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Norddeutschland Fast jeder zwölfte Schüler im Norden bleibt ohne Abschluss
Nachrichten Norddeutschland Fast jeder zwölfte Schüler im Norden bleibt ohne Abschluss
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17:59 28.05.2016

 Damit rangiert Schleswig-Holstein im Bundesvergleich weit hinten. Die Kieler Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) räumt das Defizit ein und verweist auf laufende Bemühungen der Landesregierung. Die FDP-Fraktion nennt die Zahlen „eine absolute Katastrophe“. Die Regierung müsse das Problem „energisch anpacken“.

Deutschlandweit ist die Quote von Schülern ohne Abschluss seit der ersten Pisa-Studie im Jahr 2001 deutlich zurückgegangen – auf im Jahr 2014 gemessene 5,6 Prozent. Auch Schleswig-Holstein verbesserte sich zunächst, verzeichnete von 2009 bis 2012 aber bereits einen kleineren Anteil als die zuletzt ermittelten 7,8 Prozent. Knapp zwei Drittel der Jugendlichen, die im Norden keinen Hauptschulabschluss schafften, sind Schüler von Förderzentren. Diese verpassen fast ausnahmslos die wichtige Qualifikation.

Die hohe Zahl an Schülern ohne Abschluss sei eine Katastrophe, „nicht nur für den Wohlstand unserer Gesellschaft, sondern vor allem für die jungen Menschen, die kaum Chancen auf ein gutes Leben haben“, wettert der Nord-Liberale Christopher Vogt. „Unserem Bundesland fehlt es an ausbildungsfähigen Menschen. Wir können uns ein Weiterwursteln von SPD-Bildungspolitikern nicht mehr leisten“, sagt Vogt und sieht erheblichen Reformbedarf. Es reiche nicht aus, „von einem vermeintlichen Schulfrieden zu schwadronieren“.

Die FDP verweist auf eine brandaktuelle Studie des Rheinisch- Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (rwi), die ein düsteres Bild von der schlewig-holsteinischen Bildungspolitik zeichnet. Obwohl alle Bundesländer ihre Ausgaben für öffentliche Schulen seit 2008 erhöhten (im Norden um gut 20 Prozent), wird mit 5800 Euro je Schüler weiter nirgendwo weniger Geld ins Schulsystem gegeben als in Schleswig-Holstein. In diese Kerbe schlägt die Lehrer-Gewerkschaft GEW. „Schleswig-Holstein investiert einfach zu wenig Geld in Bildung“, sagt die Landesvorsitzende Astrid Henke. Der Anteil der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf steige wieder an.

Bildungsministerin Ernst sagt: „Wir können nicht zufrieden sein. Jeder junge Mensch ohne Schulabschluss ist einer zu viel.“ Konsequenz: Einrichtung einer Experten-Arbeitsgruppe, Ursachenforschung. Ernst: „Wir unternehmen eine Menge, um die Zahl von Jugendlichen ohne Schulabschluss zu senken.“ Dazu zählen Programme wie die an 60 Gemeinschaftsschulen eingerichteten Flex-Klassen. Sie lassen schwachen Schülern für die Klassen 8 und 9 bis zum Abschluss drei Jahre Zeit. Neu sind seit dem Schuljahr 2014/15 sieben sogenannte Produktionsschulen (zwei Tage wöchentlich Schule, drei Tage Betrieb). Für GEW-Landeschefin Henke unzureichend: „Diese Maßnahmen setzen leider erst an, wenn die Kinder schon abgehängt sind.“ 

Curd Tönnemann

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