Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Facharzt-Service: Nachfrage ist gering
Nachrichten Norddeutschland Facharzt-Service: Nachfrage ist gering
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:10 17.01.2017
Lübeck/Kiel

Sinnvoller Service oder unnötige finanzielle Belastung? Ein Jahr nach Einführung der Servicestellen für die Vermittlung von Terminen bei Fachärzten (TSS) ist das Angebot auch in Schleswig-Holstein weiter umstritten. Die TSS soll Patienten mit einer dringenden Überweisung vom Hausarzt binnen vier Wochen an einen Facharzt vermitteln. Das hat die Bundesregierung mit dem sogenannten GKV-Versorgungsstärkungsgesetz festgelegt.

Doch bisher nutzen bundesweit nur wenige Patienten den Service. So auch in Schleswig-Holstein. „Wir haben eine geringe Beteiligung“, sagt Marco Dethlefsen, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH). Die TSS kostet die KVSH pro Jahr rund 200000 Euro. Insgesamt hat die schleswig-holsteinische Dienststelle seit Januar 2016 etwa 6900 Patientenanrufe entgegengenommen, nur die Hälfte konnte an einen Facharzt vermittelt werden. „Einige erfüllten nicht die gesetzlichen Vermittlungsvoraussetzungen“, sagt Dethlefsen. So müssen Patienten für die Vermittlung bereits eine Überweisung ihres Hausarztes vorweisen. Auch muss die Behandlung wirklich dringend sein: Harmlose Erkrankungen oder Routineuntersuchungen sind von der Vermittlung ausgeschlossen.

Laut KVSH gibt es in Schleswig-Holsteins Arztpraxen pro Jahr rund 18 Millionen ambulante Behandlungen. „Statistisch gesehen stehen also einem einzigen durch die TSS zustande gekommenen Termin etliche tausend Arztbesuche gegenüber, die direkt zwischen Patient und Praxis vereinbart worden sind“, sagt Dethlefsen. Die geringe Nutzung der TSS zeige außerdem, dass die direkte Terminvereinbarung bei Fachärzten immer noch funktioniere, sagt die KVSH-Vorstandsvorsitzende Dr. Monika Schliffke. Die oft damit verbundenen langen Wartezeiten haben ihrer Meinung nach selten etwas mit schlechter Praxisorganisation zu tun, sondern mit einem bestehenden Fachärzte-Mangel. „Wir haben schon jetzt zu wenig Nervenärzte oder Rheumatologen, um der Patientennachfrage gerecht zu werden“, sagt Schliffke, „eine staatliche Termingarantie wird daran nichts ändern.“

Anderer Meinung ist Thorben Krumwiede, Geschäftsführer der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). Er hält den Service nach wie vor für sinnvoll. „Gerade für Menschen, die sich am Telefon vom Praxispersonal eher abwimmeln lassen, ist die TSS eine Möglichkeit, in dringenden Fällen schnell an einen Termin zu kommen.“ Die geringe Beteiligung führt er auf die fehlende Kommunikation der Kassenärztlichen Vereinigungen zurück. „Viele Menschen kennen das Angebot einfach nicht.“ Auch seien die Telefonnummern schwer zu ermitteln. „Da ist schon gezieltes Googeln nötig, was älteren Patienten oft schwerfällt.“ Die UPD fordert unter anderem eine einheitliche Servicenummer für ganz Deutschland.

Mitte 2017 müssen die Kassenärztlichen Vereinigungen ihre bisherigen Zahlen dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) vorlegen. „An der gesetzlichen Verpflichtung, die TSS anzubieten, wird sich aber erst einmal nichts ändern“, sagte eine Sprecherin des Ministeriums den LN. „Sollte das Angebot nicht ausreichend bekannt sein, ist es Aufgabe der KV, es breiter zu kommunizieren.“kad

LN

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In fast allen norddeutschen Bundesländern hat die Zahl der Fahrerfluchten zugenommen. Lediglich in Mecklenburg-Vorpommern ist sie leicht rückläufig, meldete gestern der NDR.

17.01.2017

Die Grünen haben die Kooperation mit SPD und SSW in der Kieler Ratsversammlung beendet.

17.01.2017

Bei den eisigen Temperaturen trauen sich viele nur gut eingepackt nach draußen. Wir haben uns umgesehen, was diesen Winter so in Mode ist. Mit Bildergalerie!

18.01.2017