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Norddeutschland Fahrtests für Senioren — viele sind skeptisch
Nachrichten Norddeutschland Fahrtests für Senioren — viele sind skeptisch
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09:20 27.01.2016
„Ich kann selber auf meine Gesundheit achten.“ Peter Koeplin (71)

Routiniert fährt Klaus Tiemann aus der Parklücke. Der 77-Jährige war mit seiner Frau Karin Tiemann (75) zum Bummeln in Lübeck. Jetzt geht‘s mit dem Auto wieder zurück nach Bad Segeberg. Jeden Tag nutzt das Ehepaar den Pkw — allerdings gesteht Karin Tiemann: „Bei Dunkelheit und Regen fahren wir nicht mehr.“

Die Diskussion um Fahrtüchtigkeit von Senioren ist seit Unfällen mit alten Menschen neu entfacht. In Bad Schwartau hatte ein 87-Jähriger zwei Fußgänger angefahren. In Ahrensburg verwechselte ein 75-Jähriger die Bremse mit dem Gaspedal und tötete einen 81-Jährigen. In Hörup (Kreis Schleswig-Flensburg) verlor ein 86-Jähriger die Kontrolle über seinen Pkw und fuhr gegen einen Baum, seine Beifahrerin starb. Muss es Medizinchecks für alte Autofahrer geben?

Gudrun Mickeleit aus Pansdorf ist gegen verbindliche Tests für Rentner ab 75, wie sie die Grünen-Bundesfraktion fordert. „Ich fühle mich sicher“, sagt die 74-Jährige. Auch Peter Koeplin (71) hält Kontrollen für falsch. Der Gesetzgeber dürfte nicht über eine Fahrtauglichkeit entscheiden. „Ich achte selber auf meine Gesundheit. Und wenn es nicht mehr geht, dann muss ich fair zu mir selber sein“, sagt der Krummesser, der seit seinem 18. Lebensjahr unfallfrei fährt.

Jutta Kock, Ex-Vizevorsitze des Landesseniorenrates, ist überzeugt, dass Senioren über ihr Fahrvermögen richtig entscheiden können. „Oft fahren Senioren nur noch bekannte Strecken“, sagt Kock. Sie hält Medizinchecks für ein „Unding“. Besonders im ländlichen Raum sind durch die Zentralisierung in Städten ältere Menschen auf den Pkw angewiesen.

Doch es gibt auch Senioren, die sich überschätzen, meint Autofahrer Peter Koeplin. Ernst Mohr (68) aus Lübeck glaubt: „Viele Senioren kriegen gar nicht mit, dass sie fahruntauglich sind.“ Nach seiner Meinung müsste der Doktor entscheiden, ob seine Patienten fit sind oder nicht. Der Auto Club Europa (ACE) setzt auf Eigeneinsicht und die Förderung von Eigenverantwortung beispielsweise durch Präventionsmaßnahmen wie freiwillige Sicherheitstrainings. „Auch ältere Leute können bewusst trainieren“, sagt Robert Bauer, Verkehrssicherheitsreferent beim ACE. Von Zwang halte er wenig.

Helga und Hans-Werner Schulz aus Trittau halten dagegen verpflichtende Medizinchecks für angebracht. „Ich finde die Idee gut. Man bekommt Hinweise auf Defizite“, sagt der 71-Jährige. Klaus Tiemann würde sich auch einem Test unterziehen. „Ich fühle mich ja sicher, dann kann ich auch einen Fahrtest machen. Ich finde das richtig“, sagt der Bad Segeberger und lenkt sein Auto vom Parkplatz in Lübeck in Richtung Heimat.

bz

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