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Norddeutschland Fehmarnsundbrücke: Bund lehnt Sanierung ab
Nachrichten Norddeutschland Fehmarnsundbrücke: Bund lehnt Sanierung ab
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15:37 27.04.2016
Die schmucke Fehmarnsundbrücke könnte bald für den Straßen- und Zugverkehr ausgedient haben. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Berlin

„Kleiderbügel“ nennen die Einheimischen liebevoll die 973 Meter lange Brücke über den Fehmarnsund. Der 23 Meter hohe Bogen der kombinierten Eisenbahn- und Straßenbrücke ist ein weithin sichtbares Zeichen der Verbindung von Insel und Festland. Allerdings könnte das Bauwerk aus den 60er Jahren in absehbarer Zeit nur noch als Denkmal in der Landschaft stehen. Der Bund erteilte der Forderung nach einer Sanierung des Bauwerks, um es für den ansteigenden Verkehr im Zuge des geplanten Fehmarnbelt-Tunnels nach Dänemark fit zu machen, nun eine endgültige Absage.

„Die zu erwartenden Verkehre würden die Brücke überlasten.“Enak Ferlemann

Enak Ferlemann, CDU-Staatssekretär im Berliner Verkehrsministerium, sagte jetzt den LN: „Über eine Nachnutzung des bestehenden Bauwerks wurde durchaus diskutiert. Im Resultat ist eine Nachnutzung jedoch nicht wirtschaftlich. Zwar wäre eine Instandsetzung und Ertüchtigung des bestehenden Bestandsbauwerks, wie dies der Bundesrechnungshof vor Kurzem dargestellt hatte, technisch machbar, um die Brücke für den Straßenverkehr fit zu machen. Für die Schiene ist dies jedoch nicht möglich.“ Die jetzige Brücke könne den steigenden Schienenverkehr, vor allem deutlich längere Züge, nicht aufnehmen „und kann dafür auch nicht ertüchtigt werden“, erklärte Ferlemann. Außerdem müsste für etwaige Sanierungsarbeiten die Brücke „für täglich circa vier Stunden komplett gesperrt werden“. Der Zug- und Straßenverkehr von und zur Insel sowie auch die Fährbedienung der Vogelfluglinie müsste für diesen Zeitraum unterbrochen werden. Eine Horrorvorstellung mit entsprechenden bitteren Konsequenzen für Lebensqualität, Wirtschaft und Tourismus in der Region. „Dies war ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Entscheidung zum Bau einer neuen Brücke“, sagte Ferlemann.

Der Bundesrechnungshof hatte den Bund nicht nur gerügt, weil der eine Sanierung nicht ausreichend geprüft habe, sondern auch kritisiert, dass die Deutsche Bahn die Instandhaltung des Bauwerks „über Jahrzehnte vernachlässigt“ habe. Etwa den Korrosionsschutz. Ferlemann verwies dagegen auf Belastungstest aus dem Jahre 2010. Danach bestehe „für die gegenwärtigen Beanspruchungen kein Sicherheitsdefizit“. Allerdings sehe dies bei dem zu erwartenden Güterverkehr anders aus. Dann gebe es nur noch eine „geringe Restnutzungsdauer“. In die Entscheidung für den Neubau einer Sundquerung seien das Land Schleswig-Holstein, das Eisenbahnbundesamt und die Bahn eingebunden gewesen.

Die Bundestags-Haushälterin Bettina Hagedorn (SPD) verwies darauf, dass nun gleichberechtigt der Neubau einer Brücke wie der eines Tunnels geprüft werde. Die Grünen-Verkehrspolitikerin Valerie Wilms verlangte eine „saubere Bewertung“ der derzeitigen Belastung des Bauwerks, um fundiert entscheiden zu können. Wenn der Fehmarnbelt-Tunnel nicht komme, worauf manche in Ostholstein hoffen, brauche man nur eine neue Straßenbrücke über den Sund — eine, die nicht so windanfällig ist wie der alte „Kleiderbügel“.

Von Reinhard Zweigler

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