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Norddeutschland Explosion im Döner-Imbiss: Haft für zwei Täter
Nachrichten Norddeutschland Explosion im Döner-Imbiss: Haft für zwei Täter
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21:18 09.03.2016
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Kiel

Für die Bewohner des Kieler Mehrfamilienhauses war es ein Albtraum: Mitten in der Nacht reißt sie eine Explosion im Döner-Imbiss im Erdgeschoss aus dem Schlaf, wie sie später schildern. Sekunden später rast eine Feuerwalze durch das Treppenhaus. Der Fluchtweg ist abgeschnitten. Während die Flammen meterhoch auch aus dem Dach schlagen, fliehen sie nur notdürftig bekleidet auf die Balkone. Auch dort beißender Qualm und große Hitze.

In Panik wollten einige sogar in die Tiefe springen, stellte das Kieler Landgericht gestern im Prozess um die Brandstiftung in der Nacht zum 29. Juni 2015 fest. Dass die Feuerwehr alle Menschenleben retten konnte, sei „großes Glück“, sagte der Vorsitzende Richter. Doch alle Bewohner verlieren ihre Wohnung, das Haus ist unbewohnbar. Der Schaden: mehr als eine Million Euro, für den laut Urteil jetzt alle drei Angeklagten ein Leben lang aufkommen müssen.

Der 43-jährige Imbiss-Besitzer muss für die besonders schwere Brandstiftung siebeneinhalb Jahre ins Gefängnis. Er wollte einen Versicherungsbetrug kaschieren, um 31 000 Euro kassieren zu können, sagte der Vorsitzende. Mit dem Auftrag: „Der Laden muss brennen“, heuerte er demnach zwei junge Aushilfen an — für jeweils 1500 Euro. Der 23-jährige Täter muss deswegen dreieinhalb Jahre in Haft.

Sein 20-jähriger Kumpan kommt mit zwei Jahren Bewährungsstrafe davon. Für ihn gilt noch Jugendstrafrecht. Er muss 400 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und sich den Weisungen eines Bewährungshelfers fügen.

Die Brandstiftung ging gründlich schief: Das Dampfgemisch des ausgeschütteten Benzins explodierte, als die jungen Männer eine Benzinspur entzünden wollten, stellte das Gericht fest. Im Nu stand das viergeschossige Gebäude in Flammen. Mit schweren Verbrennungen an Gesicht und Händen flohen die Täter, kühlten die Verletzungen zunächst in einem Teich, dann fuhren sie ins Krankenhaus. Der Jüngere gestand sofort, hat dadurch einen Bonus als Kronzeuge. Er nannte den Ermittlern auch den Auftraggeber.

Das Gericht hat keine Zweifel, dass der Imbiss-Besitzer Drahtzieher der schweren Brandstiftung ist. Dass er im Prozess „seinen Tatbeitrag bis zur Schuldlosigkeit klein redet“, nahm ihm das Gericht nicht ab. Im Urteil blieb die Kammer deutlich unter dem Strafantrag der Staatsanwältin für den Imbissbesitzer. Sie hatte für ihn elf Jahre Haft gefordert. Das hielt die Kammer für deutlich zu hoch.

Die Staatsanwaltschaft prüft nun Revision. Der Verteidiger des Hauptangeklagten will auf jeden Fall Revision einlegen, sagte er. Er will für seinen Mandanten Freispruch.

LN

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