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Norddeutschland Fehmarnbelt: Klage wird Bau des Tunnels weiter verzögern
Nachrichten Norddeutschland Fehmarnbelt: Klage wird Bau des Tunnels weiter verzögern
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23:05 13.05.2016
Quelle: Femern A/S
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Kopenhagen/Puttgarden

Jahrelang haben sie sich über Verzögerungen auf deutscher Seite beschwert, jetzt sind’s die Dänen selbst, die den Tunnelbau am Fehmarnbelt aufhalten. Beim Bieterzuschlag waren sie möglicherweise zu vorschnell. Zwei deutsche Bauunternehmen, Hochtief und Züblin, haben Einspruch gegen das Verfahren eingelegt und das Projekt damit zum Stoppen gebracht. Eine für gestern geplante Unterzeichnung der Bauverträge platzte kurzfristig. Eine Vergabestelle muss zunächst die Rügen prüfen. Über drei der vier Bauausschreibungen liegen Beschwerden vor.

Noch im März tauchten auf der Liste von Femern A/S, die die bevorzugten Bieter benannte, die Hochtief Solution AG und die Ed. Züblin AG auf. Gemeinsam mit zwei niederländischen Unternehmen sollten die Deutschen den Tunnelgraben im Belt ausheben und hatten den Zuschlag für den Vertrag über Landgewinnungsarbeiten bekommen. In einer neuen Liste der Dänen werden die beiden Firmen nicht mehr aufgeführt.

Beim staatlichen dänischen Planungsunternehmen Femern A/S blieb man gestern ungewöhnlich wortkarg, wollte den erneuten Rückschlag nicht weiter kommentieren. Dänische Medien hatten zuerst berichtet, dass andere Bieter das Rennen gemacht hätten.

Bernd Pütter, Unternehmenssprecher von Hochtief, bestätigte: „Ja, wir lassen die Vergabe überprüfen, wollen wisssen, wie es zu der Entscheidung gekommen ist.“ Hochtief sei bei den viergeteilten Bau-Losen in einem Fall unterlegen. Konkreter wollte er nicht werden. Auch Züblin erklärte, die Vergabe prüfen zu lassen. Beide Firmen sind für andere Arbeiten am Tunnel aber weiter dabei. Ein italienisches Unternehmen klagt ebenfalls gegen das Vergabeverfahren.

Tunnelgegnerin Bettina Hagedorn, SPD-Bundestagsabgeordnete aus Ostholstein, sagte: „Femern A/S reißt erneut die selbst gesteckte Terminplanung. Solides Projektmanagement sieht anders aus.“

Claus F. Baunkjær, Vorstandschef von Femern A/S, blieb bei seiner Aussage vom Vortag, die Rechtsstreitigkeiten bis Ende Mai aus dem Wege schaffen zu wollen. Prekär: Die Verträge müssen bis Ende Mai unterzeichnet sein, sonst sind die Unternehmen nicht mehr an ihre Kalkulation gebunden. Halten die Dänen zudem einen Baubeginn bis spätestens 2019 nicht ein, werden die Bauunternehmen mit 40 Millionen Euro entschädigt.

Zuletzt hatte die deutsche Seite für Verzögerungen beim Bau des 17,6 Kilometer langen Tunnels zwischen Puttgarden (Ostholstein) und Rødbyhavn (Lolland) gesorgt. Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) musste einräumen, dass mit einem Planfeststellungsbeschluss frühestens 2017 zu rechnen ist. Es gilt, mehr als 3100 Einwendungen gegen das Projekt abzuarbeiten. Das dauert.

Curd Tönnemann

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