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Fallada in Psychiatrie: Alte Akte verrät Details

Stralsund Fallada in Psychiatrie: Alte Akte verrät Details

Mit den Diagnosen „Morphinismus“ und „degenerative psychopathische Constitution“ lässt sich Rudolf Ditzen am 5. Januar 1921 in die Provinzialheilanstalt Stralsund einweisen.  Die Behandlung des Schriftstellers war bislang kaum bekannt – nun kommen Unterlagen ins Landesarchiv.

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Jan Armbruster, Leitender Oberarzt der Stralsunder Forensischen Psychiatrie, zeigt die Fallada-Akte aus dem Jahr 1921.

Quelle: STEFAN SAUER/DPA

Stralsund. Unter seinem später bekannten Pseudonym Hans Fallada hatte der 26-Jährige gerade seinen ersten Roman „Der junge Goedeschal“ veröffentlicht. Fallada geht freiwillig in die Klinik.

Nach mehreren erfolglosen Versuchen in verschiedenen Sanatorien war es dem angehenden Schriftsteller 1920 zwar gelungen, sich von seiner mehrjährigen Morphiumabhängigkeit zu lösen. Auf Schlafmittel blieb Fallada jedoch angewiesen. Mit dem sechswöchigen Klinikaufenthalt in Stralsund verband der Autor das Ziel, sich auch von den Narkotika zu befreien. Das ist ihm gelungen – zumindest für diese Lebensphase. „Unter vielem Dank und in guter Verfassung“ verließ Ditzen am 14. Februar die Klinik.

Der Aufenthalt in der Stralsunder Provinzialheilanstalt war eine bislang kaum bekannte Station einer Odyssee durch Kliniken, um seine Abhängigkeiten von Alkohol und Morphium zu besiegen. Fallada, der mit seinen Romanen „Jeder stirbt für sich allein“ oder „Wer einmal aus dem Blechnapf frisst“ weltberühmt wurde, starb 1947 an Herzversagen – beschleunigt durch seinen jahrelangen Drogenkonsum.  

Hans Fallada.

Hans Fallada.

Die Stralsunder Krankenakte Falladas galt lange Zeit als verschollen. Zusammen mit rund 1000 weiteren Krankenakten der Heilanstalt aus den Jahren 1912 bis 1939 geht sie nun in das Landesarchiv von Mecklenburg-Vorpommern.

In den großen Fallada-Biografien findet der Aufenthalt in der Stralsunder Klinik keine Erwähnung. Ein Hinweis auf eine Ditzen-Akte gab es im Entlassungsbuch der Pommerschen Provinzheilanstalt aus dem Jahr 1921, berichtet der Stralsunder Forensische Psychiater und Leitende Oberarzt im Helios Hanseklinikums, Jan Armbruster. Doch die Akte selbst fehlte, wie sich nach intensiver Suche im Jahr 1992 herausstellte. Etwa 19 Jahre später stößt Armbruster dann bei einer neuerlichen Recherche im Krankenhausarchiv auf die Akte. Der überraschende Fund eröffnet Raum für Spekulationen: Möglich, dass jemand die Unterlagen des prominenten Patienten wieder in das Archiv zurückgebracht hat.

Den Narkotika-Entzug Ditzens in der Stralsunder Klinik beschreibt Armbruster als typisch für die Zeit. Die Akte beschreibt medizinische Details der Behandlung. Darin steht auch, dass Ditzen berichtet habe, dass er an einem Lustspiel schreibe. Angesichts Ditzens unspektakulärer Symptomatik wirft Armbruster die Frage auf, inwieweit der Aufenthalt in der Anstalt tatsächlich notwendig gewesen sei. Der Psychiater und die Germanistin Sabine Koburger vermuten, dass Ditzen die Zeit bewusst zum Schreiben und Recherchieren genutzt haben könnte. Fallada veröffentlichte 1923 seinen Roman „Anton und Gerda“, in dem er Erlebnisse in einer psychiatrischen Anstalt beschreibt.

Zur Person

Hans Fallada – mit bürgerlichem Namen Rudolf Ditzen – wurde 1893 in Greifswald geboren und war einer der bekanntesten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Zu seinen Werken zählen „Kleiner Mann, was nun?“ (1932), „Wolf unter Wölfen“ (1937) und „Jeder stirbt für sich allein“ (1947)“. Von 1928 bis 1930 lebte Fallada in Neumünster und arbeitete dort als Lokalredakteur beim „Generalanzeiger“. 1947 starb er im Alter von nur 53 Jahren in Berlin .

 Martina Rathke

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