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Existenzsorgen bei den Fischern

Berlin Existenzsorgen bei den Fischern

Den Fischern in der westlichen Ostsee stehen noch härtere Zeiten bevor als jetzt schon. Nach zähen, 20-stündigen Verhandlungen haben sich die EU-Fischereiminister in Luxemburg auf die neuen Fangquoten für 2018 geeinigt. Die Fischer müssen sich auf Einschränkungen einstellen.

Fischer Carsten Foth (40) ist in Sorge, denn Hering und Dorsch sind für ihn die wichtigsten Fische.

Quelle: Roessler, Sauer (2), Brandt/dpa

Berlin. Danach wird die Gesamtfangmenge beim Hering um 39 Prozent gegenüber diesem Jahr abgesenkt. Der Vorschlag der EU-Kommission sah sogar eine Verringerung um 54 Prozent vor, was nun abgewendet werden konnte. Die Fangmenge für Scholle wird um zehn und nicht um 20 Prozent reduziert, wie es die Kommission vorgeschlagen hatte. Die Quote beim Dorsch wird dagegen nicht weiter abgesenkt. Sie war für das Jahr 2017 bereits um 56 Prozent reduziert worden.

LN-Bild

Den Fischern in der westlichen Ostsee stehen noch härtere Zeiten bevor als jetzt schon. Nach zähen, 20-stündigen Verhandlungen haben sich die EU-Fischereiminister in Luxemburg auf die neuen Fangquoten für 2018 geeinigt. Die Fischer müssen sich auf Einschränkungen einstellen.

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Bei den Fischern in der westlichen Ostsee greift angesichts der kräftig reduzierten Fangquoten Existenzangst um sich. „Mit den nun verabschiedeten Gesamtfangmengen können wir nicht leben, werden aber alles daran setzen, das nächste Jahr zu überleben“, erklärte Dirk Sander, Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Kutter- und Küstenfischerei. Er verlangte zugleich, das in diesem Jahr begonnene Nothilfeprogramm für die Dorschfischerei weiterzuführen und nun auf die Heringsfischerei auszudehnen. In diese Richtung geht auch der Vorstoß des Kieler Fischereiministers Robert Habeck (Grüne), der sich bei Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) dafür einsetzen will, „dass es, wie schon in diesem Jahr, auch 2018 wieder Hilfen für die besonders betroffenen Fischer geben wird, wie zum Beispiel Prämienzahlungen für zusätzliche Stilllegetage“. Die Küstenfischerei gehöre zu Schleswig-Holstein und präge das Land, unterstrich er.

Von einem „tragfähigen Kompromiss“ sprach Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt. Forderungen nach weitergehenden Quotenkürzungen für Dorsch, Hering und Scholle konnten im Fischereirat abgewendet werden. Der CSU-Politiker zeigte sich offen für die Forderung aus dem Norden, staatliche Prämien für „freiwillig befristete Stilllegungen“ für die Heringsfischerei zu gewähren. „Bei dem Ziel nachhaltiger Bewirtschaftung der Fischbestände in der Ostsee dürfen wir die Existenzsicherung der Ostseefischerei nicht aus dem Auge verlieren. Deshalb werden wir auch im kommenden Jahr unsere finanzielle Unterstützung der Fischer fortsetzen“, kündigte Schmidt an. Wie er räumte auch Habeck ein, dass die Berufsfischer nun vor sehr ernsten Problemen stehen. „Ich weiß, dass diese Phase für die Fischer hart ist, aber mittel- und langfristig werden sie von gesunden, nachhaltig bewirtschafteten Fischbeständen am meisten profitieren“, sagte er.

Carsten Foth ist skeptisch. „Seit Jahren gehen die Fangquoten immer weiter runter. Und jetzt wieder ein Drittel weniger“, sagt der 40-Jährige. Er klingt resigniert. Seit 20 Jahren arbeitet Foth selbstständig als Fischer in Travemünde. Sieben Tage die Woche fährt er mit seinem knapp zwölf Meter langen Kutter hinaus auf die Ostsee, ist jeweils zehn bis zwölf Stunden unterwegs. „Früher waren wir mit drei Mann auf dem Boot“, berichtet er. Das rentiere sich inzwischen nicht mehr. „Jetzt fahre ich meist alleine oder maximal mit einem Lehrling raus.“ Seinen Fang verkauft er an Restaurants und direkt am Fischereihafen an die Kunden. Dorsch und Hering gehören für ihn zu den wichtigsten Fischen. „Nach der gesenkten Dorschquote konnte ich bisher auf den Hering ausweichen, aber das ist jetzt auch nicht mehr möglich“, sagt Foth. „Das ist schon existenzbedrohend.“

Für den ebenfalls kritischen Bestand des Aals haben die EU-Fischereiminister dagegen kein Fangverbot beschlossen. Das kritisierte der fischereipolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Dennys Bornhöft: „Die EU darf nicht weitere Jahre tatenlos zusehen, dafür steht der Aalbestand insgesamt zu sehr auf der Kippe.“ Habeck verwies darauf, dass eine Entscheidung zum Aal auf den Fischereirat im Dezember verschoben worden sei. Um den Bestand dieses Fisches sei es schlecht bestellt, doch das Problem lasse sich nicht isoliert für die Ostsee betrachten. Habeck schlug vor, den Fang von Aalen in allen marinen Gewässern, aber nur außerhalb der Gültigkeit von Aalmanagementplänen, zu verbieten. Auch für den Fang von Glasaalen würden eine stärkere Regulierung und schonendere Fangmethoden benötigt. Der illegale Fang und der Export aus Drittstaaten müsse unterbunden werden.

Bund gibt 3,5 Millionen Euro

Zur weiteren Unterstützung der Fischereibetriebe sollen im nächsten Jahr rund 3,5 Millionen Euro Bundesmittel zur Verfügung stehen. Das hat der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Eckhardt Rehberg (CDU), angekündigt. Ursprünglich waren für dieses Jahr zur Unterstützung der Dorschfischer in der westlichen Ostsee 4,2 Millionen Euro bereitgestellt worden. Doch davon sind in diesem Jahr nur rund 670000 Euro in Anspruch genommen worden. Die Restsumme könne auf 2018 übertragen werden.

 Reinhard Zweigler und Janina Dietrich

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