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Fehmarnbelt: Zwei Länder – eine Region

LN-Serie "Nachbarn" Fehmarnbelt: Zwei Länder – eine Region

Der Fehmarnbelt liegt zwischen der dänischen Süd- und der ostholsteinischen Nordküste. In der Serie „Nachbarn“ präsentieren wir Menschen, die in dem Gebiet zu Hause sind – wie drei junge Gastronomen, die im jeweils anderen Land ihr berufliches Glück gefunden haben. 

Ein Neuanfang im eigenen Restaurant

Das junge Gastronomen-Paar Meike Hempe und Florian Pauer lebt und arbeitet seit Juni im Süden Dänemarks nahe Gedser.

Das junge Gastronomen-Paar Meike Hempe und Florian Pauer lebt und arbeitet seit Juni im Süden Dänemarks nahe Gedser.

Quelle: Beke Zill

Gedser. Ruhe, Natur, Aussicht auf die Felder und eine frische Meeresbrise erwarten die Gäste, wenn sie auf dem Gutsgelände mitten auf dem Land nahe dem süddänischen Gedser ankommen. Das Bed & Breakfast „Mejeri Gaarden“ ist eine Oase der Erholung. Die sechs Gästezimmer, das Wedding-House im ehemaligen Hühnerstall und das Speisezimmer im Gutshaus sind stilvoll eingerichtet mit vielen kleinen Details aus der Vergangenheit. Als Florian Pauer und Meike Hempe im November das erste Mal die Besitzer John und Michael besuchten, überzeugte sie die besondere Atmosphäre sofort. „Wer einmal hier gewesen ist, weiß, was wir meinen“, sagt Hempe. Das Paar aus Deutschland kam Anfang Juni wieder – und blieb für immer.

Eine Chance und zugleich Herausforderung

Für die Leitung ihres neuen Restaurants, das im Juli eröffnete, suchten die Besitzer einen Koch und eine Hotelfachfrau und fanden in der 25-jährigen Hempe und dem 34-jährigen Pauer die ideale Besetzung aus dem Nachbarland. Für den gelernten Koch, der zuletzt auf Fehmarn und davor in der „Orangerie“ in Timmendorfer Strand gearbeitet hat, und die studierte Hotelfachfrau, die gerade erst ihre Meisterprüfung an der Hotelfachschule in Lübeck absolviert hat, wartet eine neue Herausforderung. Die Küche soll Pauer leiten, seine Freundin ist für den Service zuständig. „Das ist eine super berufliche Chance für uns“, erklären Hempe und Pauer, die das Restaurant „von Anfang an mitgestalten“ können. Die gebürtige Bremerin hatte zwar erst aufgrund der Sprachbarriere Bedenken – keiner der beiden kann Dänisch. Doch diese waren schnell ausgeräumt. „Alle sprechen so gut Englisch“, schwärmt Pauer. Außerdem wurden sie herzlich aufgenommen. „Die Menschen hier sind offener, neugieriger und kontaktfreudiger als in Deutschland. Sie haben immer ein Lächeln für dich. Alle sind auch sehr hilfsbereit“, sagt Hempe.

Weniger Druck und mehr Wertschätzung

Ein Grund für den Schritt nach Dänemark war das gute Arbeitsklima. Während Flroian Pauer in Deutschland sehr viel Stress hatte, und oft Überstunden leisten musste, kann er in „seinem“ neuen Restaurant aufatmen. „Es ist ein freies und professionelles Arbeiten, ich spüre keinen Druck und mehr Wertschätzung für das, was wir tun“, erklärt Pauer und schätzt die entspannte Atmosphäre im Team. „Wir sind alle per Du. Alle sind auf einer Ebene.“ Auch Hempe sieht Unterschiede zwischen dem dänischen und deutschen Gastronomiegewerbe. „Die Dänen legen sehr viel Wert auf Work-Life-Balance. Hier gibt es geregelte Arbeitszeiten“, sagt die 25-Jährige.

