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Norddeutschland Fehmarnbeltschiene: IHK trifft Kritiker
Nachrichten Norddeutschland Fehmarnbeltschiene: IHK trifft Kritiker
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21:16 28.08.2013

Lübeck — „Wir wollen uns selbst ein Bild machen und nicht nach Aktenlage entscheiden“, begründet die Lübecker IHK-Präses Friederike C. Kühn die Bustour von Präsidium und IHK-Ausschussmitgliedern in das ostholsteinische Hinterland der festen Fehmarnbeltquerung. Dort wird in diesen Wochen heftig wie selten zuvor um die verträglichste Bahntrasse gestritten. Befeuert wird die Diskussion durch eine neue Analyse der Bahn, wonach das Unternehmen einen Ausbau der Bestandstrasse favorisiert. Das Gleis führt mitten durch mehrere Ostseebäder. Kein einfacher Weg also für die Mitglieder der Industrie- und Handelskammer, die seit jeher zu den glühenden Verfechtern des Belttunnels gehört. Ein Bahnvertreter sollte mit im Bus sitzen. Doch die Bahn schlug die Einladung der Kammer aus.

1. Station Bad Schwartau: „Wir sind froh, dass es ein Raumordnungsverfahren gibt“, begrüßt Bürgermeister Gerd Schuberth die Runde. „Wir glauben nämlich, dass wir mit unserem Anliegen beim Land besser aufgehoben sind als später beim Eisenbahn-Bundesamt.“ Wie andere Bürgermeister traut Schuberth der Bahn offenbar nicht über den Weg. Das laufende Raumordnungsverfahren soll die verträglichste Bahntrasse für Mensch und Umwelt ermitteln. Schuberth befürchtet, dass der Stadtteil Kaltenhof (mit 2300 Einwohnern gut zehn Prozent der Schwartauer Bevölkerung) durch erhebliche Schließzeiten der Schranken abgekoppelt wird, wenn der Tunnel da ist. „Diese Einwohner sind auf eine Versorgung durch die Innenstadt angewiesen“, mahnt Schuberth. Schwartau plädiert für die sogenannte X-Trasse. Das ist eine weiträumige Umfahrung der Solestadt. Die Trasse würde über Dänischburg führen. Einwände, diese Variante würde ein sensibles Schutzgebiet queren, wischt Schubert vom Tisch. „Das Schutzgut Mensch geht für uns vor dem Schutzgut Borstgras.“

2. Station Ratekau: Stopp am Stückerbusch. Man hört die Vögel singen. Idylle pur. Hier würde die E-Variante die Landschaft zerschneiden. „Der Trassenbau würde Ratekau erheblich treffen“, sagt Corina Harnack in Vertretung des Bürgermeisters. Die Gemeinde würde von Autobahn und Bahngleis „in die Zange genommen“. Moore würden durchschnitten. Ratekau sei von lokalen Betrieben geprägt, für die die Hinterlandanbindung keine Rolle spielt, geht sie auf die IHK-Argumentation ein, wonach der Tunnel „blühende Wirtschaftslandschaften“ verheißt. Harnack vergisst nicht zu erwähnen, dass Ratekau mehrfach als Umweltgemeinde ausgezeichnet wurde. „Wir möchten das nicht durch eine Bahntrasse zerstört wissen.“

3. Station Timmendorfer Strand: „Die Schienen führen jetzt schon durch die Vorgärten von Timmendorfern“, klagt Bürgermeisterin Hatice Kara. „Wir sehen durch die Bahn-Planung unsere wirtschaftliche Kraft als Tourismusort gefährdet.“ Auch das heimische Handwerk würde in Mitleidenschaft gezogen. Der Bahnübergang Schwedenweg solle wegfallen. Das dahinter liegende Gewerbegebiet geriete ins Abseits. Die Bahn hatte an dem Übergang 69 Fahrzeuge pro Tag gezählt.

Zählungen der Gemeinde ergaben ein Aufkommen von über 1000 Fahrzeugen.

4. Station Scharbeutz und Haffkrug: Bürgermeister Volker Owerien ist nicht der einzige an diesem Tag, der harsche Kritik am Gutachterwesen der Bahn äußert. Er habe den Eindruck, dass Gutachter den Auftrag hätten, genau die Argumente herauszuarbeiten, die Positionen der Bahn stärkten. Die Bahn versuche alles, Beeinträchtigungen in den Küstenorten kleinzurechnen. Beispiel: Das Kleinod Wennsee sei im ökologischen Gutachten einfach nicht berücksichtigt worden. Im Bus übernimmt Holger Schädlich das Mikrofon. Der Geschäftsführer des Bauernverbands hat eine ganz andere Sicht der Dinge. „Eine neue Trasse würde enorm viel Land fressen. Für Landwirte nicht akzeptabel.“ Der Verband teile deshalb die Meinung der Bahn: Ausbau der Bestandstrasse.

5. Station Sierksdorf: Auf die IHK-Delegation wartet eine Überraschung in Form einer kleinen Demo. Mitglieder des Bündnisses gegen die feste Querung wollen ihre Sorgen loswerden. „Das Projekt ist finanzpolitisch ein Milliardengrab“, sagt eine Sprecherin. Für die Tunnelgegner bedeutet Sierksdorfer Terrain ein Heimspiel. „Die Gemeinde votiert für einen Ausstieg aus dem Projekt“, erklärt Bürgermeister Volker Weidemann.

„Wir haben ein buntes Bild von Meinungen mitgenommen“, zieht IHK-Präses Kühn nach fünfstündiger Küstentour Bilanz. „Es war spannend und interessant.“ An der Grundhaltung der Kammer ändere sich aber nichts, stellt Hauptgeschäftsführer Schöning klar. „Wir plädieren weiter für die 2+1-Variante.“ Kühn erklärt: „Fern-, Güter- und Nahverkehr auf einer Trasse, das kann nicht das Optimum sein.“

Curd Tönnemann

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