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Norddeutschland Fast schon ein Volkssport: Dart wird immer populärer
Nachrichten Norddeutschland Fast schon ein Volkssport: Dart wird immer populärer
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22:46 29.12.2017
Schon seit zwanzig Jahren leidenschaftliche Spieler: Peter Schoof (42) und Mike Wilhelm (46, v.l.) im Billardcafé Fünününü. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
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Lübeck

Heiko Lange (38), Inhaber des Lübecker Fachgeschäfts Hl-Darts, zittern die Hände, als er einen kleinen edel glänzenden Karton öffnet. Was er gleich in den Händen hält, sind die Pfeile der „Target Phil Taylor Legacy World Championship Edition“ – eines von weltweit 5000 Sets mit Pfeilen, die der erfolgreichste Dartspieler der Geschichte persönlich signiert hat. Für mehr als 250 Euro werden die Sets aktuell im Internet gehandelt, „und wenn Phil Taylor Weltmeister wird und seine Karriere anschließend beendet, steigt der Wert sicher noch“, sagt Lange.

Vom Kneipenspiel zum Zuschauermagneten: Dart erfährt während der diesjährigen Weltmeisterschaft in London ungewohnte Aufmerksamkeit. Auch in Lübeck ist die Begeisterung für den Präzisionssport in den letzten Jahren gewachsen – mittlerweile gibt es eine große Spieler-Szene.

Doch selbst wenn nicht; auch ohne das Set macht Heiko Lange gerade gute Geschäfte. Im Minutentakt betreten die Kunden gestern sein kleines Geschäft in der Beckergrube, kaufen Dartscheiben, Pfeile oder lassen Spitzen wechseln. So auch Benjamin Ziemer. Der 29-Jährige benötigt neue Pfeile, „weil ich zu Hause leider zu oft die Wand getroffen habe“, gesteht er. Genau wie die anderen Kunden prüft er Gewicht und Handhabung der Pfeile, bevor er sich zum Kauf entscheidet.

„Dart boomt seit etwa vier Jahren“, erzählt Lange. Zuvor habe es lange nur so eine verschworene Gemeinschaft von „Dart-Freaks“ gegeben, deren Begeisterung für die Dartscheibe meist in einer verrauchten Eckkneipe ihren Anfang nahm. „Heute ist das anders, wir haben gut 600 bis 800 aktive Dartspieler in Lübeck“, sagt dazu Mike Wilhelm (46), E-Dart-Spieler bei der Lübecker Mannschaft „Sunny Boys“. Sein Kollege Peter Schoof, Vorstandsmitglied der Lübecker E-Dart-Liga nickt. Zwar ginge es auch immer noch um Geselligkeit und Spaß, getrunken werde aber nicht mehr nur Bier, sondern vermehrt auch Kaffee und Wasser.

Aus sportlicher Sicht sicher eine passende Entwicklung, denn obgleich den E-Dart-Spielern das Rechnen von der elektronischen Scheibe abgenommen wird, Zielsicherheit brauchen sie genauso wie ihre Kollegen vom „Steeldart“, die mit „echten“ Pfeilen werfen. Abgesehen davon unterscheiden sich die beiden Dart-Formen wenig. Die Spieler stehen immer 2,37 Meter von der Scheibe entfernt und das berüchtigte „Bulls-Eye“ hängt stets in einer Höhe von 1,73 Metern. Entgegen weitverbreiteter Annahme macht man damit allerdings nicht die meisten Punkte. In das Triple-Feld der 20 zu treffen bringt 60 Punkte – und damit zehn mehr als das „Bulls Eye“.

Punkte sind aber nicht für jeden das Wichtigste: Jüngere Kinder wollen in die Mitte treffen, meinen Petra Christiansen und Susanne Wiech vom Lübecker Geschäft Kinderkram. Dort gibt es eine magnetische Dart-Scheibe im Sortiment, an der sich die Kinder nicht verletzen können. Mit ihr kann die Dart-Begeisterung dann schon im Kinderzimmer beginnen – und nicht erst in der Kneipe.

Vor allem ein Rechenexempel

Eine Dartscheibe ist in Tortenstücke gleicher Zahlenwerte von 1 bis 20 unterteilt. In einem schmalen äußeren Ring verdoppeln sich die Werte des Feldes, in einem inneren verdreifachen sie sich.

Die Mitte der Scheibe zählt 25 Punkte („Bull“), ganz innen sogar 50 Punkte („Bull’s Eye“).

Eine Standard-Partie beginnt jeder Spieler mit einem Konto von 501 Punkten. Er wirft drei Pfeile pro Runde. Die Punkte, die er dabei erreicht, werden von den 501 Start-Punkten abgezogen.

Die Partie gewinnt, wer mit einem seiner Pfeile als erster auf ganz genau null Punkte kommt und dabei gleichzeitig den Verdoppelungsring trifft.

Es gibt viele Varianten. So kann das Spiel mit 301 oder 701 Punkten gestartet werden. Oder der Spieler muss mit dem ersten Pfeil den Doppelring treffen. Bei der WM haben die Partien, je nach Runde, unterschiedliche Längen.

 Luisa Jacobsen

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