Bis zur Eröffnung gab es für die Gastronomen viel zu tun. Die Speisekarte musste erstellt werden, die Küche hergerichtet und die Ware gecheckt werden. Mit ihrem Know-How und eher typisch deutschen Tugenden wie Disziplin und Ordnung helfen sie den Besitzern, das Restaurant zum Erfolg zu führen. „Wir haben eine Struktur und wir können Arbeitsabläufe schaffen, die zum Ziel führen“, sagt Hempe. Sie möchte sich aber auch von den Einheimischen etwas abgucken. „Von den Dänen können wir die Kreativität und das freie Arbeiten lernen.“

Mit Cross-Over-Küche gegen die Zweifel
Während sich Meike Hempe um den Service nicht nur im Restaurant, sondern auch in dem zur Eventhalle umgebauten Pferdestall kümmert, ist ihr Freund Herr der Küche. Was Pauer am Ende auf die Teller der Gäste zaubert, stand bis zuletzt noch nicht ganz fest – Sauerkraut und Schweinshaxe gibt es jedoch nicht, sagt der Florian er schmunzelnd. „Ich koche weder typisch dänisch noch deutsch. Es wird eher ein cross-over.“

Das Paar freut sich auf den Start ihres gemeinsamen Traumes. „Wir sind super motiviert“, erklärt Hempe. Mit ihrem neuen Job haben sie sich auch für das Leben auf dem Land direkt an der Ostsee am Fehmarn-Belt entschieden. Für das Paar, das in ein 200-Seelen-Dorf gezogen ist, etwa einen Kilometer von ihrer Arbeitsstätte entfernt, kein Problem – beide lieben die Natur. Doch Zweifel bleiben. „Ich bin sehr offen und bin immer gern abends ausgegangen. Deshalb kann ich mir schon vorstellen, dass mir das fehlen wird an den einen oder anderen Abenden“, sagt Hempe. Auch ihre Familie wird die 25-Jährige , vor allem ihre Mutter und ihre Großmutter. „Ich bin ein sehr familienverbundener Mensch“, sagt sie vermissen. Doch beide sind sich sicher, dass sie oft Besuch bekommen werden. Hempe ist sich sicher, dass ihre und auch Florian Pauers Familie sie oft besuchen kommt. „Wir sind in einem Urlaubsland , darauf hoffen wir.“

 ist die Schaffung eines besseren grenzüberschreitenden Arbeits- und Ausbildungsmarktes. Dafür werden dänische Auszubildende für ein Berufspraktikum nach Deutschland geschickt.
Die Kooperation begann im Juli 2015, da auf Lolland-Falster Praktikumsplätze für Auszubildende fehlten,während in Schleswig-Holstein Lehrlinge fehlten.Bisher waren 59 dänische Auszubildende für ein Praktikum in Deutschland.Neun Auszubildende haben an einem längeren Praktikumsaufenthalt teilgenommen.Mit Ausnahme von zwei Auszubildendenin den längeren Aufenthalten, sind die Auszubildenden von CELF (Zentrum für Berufsbezogene Ausbildungen Lolland-Falster).

Das Azubi-Projekt

Das Fehmarnbelt-Ausbildungsbüro ist eine Kooperation zwischen CELF, der Kommune Lolland und Guldborgsund auf dänischer Seite, der Handwerkskammer und der IHK Lübeck sowie der Bundesagentur für Arbeit auf deutscher Seite. Die drei dänischen Partner finanzieren gleichermaßen das Projekt, dessen Gesamtkosten etwa eine Million Kronen im Jahr betragen (etwa 135 000 Euro). Die deutschen Partner stellen unter anderem die Lokalitäten zur Verfügung.

Erfahrung im Nachbarland sammeln

Melani Hennings Hansen (19) auf der Seebrücke von Timmendorfer Strand.

