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Experten warnen vor Hochwasser

Kiel Experten warnen vor Hochwasser

Der Pegelstand der Bille ist gerade gesunken, Lauenburg wartet noch auf das Hochwasser. Forscher warnen: Künftig werden Hunderttausende Deutsche vermehrt von Überflutungen von Flüssen bedroht sein. Das besagt eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

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In der Lauenburger Altstadt zeigt eine Tafel die Pegelstände der Elbe. DANIEL BOCKWOLDT/DPA

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Potsdam/Kiel. „Wir waren überrascht, dass selbst in hoch entwickelten Ländern mit guter Infrastruktur der Anpassungsbedarf so groß ist“, erklärte PIK-Forscher Anders Levermann. Der Hochwasserschutz müsse in den USA, in Teilen Indiens und Afrikas, in Indonesien und in Mitteleuropa einschließlich Deutschland verbessert werden. Ohne Gegenmaßnahmen wären dort viele Millionen Menschen von schweren Überschwemmungen an Flüssen bedroht. Grund für das erhöhte Risiko seien veränderte Regenfälle infolge der globalen Erwärmung.

 

LN-Bild

„Wir werden Wassermanagement, Bewirtschaftung und das Zusammenspiel mit der Natur neu denken müssen.Robert Habeck (Grüne), Umweltminister Schleswig-Holstein

Mit Hilfe von Computersimulationen haben die Wissenschaftler die Entwicklung von Flüssen untersucht. Für Deutschland könnte sich die Zahl der Menschen, die von den stärksten Hochwasserereignissen betroffen sind, bis in die 2040er Jahre glatt versiebenfachen. Am stärksten betroffen: Baden-Württemberg (Anstieg um das Fünfzehnfache) und Niedersachsen (das Zwölffache). Der Umfang der mit Risiken aus Flusshochwasser behafteten Flächen in Schleswig- Holstein beläuft sich nach Angaben des Umweltministeriums in Kiel bei der Landesfläche von 16000 Quadratkilometern auf etwa 650

Quadratkilometer. Hochwasserrisiken aus Flusshochwasser liegen auf einer Länge von 730 Kilometern vor. Diese Abschnitte liegen vor allem an den Unterläufen der Nebenflüsse der Elbe sowie in den Marsch- und Niederungsbereichen an der Westküste.

Die Stadt Lauenburg kämpft schon jetzt regelmäßig mit den Wassermassen der Elbe. Höchster Wert der vergangenen Jahre war 9,64 Meter beim Hochwasser im Juni 2013. An der Bille, die sich durch die Kreise Stormarn und Herzogtum Lauenburg schlängelt, wurde der Wasserstand unterhalb des Reinbeker Wehrs am vergangenen Wochenende bei zwei Metern über dem Normalwasserstand gemessen. Das Flüsschen war zu einem reißenden Gewässer geworden.

Umweltminister Robert Habeck (Grüne) rechnet mit häufigerem Hochwasser an den Flüssen und Nebenflüssen, die schon jetzt betroffen sind. „In den Niederungen Schleswig-Holsteins, die mehr als ein Fünftel der Landesfläche ausmachen, wird uns dies besonders fordern.“ Durch mehr Regen und gleichzeitig einen höheren Meeresspiegel liefen viele Flächen voll wie Badewannen, die heute noch freie Entwässerung über Siele werde immer schwieriger, Schöpfwerke bräuchten immer leistungsfähigere Pumpen. „Wir werden Wassermanagement, Bewirtschaftung und das Zusammenspiel mit der Natur neu denken müssen.“

Der Kieler Klimaforscher Mojib Latif zeigte sich enttäuscht darüber, dass die Menschen nicht mehr gegen den Klimawandel tun. „Ich habe 30 Jahre meines Lebens für den Klimaschutz gegeben und sehe so gut wie keine Erfolge.“ Seiner Meinung nach wird das Thema unterschätzt. „Ungebremst wird der Klimawandel enorme Flüchtlingsströme auslösen, vermutlich zu einer weltweiten Rezession führen, die Sicherheitsarchitektur auf dem Planeten aushebeln.“

Die Naturschutzorganisation WWF forderte, den Flüssen wieder mehr Raum zu geben. „Das bedeutet, ursprüngliche Überflutungsgebiete wiederherzustellen, Auen zu renaturieren und Flussbegradigungen zurückzunehmen“, erklärte Diana Pretzell, Leiterin Naturschutz Deutschland beim WWF in Berlin. Schon jetzt könne man ja beobachten, dass Hochwasser starke Schäden verursachen könne.

Die Ergebnisse der Studie „sollten eine Warnung für die Entscheidungsträger sein“, betonte PIK-Forscher Anders Levermann. „Nichtstun wäre gefährlich“, fügte er hinzu.

Von Julia Paulat

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