichten Norddeutschland Wieder ein Bankautomat gesprengt
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13:52 07.09.2018
Die Front des Geldautomaten im Vorraum der Bankfiliale wurde durch die Explosion komplett zerstört Quelle: JENS BURMESTER
Ahrensburg/Schwerin

Schon wieder ist ein Geldautomat geknackt worden: In einer Filiale der Deutschen Bank in Ahrensburg (Kreis Stormarn) haben Unbekannte das Gerät in der Nacht zu Donnerstag gesprengt. An Bargeld kamen sie aber nicht heran. Die Täter sind flüchtig. In Schleswig-Holstein sind in diesem Jahr bereits sieben solcher Fälle registriert worden – doch nur in einem Fall kamen die Täter auch an das Geld.

„Wir stehen am Anfang der Ermittlungen“, sagte gestern Uwe Keller vom Landeskriminalamt (LKA). Noch in der Nacht war eine große Fahndung ausgelöst worden. Auch ein Hubschrauber war im Einsatz. Gegen 3.20 Uhr hatte ein Knall die Anwohner in der Mannhagener Straße aufgeschreckt. Einsatzkräfte vermuten, dass die Täter ein Gas-Luft-Gemisch in den Geldautomaten geleitet und dann angezündet hatten. Der Automat im Vorraum des Geldinstituts wurde durch die Wucht der Detonation völlig zerstört. Die Polizei fand zwei große Vorschlaghammer im Vorraum. Die Eingangstür wurde mit einer Brechstange offen gehalten. Vor der Tür fanden die Beamten ein schwarzes Elektrokabel, über das das Gasgemisch offenbar gezündet wurde.

Zeugen haben mehrere junge Leute gesehen

Nach LN-Informationen sollen Zeugen mehrere junge Leute gesehen haben, die nach der Explosion geflüchtet sind. In diesem Zusammenhang wurde auch von motorisierten Zweirädern gesprochen, mit denen die Täter möglicherweise unterwegs gewesen sein könnten. Ob ein weißer VW Golf, der unweit des Tatortes mit laufendem Autoradio abgestellt war, mit der Tat in Zusammenhang steht, ist unklar. Auch die Frage, wie die Täter in die Bank gekommen sind, muss noch geklärt werden. Möglicherweise haben sie nicht den vorderen Eingang genutzt, sondern sind vielmehr über einen Hintereingang in den Raum hinter den Geldautomaten gelangt. Das Haus in der Mannhagener Allee 5 ist ein reines Geschäftshaus, Im Erdgeschoss ist die Deutschen Bank untergebracht, in den beiden oberen Etagen befindet sich eine Zahnarztpraxis.

Das LKA prüft einen Zusammenhang mit einer Serie von Geldautomaten-Sprengungen in den vergangenen Wochen in der Nähe von Schwerin. Erst in der Nacht zum Mittwoch hatten Unbekannte einen Bankautomaten in einem Schweriner Einkaufszentrum zur Explosion gebracht. In drei Fällen konnte Geld erbeutet werden, einmal sogar 200 000 Euro. Nach Angaben der Polizei gibt es an den Tatorten bisher nur wenige Spuren und kaum Zeugen. Das Polizeipräsidium Rostock hat die zuständige Ermittlungsgruppe „Transit“ inzwischen aufgestockt.

Meist sind Tätergruppen am Werk

Laut Bundeskriminalamt wurden im vergangenen Jahr 268 Fälle von Geldautomaten-Sprengungen registriert. Das sind 16 Prozent weniger als noch im Jahr 2016. In 129 Fällen (48 Prozent) gelangten die Täter an Bargeld, in 139 Fällen (52 Prozent) blieb es bei versuchtem Diebstahl. Der regionale Brennpunkt war Nordrhein-Westfalen. Meist sind ganze Tätergruppen am Werk, Einzeltäter sind selten.

Nach polizeilichen Erkenntnissen werden Geldautomaten häufig durch Einleitung eines Gases oder. Gasgemisches und dessen anschließende Zündung gesprengt. Meist übersteigen die Sachschäden die Höhe der Beute deutlich. In Einzelfällen entstanden Schäden in siebenstelliger Höhe.

Zur Schadenshöhe in Ahrensburg wollte die Deutsche Bank keine Angaben machen. Die SB-Zone der dortigen Filiale steht Kunden wie gewohnt zur Verfügung, da es noch einen zweiten Geldautomaten für die Ein- und Auszahlung von Bargeld gibt. Ein Sprecher der Deutschen Bank betonte, dass das Institut großes Augenmerk auf das Thema Sicherheit bei Geldautomaten lege. Nach Auskunft des LKA in Kiel sind die Automaten sicherer geworden.

Im April war in Lübeck-Schlutup der SB-Bereich einer Bank durch eine Sprengung verwüstet worden.

Jens Burmester und Julia Paulat

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