Quelle:

Timmendorfer Strand. „Du kannst hier stehen und den Hansa Park sehen. Das finde ich super witzig“, sagt Melani Hennings Hansen und zeigt auf die Bucht, wo acht Kilometer weiter im Norden zwei Achterbahnloopings aus der Walddecke herausragen. Die 19-Jährige aus dem dänischen Holeby steht auf einer Holzbrücke, die sich ein paar Meter über einem Sandstrand mit einer Menge Strandkörben erhebt. Diese stehen im Großen und Ganzen leer und wieder einmal hat sich niemand an diesem Vormittag ins Wasser, begeben, an einem Tag mitten im Juni, wo Wellen über den Strand brechen und die Sonne nur ein wenig durch die löchrige Wolkendecke bricht.

Gutgekleidete deutschsprachige Touristen mit Sonnenhüten und angeleinten Hunden spazieren auf der Promenade entlang. Hinter ihnen ragt das zehngeschossige Grand Hotel Seeschlösschen in die Höhe, eines der höchsten Gebäude in Timmendorfer Strand. Melani Hennings Hansen führt durch das Fünf-Sterne-Hotel, in dem sie ein Praktikum in der Küche macht. „Bisher habe ich noch nicht das komplette Hotel gesehen. Das würde wirklich viel Zeit in Anspruch nehmen“, sagt sie, hier gibt es gewiss um die 2.000 Angestellte.

Fremde Umgebung und kein einziges Wort Deutsch

Die 19-Jährige zog für ein neunmonatiges Praktikum im Februar vom Elternhaus in Holeby in ein Personal-Zimmer in Timmendorfer Strand, der norddeutschen Ferienstadt an der Lübecker Bucht mit 5-Sternehotels und einem Michelin-Restaurant – als Teil ihrer Ausbildung zur Ernährungsassistentin bei CELF (Centrum für Berufsbezogene Ausbildungen Lolland-Falster) in einem neunmonatigen Praktikum. Melani Hennings Hansen ist eine von sieben CELF-Auszubildenden, die die Chance für einen längeren Aufenthalt in Deutschland wahrgenommen hat, ermöglicht durch die deutsch-dänische Zusammenarbeit mit dem Fehmarnbelt-Ausbildungsbüro. Das Ziel ist die Schaffung eines besseren grenzüberschreitenden Arbeits- und Ausbildungsmarktes zwischen Lolland-Falster und Schleswig-Holstein.

Die Kooperation startete vor zwei Jahren und neben den längerfristigen Aufenthalten nahmen 59 CELF-Auszubildende an dreiwöchigen Praktikumsaufenthalten in Deutschland teil. Bei CELF sähe man aber gerne, dass das Angebot auch weiter genutzt wird, Weiter das Angebot nutzten, welches im nächsten Sommer ausläuft,sollten die Partner es nicht über den nächsten Sommer hinaus verlängern.

Melani Hennings Hansen fing im letzten Jahr im August 2016 bei CELF an. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie keine Ahnung, dass sie drei Monate später in einem Fünf-Sterne-Hotel in Deutschland arbeiten würde. Aber so geschah es. Die Möglichkeit, sich selbst auszuprobieren, außerhalb des sicheren dänischen Arbeitsmarktes, sagte ihr zu und im November 2016 zog sie nach Timmendorfer Strand für ein dreiwöchiges Praktikum als Teil ihrer Grundausbildung. Kurz zuvor frischte sie ihre Deutschkenntnisse in einem Deutschkursus auf. Das tat sie, nachdem sie erste Deutschstunden empfing, das ihr deutsch aus der Grundschule aus Holeby auffrischte. „Als ich hier runter kam, war ich superschlecht in Deutsch. Wir hatten die banalsten Dinge gelernt, bevor wir abreisten, aber ich konnte fast kein einziges deutsches Wort.“

