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Norddeutschland Fehmarnbelt: Angeln verboten, Tunnelbau erlaubt
Nachrichten Norddeutschland Fehmarnbelt: Angeln verboten, Tunnelbau erlaubt
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07:57 29.09.2017
Visualisierung des geplanten Fehmarnbelt-Tunnels zwischen Deutschland und Dänemark auf dänischer Seite in Rodbyhavn. Quelle: dpa-Archiv
Fehmarn/Berlin

Die von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) unterzeichnete Verordnung, die Teile des Belts unter einen besonderen Schutz stellt, macht für den Tunnelbau eine Ausnahme. "Die Fehmarnbeltquerung ist von den Verboten freigestellt, Bauwerke zu errichten, den Tunnelgraben zu verfüllen und Baggergut einzubringen", stellte Nikolai Fichtner klar, Sprecher des Bundesumweltministeriums.

Auch das Bundesamt für Naturschutz gehe bisher "nicht von einer erheblichen Beeinträchtigung des Schutzgebiets" durch die geplante Querung aus. Inga Karten, Sprecherin der dänischen Projektgesellschaft Femern A/S, bestätigte: "Die neue Verordnung hat keinen Einfluss auf den Bau des Belttunnels." Die Umweltverträglichkeit des Vorhabens sei nachgewiesen.

"Es ist paradox, Angelfahrten zu verbieten, aber Tunnelröhren verlegen zu dürfen", sagt Karin Neumann, Sprecherin der "Beltretter", voller Unverständnis. "Wenn Riffe und Sandbänke im Schutzgebiet grundsätzlich geschützt werden sollen, darf im Belt überhaupt nicht gebohrt werden", fordert Neumann. Die Eingriffe in die Natur durch den Tunnelbau seien unverhältnismäßig groß. So würden etwa beim Absenken der Tunnelelemente in den Meeresgrund Sedimente verwirbelt, das Ostseewasser deshalb auf Jahre trüb. Auch Hendrick Kerlen vom Aktionsbündnis gegen die feste Fehmarnbeltquerung ist sauer über die Ungleichbehandlung: "Berlin kneift", handele beim Tunnel nach dem Motto: "Augen zu und durch".

Unterdessen reißt der Protest der vom Angelverbot betroffenen Menschen nicht ab. Für Montag ist in Eutin eine Krisensitzung bei der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein (egoh) angesetzt. Die Region sieht durch den erwarteten Rückgang an Angeltouristen Arbeitsplätze in Gefahr, nicht nur auf den Kutterschiffen. "Die Verordnung ist ein Schlag ins Kontor. Wir verlieren unseren Hauptfanggrund", sagte Jens Meyer, bei der egoh Koordinator für die Wasserwirtschaft.

Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) hatte sich gegen ein pauschales Angelverbot im Belt ausgesprochen. Die vom Bund nun deutlich reduzierte Fläche bedeute "durchaus Einschränkungen für die Angler, ist aber aus meiner Sicht ein tragbarer Kompromiss".

Curd Tönnemann

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