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Norddeutschland Experte rät: Kinder nicht mit digitalen Medien überfrachten
Nachrichten Norddeutschland Experte rät: Kinder nicht mit digitalen Medien überfrachten
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22:25 08.08.2017
„Mehr als zwei Stunden Smartphone gibt es nicht am Tag.“Efe Walther

Mit einem alten Tastenhandy ging alles los. „Als ich in die 4. Klasse kam, haben meine Eltern mir eins mitgegeben“, erinnert sich die 15-jährige Nele Cords.

Für viele gehört das Smartphone dazu – LN-Umfrage: Eltern geteilter Meinung.

Sie soll seitdem immer erreichbar sein, damit die Eltern wissen, wo sie gerade steckt. Heute ist ihr Telefon bereits so vieles mehr. Seit vier Jahren hat Nele Cords ein Smartphone. WhatsApp, Snapchat, Instagram – über zahlreiche Apps auf ihrem Bildschirm kommuniziert sie mit Freunden, mit Fremden, saugt die Welt aus einem kleinen Bildschirm heraus auf. Egal, wo sie sich gerade befindet.

Sie ist mobil, vernetzt, überall erreichbar.

Laut der am Dienstag veröffentlichten Studie „Young Digital Natives – wie digital sind sie wirklich?“ ist die moderne Technik alltäglicher Teil des heutigen Kinderlebens geworden. 37 Prozent der Sechs- bis Neunjährigen besitzt bereits ein eigenes Smartphone oder Handy, bei den Zehn- bis 13-Jährigen haben bereits 84 Prozent der Kinder ihr eigenes Gerät. Kommuniziert wird zum größten Teil über WhatsApp (68 Prozent) und SMS (61 Prozent). Bereits 29 Prozent der Kinder dieser Altersklasse nutzen das soziale Netzwerk Facebook. Eintreten darf man hier offiziell aber eigentlich erst mit 13 Jahren, und das nicht ohne Grund.

„Man sollte Kinder grundsätzlich nicht mit digitalen Medien überfrachten“, sagt Bernd Werner von der Stiftung Medien- und Onlinesucht aus Lüneburg. Damit sie ihre motorischen und sensorischen Fähigkeiten entwickeln können, müssten Kinder raus an die frische Luft und sich austoben, weniger die ganze Zeit am Handy daddeln. Werner ist oft an Schulen unterwegs und bietet in den Klassen Trainings zur Medienkompetenz an – verstärkt bereits in den Grundschulen. Welcher Quelle kann man im Internet vertrauen? Wie findet man sich im Strudel der Informationen zurecht? Was bedeutet Cyber- Mobbing? „Viele Eltern wissen gar nicht, welches Instrument sie ihren Kindern in die Hand geben“, so Werner.

Vater Arne Cords sieht den Smartphone-Konsum seiner Tochter gelassen. „Ich kann mich auf sie verlassen“, sagt der 41-Jährige. Als er ihr das erste Smartphone schenkte, suchte der Vater das Gespräch, wollte seine Tochter auch auf die Schattenseiten des Internets vorbereiten. „Sie muss ihre Daten schützen, damit sie nicht in finanzielle Fallen tappt“, sagt Cords, „und sie sollte nicht zu viel von ihrem persönlichen Leben in den sozialen Medien preisgeben.“ Er kontrolliert die 15-Jährige nicht, sondern setzt auf Vertrauen.

Diese Vorgehensweise empfiehlt den Eltern auch Mediencoach Kristin Langer: „Denn so, wie sie in der realen Welt die Interessen, Erlebnisse, Freunde und Treffpunkte ihres Kindes kennen, sollte das auch für jene im Netz gelten. Verstehen und vertrauen ist besser als verbieten.“ Dafür sei es auch wichtig, dass Eltern sich über aktuelle Trends informieren.

 Saskia Bücker

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