„Sie“ statt „Du“ und bloß immer pünktlich sein

Als sie im Februar für die Arbeit in Timmendorfer Strand zurückkam, begann sie dann doch mit den deutschsprachigen Kollegen in der Küche Deutsch anstelle von Englisch zu sprechen, wie sie es noch zuvor im Herbst getan hatte. In dem dreiwöchigen Aufenthalt bemühte sie sich nicht, Deutsch zu lernen und sprach primär Englisch, auch mit den deutschen Kollegen. „Es ist gut, die deutsche Sprache zu beherrschen, aber ich konnte keinen Grund sehen, mich richtig mit der Sprache auseinanderzusetzen, da ich nicht wusste, ob ich noch mal zurückkommen würde.“Aber nachdem sie zurückgekommen sei, lernte sie eine Menge Deutsch und in der Küche spreche sie nun primär Deutsch mit denen, die die Sprache beherrschen. Denn die Kollegen in der Küche kommen auch aus Ländern wie Spanien, Polen und den Niederlanden. Verschiedene Kulturen prallen aufeinander. Als sie in Timmendorf ankam im November ankam, war ihr schnell klar, dass ihre dänische eine andere Kultur als die deutsche war. 

„Man spricht einander mit ,Herr’ und ,Frau’ an und es ist kein Märchen, dass die Deutschen Wert auf Pünktlichkeit legen.“ Die ersten Male kam sie mitunter zu spät. „Wenn du zu spät kommst, bekommst du Ärger von deinem Küchenchef. Wenn du um 6 Uhr erscheinen sollst, dann solltest du auch um 6 Uhr da sein. Eigentlich gerne fünf Minuten eher. Die nehmen Pünktlichkeit wirklich ernst, hier in Deutschland," sagt sie und fügt hinzu, dass "geschlachtet" eine Übertreibung ist.

Projektleiter hoffen auf mehr Beteiligung an Praktika

Melani Hennings Hansen ist wie erwähnt in einer Ausbildung zur Ernährungsassistentin, aber eine Vielzahl an Auszubildenden bei CELF haben ein Praktikum in Deutschland über die dänisch deutsche Kooperation angenommen, unter anderem Lehrlinge aus der Ernährungs-, Elektronik- und Einzelhandelsbranche. Als das Fehmarnbelt-Ausbildungsbüro im Juli 2015 öffnete, fehlten Praktikumsplätze auf Lolland-Falster, während in Norddeutschland Praktikanten in einigen Berufszweigen gesucht wurden.

Svend Erik Jessen, Projektmanager bei CELF, sähe es gerne, dass mehr als die 59 Auszubildenden in den dreiwöchigen Praktika und die neun Auszubildenden in den längeren Aufenthalten diese Chance wahrnehmen würden. „Es sind nicht viele, die das bisher genutzt haben. Wir hoffen, dass weitere davon Gebrauch machen. Wir hätten gerne permanent 10 bis 15 Auszubildende in den längerfristigen Profilen, bevor wir sagen können, dass das Projekt einen Effekt hat“, sagt er", sagt er und fügt hinzu, die Kooperationspartner haben sich kein Ziel für die Anzahl der Auszubildenden gesteckt, die das dänisch-deutsche Praktikum nutzen sollen.

Eine Rückkehr ist nicht ausgeschlossen

Melani Hennings Hansen bereut ihren Aufenthalt in Timmendorfer Strand nicht, selbst wenn es manchmal hart sein kann, weg von den Freunden, dem Freund und der Familie auf Lolland zu sein. Die Sommersaison im Fünf-Sterne-Hotel ist zwar im vollen Gange, trotzdem kehrt sie bald wieder zurück nach Hause. „Ich bin hier bald ein halbes Jahr und ich habe Freunde fürs Leben gefunden. Ich lerne jeden Tag neue Dinge. Hier funktionieren Dinge einfach auf andere Weise“, sagt die Auszubildende und blickt auf die Anfangszeit zurück. „Es war hart, hierher zu kommen, weil man nicht so viel Kontakt mit daheim hat. Aber wo ich nun hier bin, wird es schwer, wieder wegzugehen.“ Zwar kann sie während ihrer Ausbildung nicht noch einmal ins Hotel zurückkehren. Dennoch hofft sie, bald wieder in Deutschland arbeiten zu können. In Deutschland bildet man keine Ernährungsassistenten aus, und Melani Hennings Hansen hat erklärt bekommen, dass sie zunächst nicht in das Hotel zu einem späteren Zeitpunkt in Ihrer Ausbildung zurückkommen kann.

„Sollte ich die Chance haben, werde ich das ganz sicher tun.“

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