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Norddeutschland Fast ein Sommertag im Frühling
Nachrichten Norddeutschland Fast ein Sommertag im Frühling
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21:10 02.04.2016
Marc Köchling (43) und Cathrin Meyer (31) stoßen am Timmendorfer Strand in einem der heiß begehrten Strandkörbe aufs Wetter an. Quelle: Olaf Malzahn
Lübeck

„Tut mir leid, alle Körbe sind belegt“, entschuldigt sich Strandkorbvermieter Christian Mühle und zieht die Schultern unter die Ohren. „Oh. Dann setzen wir uns eben in den Sand“, sagt die Besucherin wie zum Trotz. 43 Körbe hat der 46-Jährige an diesem Wochenende an der Seebrücke von Timmendorfer Strand für Gäste aufgestellt. Auch sein Kollege einen Strandabschnitt weiter hat auf den Ansturm der Sonnenhungrigen reagiert. Es ist erst April. Aber dieser Sonnabend fühlt sich ein bisschen an wie Sommer. Nur der kalte Wind, der vom Meer weht, erinnert daran, dass Frühling ist.

In Timmendorfs Fußgängerzone ist fast so viel los wie in den Sommerferien. Urlauber und Einheimische sitzen in den voll besetzten Straßencafés, essen Eis, entspannen auf Parkbänken. Am Strand buddeln die Kinder im Sand, Familien und Paare strecken die blassen Häupter in die Sonne. „Ich war heute morgen um halb zehn hier, um 12 Uhr waren alle Körbe weg“, erzählt Vermieter Mühle — und muss schon wieder einen Gast vertrösten.

Marc Köchling hat Glück, er konnte sich schon früh morgens einen Korb ergattern. Der Hamburger drückt Mühle einen Schein in die Hand. „Ich möchte für einen ganzen Tag verlängern“, sagt der 43-Jährige. Er will erst ganz spät abends wieder auf die Autobahn. Zurück im Strandkorb stößt der 43-Jährige mit Freundin Cathrin Meyer mit einem Döschen Sekt auf das Frühlingswetter an. „Den Strandkorb verlassen wir nur, um Nachschub an Getränken zu holen“, sagt Köchling lachend. Auch ans Wasser zieht es das Paar nicht. „Das ist noch zu kalt, da bin ich Weichei“, gesteht die 31-Jährige.

Auch in Niendorf ist ordentlich Betrieb, die Blechlawine schiebt sich am Hafen vorbei durch die Strandstraße. Die Autofahrer kämpfen um die begehrten Parkplätze direkt hinter dem „Hafen-Eck“. Der Imbiss ist zur Mittagszeit beliebter Anziehungspunkt, die Schlange der Wartenden ist lang. „Zweimal Pommes mit Majo, kommt noch ‘was dazu? Nein? Dann gibt‘s die Pommes gleich hier an der Seite“, erklärt Teamleiterin Winnie Scheumann und zeigt um die Ecke. Sofort warten die nächsten hungrigen Gäste. „Ahoi! Was kann ich für sie tun?“ Die Frau ist im Dauerstress. „So lange die Sonne da ist, ist alles hervorragend“, sagt sie und strahlt den nächsten Besucher an.

Sieben Kilometer weiter die Küste runter buddelt die dreijährige Soraya vergnügt mit ihrer roten Schaufel ein großes Loch in den Sand. Am Strand von Travemünde beobachten Kerstin Dürkop (32) und Tobias Wöhler (24) ihre Tochter entspannt beim Spielen. „Wir läuten den Sommer ein“, freut sich Kerstin Dürkop über den wunderschönen Tag, das Thermometer zeigt inzwischen 14 Grad.

„Bei diesem Wetter kommen alle aus ihren Löchern“, stellt Sibille Lauteschlager fest. Sie hat es sich mit ihrer Familie in Liegestühlen bequem gemacht. Im Café auf der Promenade sind noch Plätze frei, in Lübecks Seebad bleibt das Gedränge aus. Also Platz und auch Zeit genug, um ohne jeden Rummel Sonne zu tanken. Das Wetter soll bis Mitte der Woche so schön bleiben.

Frühling macht müde

Frühling stimuliert, macht aber auch müde: Laut Medizinmeteorologin Angelika Grätz sei die Wetterumstellung von trüb-kalt auf sonnig-warm eine Herausforderung für den menschlichen Organismus. Frühjahrsmüdigkeit trifft vor allem Menschen mit niedrigem Blutdruck. Es wirke aber gleichzeitig stimulierend. Diese Wirkung beginne jetzt langsam mit den spürbar länger werdenden Tagen.

Wann immer möglich, sollte man an die frische Luft gehen und die Sonne genießen. Das weckt die Frühlingsgefühle. „Sonne tut einfach gut“, sagt die Expertin.

Von Beke Zill

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