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Exotische Haustiere: Meine Vogelspinne und ich

Lübeck Exotische Haustiere: Meine Vogelspinne und ich

Südamerikanische Riesenspinnen, Tag-Geckos, Schlangen - exotische Haustiere sind immer beliebter.

Jasmin Böbs füttert Vogelspinne „Berta“ mit einer Heuschrecke. Die Tiere sind an sich in Brasilien zu Hause. „Seit ,Berta‘ sich gehäutet hat, ist sie riesig geworden“, sagt die Spinnenfreundin verwundert.

Quelle: Lutz Roeßler

Lübeck. Kuscheltiere braucht Jasmin Böbs (26) aus Lübeck schon lange nicht mehr in ihrem Schlafzimmer. Stattdessen hat sie „Berta“, „Roswitha“ und „Erna“: Drei große, haarige Vogelspinnen, die in drei gläsernen Terrarien auf einem Bord neben ihrem Bett stehen. Jede hat ihr eigenes Gefäß. „Damit sie sich nicht gegenseitig auffressen“, erklärt die Halterin.

LN-Bild

Südamerikanische Riesenspinnen, Tag-Geckos, Schlangen – exotische Haustiere sind immer beliebter.

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„Erst hatte ich panische Angst vor denen“, erinnert sich die junge Frau, die zurzeit als Raumpflegerin arbeitet. „Die Vogelspinnen hat nämlich mein Ex-Mann angeschafft“, verrät sie. „Und der hat sie nicht mitgenommen, weil er befürchtet hat, dass er dann keine neue Wohnung findet.“ Inzwischen habe sie sich an die vielbeinigen Mitbewohner gewöhnt. „Ich finde die interessant. Wie elegant die sich fortbewegen.“ Sie schüttelt verwundert den Kopf. „Also ich könnte das nicht mit acht Beinen.“

Exotische Haustiere sind keine Seltenheit mehr – und derzeit oft in den Schlagzeilen, weil in Reinfeld vergangene Woche zwei Pythons gefunden wurden.

Der Ekel-Faktor ist für Jasmin Böbs kein Thema mehr. Anfassen mag sie „Berta“, „Roswitha“ und „Erna“ aber trotzdem nicht. „Es sind Bombardier-Spinnen. Sie stechen mit ihren Haaren, die tun weh wie Wespenstiche.“ Und gegen Wespen sei sie allergisch.

Auf dem Nachttisch stehen zwei durchsichtige Plastikbehälter mit Heuschrecken und zirpenden Heimchen. Die Heimchen sind für die drei Geckos, die in einem weiteren Terrarium in einer Wandecke leben.

Die Heuschrecken sind für die Spinnen. Mit einer langen Pinzette nimmt sie eine Heuschrecke aus dem Behälter und hält sie „Berta“ vor die Vorderbeine. „Stell dich nur tot“, rät sie der Heuschrecke.

Im nächsten Moment aber hat „Berta“ schon zugefasst. „Jetzt saugt sie sie aus“, stellt Jasmin Böbs ungerührt fest.

Für sie ein ganz normaler Vorgang. Die Spinnen brauchen Lebendfutter, genau wie die Geckos. Dass das Futter im Schlafzimmer zirpt, stört sie nur nachts, dann stellt sie die Heimchen lieber in den Flur. „Einmal ist mir eins entwischt und hat sich unter das Bett geflüchtet. Aber das hat „Jerry“ sich dann geholt.“ Zärtlich blickt sie auf ihren schwarzen Kater, der sich gemütlich auf dem Bett räkelt.

Die Spinnen können bis zu 20 Jahre alt werden, erklärt sie. „So lange können sie gerne hier bleiben.“

Auch Wolfgang Grohmann (71) ist Terrarienfreund. Er hält im Wohnzimmer ein Pärchen Tag-Geckos. Die Haut der Reptilien schimmert intensiv Grünrot. Die Geckos habe er sich nach dem Tod seiner Frau vor zwei Jahren angeschafft, sagt Grohmann. Diese wäre für die Haltung der Tiere in der Zweieinhalb-Zimmerwohnung eines Mehrfamilienhauses wohl nicht zu begeistern gewesen, erzählt er. Vor allem wegen des Futters: Auch die Geckos fressen Heuschrecken. Und Stubenfliegen. Grohmann geht gerne mal mit dem Kescher über die Wiese und erntet frisch. „Die Fliegen lege ich immer in den Kühlschrank. Dann sind sie lahm und kommen in ein Glas mit Mineralpulver für Reptilien.“ So gepudert setzt er die Fliegen ins Terrarium, wo sie einen besonders nahrhaften Leckerbissen abgeben.

Besonders stolz ist Grohmann auf den Nachwuchs. Vier kleine Geckobabys sind geschlüpft und werden mit Fruchtfliegen versorgt. „Eines haben leider die Eltern gefressen.“ Die anderen drei sollen es gut bei ihm haben.

Lebhafter Tier-Schmuggel

Der Handel mit Exoten boomt. Fast 21 Millionen lebende Reptilien wurden zwischen 2004 und 2014 in die EU importiert. Sechs Millionen davon nach Deutschland. Das Washingtoner Artenschutzabkommen Cites und EU-Bestimmungen regeln den Handel. Sorge bereitet der Schmuggel. In mehr als 1300 Fällen stoppte der Zoll 2015 die Einfuhr geschützter Tiere und Pflanzen oder Präparate.

580120 wurden beschlagnahmt. 2014 waren es noch 118650. Über 7000 der beschlagnahmten Exemplare waren Reptilien.

Marcus Stöcklin

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