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Norddeutschland Falsche Mumie: Das Skelett ist aus Plastik
Nachrichten Norddeutschland Falsche Mumie: Das Skelett ist aus Plastik
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22:18 25.09.2013
Grausiger Fund: Ein Junge entdeckte die Mumie beim Spielen auf einem Dachboden in Diepholz. Quelle: Fotos: dpa

Der Fall roch nach Krimi, fast wie in einer alten „Tatort“-Folge: Auf einem Dachboden wird eine Mumie gefunden, und der vermeintliche Sensationsfund entpuppt sich dann auch noch als aktuelles Verbrechen. So ähnlich bahnte es sich im August im niedersächsischen Diepholz an, als ein zehnjähriger Junge auf dem Dachboden seines Großvaters stöberte. Der Nachwuchsforscher entdeckt in einer versteckten Ecke eine Totenmaske sowie einen Sarkophag mit einer Mumie. Nach ersten Untersuchungen soll sie 2000 Jahre alt sein. Als eine Computertomografie (CT) noch einen Pfeil in der Augenhöhle des Skeletts sichtbar macht, wird die Justiz hellwach und ermittelt wie in einem Kriminalfall. Doch jetzt hat sich fast alles als Fälschung erwiesen.

„Die mit Bandagen umhüllte Mumie entpuppte sich als Plastikskelett“, sagte der Verdener Staatsanwalt Lutz Gaebel gestern nach Untersuchungen in der Hamburger Gerichtsmedizin. Dort sollten Experten prüfen, ob der Leichnam aus jüngerer Zeit stammt und der einbalsamierte Mensch möglicherweise Opfer eines Verbrechens wurde. Doch beim Auspacken der Mumie kam die Fälschung aus Plastikknochen und Füllmaterial wie Papier-Küchentüchern ans Tageslicht. Das Ganze war mit einer unbekannten Substanz besprüht und hatte zu einer falschen CT-Analyse geführt. Auch der Pfeil und die Bandagen sollen neueren Ursprungs sein.

Für Justizsprecher Gaebel in Verden ist der Fall kein peinlicher Expertenirrtum. „Es ist bewusst so manipuliert worden, dass es ohne ein Lösen und Beschädigen der Bandagen zu einer falschen Diagnose kommen konnte“, sagt der Justizsprecher. Wer oder was hinter dieser Täuschung stecken könnte? „Keine Ahnung, wir beteiligen uns nicht an Spekulationen.“

Immerhin hat sich gezeigt, dass an der falschen Mumie tatsächlich ein echter Schädel war. Der soll allerdings fachgerecht präpariert worden sein, wie es etwa bei Übungsmodellen für die medizinische Ausbildung üblich ist. „Der Schädel wird nun noch genauer untersucht, dann kann das Todesfall- Ermittlungsverfahren abgeschlossen werden“, sagt Gaebel.

Der Vater des Jungen, der die Mumie gefunden hat, versteht inzwischen die Welt nicht mehr. „Erst sollte es ein historisches Fundstück sein, dann kam der Verdacht eines Verbrechens auf“, sagt Lutz Wolfgang Kettler. „Vielleicht ist es wirklich nur eine billige Fälschung mit einem Karnevalsskelett und einem Kinderpfeil. Jedenfalls ist die Mumie jetzt ausgepackt und damit zerstört worden — schade, denn sonst hätte man sie nochmal öffentlich ausstellen können.“

Schutz vor Verwesung
die Überreste von tierischen oder menschlichen Körpern bezeichnet, die durch physikalische oder chemische Gegebenheiten vor Verwesung und Verfall geschützt sind. Das kann entweder auf natürliche Art zum Beispiel bei Moorleichen passieren oder durch besondere Verfahren von Menschen künstlich hergestellt werden. Gründe für eine Mumifizierung sind vor allem religiöser, kultureller oder politischer Natur. Die alten Ägypter glaubten an ein Leben nach dem Tod und sorgten deshalb dafür, dass die Körper nicht verwesten.

LN

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