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Norddeutschland Exoten in der Ostsee: Neuer Lebensraum für Delfine?
Nachrichten Norddeutschland Exoten in der Ostsee: Neuer Lebensraum für Delfine?
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22:14 19.09.2016
Ein zutraulicher Delfin versetzt seit mehr als einer Woche die Kieler in Begeisterung. Quelle: Thomas Eisenkrätzer/dpa
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Rostock

. Wer in diesem Jahr an der Ostsee Urlaub macht, wähnt sich mitunter am Mittelmeer oder am Atlantik. Für das entsprechende Flair sorgen neben der Wärme auch exotische Besucher: Seit Juli tummelt sich zwischen den Inseln Rügen und Usedom ein zehn Meter großer Buckelwal. Weiter westlich in der Kieler Bucht weckt ein Delfin Begeisterung. Zwei weitere Große Tümmler schwimmen seit einem Jahr in der Ostsee umher.

Erobern sich fremde Arten mit der Ostsee einen neuen Lebensraum? Ist gar der Klimawandel schuld? Oder haben sich Arten wie Buckelwal und Großer Tümmler nach konsequenten Schutzmaßnahmen so vermehrt, dass mehr Irrläufer in das Randmeer kommen?

„Wir wissen es nicht“, sagt der Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Harald Benke, in Stralsund. Die Forscher stehen vor einem Rätsel. Fakt ist, dass es in den vergangenen Jahren mehr Sichtungen von Großwalen und Delfinen in der Ostsee gab. Dies könne aber mit den verbesserten Meldesystemen zusammenhängen. So hat das Meeresmuseum eine App entwickelt, mit der noch vom Boot aus jedes Tier gemeldet werden kann. Zudem gibt es inzwischen Handyvideos, die im Internet Verbreitung finden. Auch das kann den Eindruck entstehen lassen, es seien mehr Tiere unterwegs.

Einige ebenso fremde, aber weniger auffällige Arten sind in den letzten Jahren in der Ostsee durchaus heimisch geworden. So haben sich die Schwarzmundgrundel – ein Fisch – und die Meerwalnuss – eine Rippenqualle – als invasive Arten in der Ostsee festgesetzt und beeinflussen dort inzwischen das Ökosystem. Die Meerwalnuss wurde 2006 erstmals in der Ostsee registriert, in diesem Sommer hat sie sich stark vermehrt. Die im Asowschen und im Kaspischen Meer beheimatete Schwarzmundgrundel wurde 1990 erstmals in der Danziger Bucht bei Polen erfasst, von wo sie sich nach Norden in Richtung Finnland und Schweden und nach Westen in Richtung Dänemark ausbreitete.

Wie bei der Rippenqualle halten es die Forscher des Rostocker Thünen-Instituts für Ostseefischerei für wahrscheinlich, dass die etwas mehr als 20 Zentimeter große Schwarzmundgrundel über das Ballastwasser von Schiffen eingeschleppt wurde und Bedingungen vorfand, die sie seitdem prächtig gedeihen lassen. „Die Schwarzmundgrundel ist sehr tolerant und deshalb erfolgreich“, sagt der Fischereibiologe Daniel Oesterwind.

Für den Großen Tümmler sehen die Meeresbiologen des Deutschen Meeresmuseums durchaus Chancen, dass er die Ostsee als Lebensraum langfristig annehmen kann – auch, weil anscheinend die Population in der Nordsee wächst. „Der Große Tümmler ist sehr standorttreu“, sagt der Walforscher Benke. Mit Dorschen und Heringen gebe es in der Ostsee ausreichend Nahrung. Voraussetzung für den dauerhaften Verbleib sei das Nachrücken von Weibchen. Bislang wurden in der Ostsee nur Männchen beobachtet. Imposante Buckelwale werden nach Einschätzung der Experten allerdings auch künftig Irrgäste bleiben. Sie benötigen fürs Überleben große Wanderungsstrecken vom Nordatlantik bis zu den subtropischen Bereichen. „Die Ostsee liegt nicht auf der Wanderroute“, sagt Benke.

LN

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